pv-calor.com
Batteriespeicher: Der Helfer bei schlechtem Wetter Icon

Batteriespeicher: Der Helfer bei schlechtem Wetter

Einleitung: Der Energiepuffer für Ihr Zuhause

Solaranlagen sind neben Windrädern das Sinnbild für nachhaltige Energieerzeugung. Sie sind kompakt, leise, leistungsstark, emissionsarm und vielfältig einsetzbar. Einen großen Nachteil haben sie jedoch: Die Abhängigkeit vom Wetter. Besonders bei schlechtem Wetter zeigt sich der Wert eines Batteriespeichers als verlässlicher Helfer.

Wenn die Sonne von Wolken bedeckt ist, die Tage kurz sind oder Schneestürme die Module zudecken, wird wenig bis kein nutzbarer Solarstrom erzeugt. Der Batterietechnik sei Dank gibt es eine Lösung: Mit modernen Batteriespeichern können diese Zeiten überbrückt werden.

Die Batterie im Alltag: Ein typischer Tag

Die untere Darstellung zeigt das Zusammenspiel zwischen Tageszeit, Solarstromerzeugung und Energieverbrauch in einem typischen Haushalt.

Morgens (6–9 Uhr)

  • Sonneneinstrahlung: Niedrig (flacher Sonnenstand)
  • Stromerzeugung: Gering
  • Verbrauch: Mäßig (Frühstück, Warmwasser)
  • Batterie: Beginnt zu entladen oder Netzbezug

Vormittag bis Mittag (9–14 Uhr)

  • Sonneneinstrahlung: Hoch bis maximal
  • Stromerzeugung: Maximum (Sonne steht im Zenit)
  • Verbrauch: Niedrig (Familie unterwegs)
  • Batterie: Lädt auf – speichert überschüssige Energie

Nachmittag und Abend (15–22 Uhr)

  • Sonneneinstrahlung: Abnehmend bis null
  • Stromerzeugung: Sinkt kontinuierlich
  • Verbrauch: Hoch (Kochen, Unterhaltung, Heizung)
  • Batterie: Entlädt und versorgt das Haus

Die Realität: Nicht jeder Tag ist ideal

Das obige Beispiel zeigt einen idealen Tagesverlauf. In der Praxis:

  • Jeder Mensch lebt anders
  • Das Wetter ist unvorhersehbar
  • Manchmal lädt die Batterie nicht vollständig
  • Manchmal fehlt der Verbrauch zum optimalen Entladen

Deshalb wird intelligente Lade- und Messelektronik eingesetzt. Eine smarte Software steuert die Leistungselektronik und nutzt Daten aus dem Stromzähler, um die Batterie so effizient wie möglich einzusetzen.

Warum überhaupt ein Speicher?

Eigenverbrauch maximieren

Ohne Speicher: Überschüssiger Solarstrom fließt ins Netz (Einspeisevergütung ~8 Cent/kWh) Mit Speicher: Eigener Strom wird abends genutzt (Netzbezug ~30–35 Cent/kWh)

Ersparnis pro kWh Eigenverbrauch: ~25 Cent

Autarkie erhöhen

Anlage Autarkiegrad
Nur PV, ohne Speicher 25–35%
PV + Speicher 60–80%
PV + großer Speicher bis 90%

Netzunabhängigkeit

Ein Speicher kann bei Stromausfall als Notstromversorgung dienen (abhängig vom System).

Batteriedimensionierung: Wie groß muss der Speicher sein?

Die richtige Speichergröße hängt von mehreren Parametern ab:

Wichtige Fragen vorab

  1. Wie viel Strom erzeugt die Solaranlage im Durchschnitt?
  2. Was ist die maximale Stromerzeugungsleistung (kWp)?
  3. Welchen Autarkiegrad wollen Sie erreichen?
  4. Wie viel Strom wird jährlich verbraucht?

Faustformeln zur Dimensionierung

Bezogen auf die Peak-Leistung (kWp):

Pro erzeugtem kWp sollten 0,9 bis 1,6 kWh Speicherkapazität vorhanden sein.

Anlagengröße Empfohlener Speicher
5 kWp 4,5 – 8 kWh
8 kWp 7,2 – 12,8 kWh
10 kWp 9 – 16 kWh

Bezogen auf den Jahresstromverbrauch:

Die Kapazität sollte etwa 60% des täglichen Stromverbrauchs betragen.

Jahresverbrauch Täglicher Verbrauch Empfohlener Speicher
3.000 kWh 8,2 kWh ~5 kWh
5.000 kWh 13,7 kWh ~8 kWh
7.000 kWh 19,2 kWh ~12 kWh

Praxis-Tipp

Überdimensionierung lohnt sich selten:

  • Ein zu großer Speicher wird nie vollständig geladen
  • Die Mehrkosten amortisieren sich nicht
  • Besser: Etwas kleiner dimensionieren und Netz als Backup nutzen

Die C-Rate verstehen

Die C-Rate beschreibt das Verhältnis zwischen Lade-/Entladeleistung und Speicherkapazität:

C-Rate = Leistung (kW) / Kapazität (kWh)

Beispielrechnung

Eine Batterie mit:

  • Entlade-/Ladeleistung: 10 kW
  • Kapazität: 20 kWh

Hat eine C-Rate von: 10 kW / 20 kWh = 0,5C

Das bedeutet: Die Batterie lädt bzw. entlädt sich in 2 Stunden.

C-Rate im Überblick

C-Rate Lade-/Entladezeit Anwendung
0,25C 4 Stunden Langsame Ladung, schonend
0,5C 2 Stunden Standard für Heimspeicher
1C 1 Stunde Schnellladen
2C 30 Minuten Hochleistungsspeicher

Höhere C-Raten ermöglichen schnelles Laden, beanspruchen aber die Batterie stärker und können die Lebensdauer verkürzen.

Batterie-Kennzahlen im Überblick

Kapazität (kWh)

Die Energiemenge, die der Speicher aufnehmen und abgeben kann.

  • Brutto-Kapazität: Gesamte physische Kapazität
  • Netto-Kapazität: Tatsächlich nutzbar (meist 90–95%)

Lade- und Entladeleistung (kW)

Wie schnell die Batterie Energie aufnehmen oder abgeben kann.

  • Wichtig für Lastspitzen (z.B. E-Herd einschalten)
  • Typisch: 3–10 kW bei Heimspeichern

Wirkungsgrad (%)

Wie viel der eingespeicherten Energie tatsächlich wieder entnommen werden kann.

  • Lithium-Ionen: 90–95%
  • Verluste entstehen durch Wandlung und Wärme

Zyklenlebensdauer

Wie viele Lade-/Entladezyklen die Batterie übersteht.

  • Typisch: 5.000–10.000 Zyklen
  • Bei einem Zyklus pro Tag: 13–27 Jahre

Entladetiefe (DoD – Depth of Discharge)

Wie weit die Batterie entladen werden darf.

  • Lithium-Ionen: 80–100% DoD möglich
  • Höhere DoD = mehr nutzbare Kapazität, aber mehr Verschleiß

Speichertechnologien im Vergleich

Lithium-Ionen (Standard)

  • Vorteile: Hohe Energiedichte, lange Lebensdauer, hoher Wirkungsgrad
  • Nachteile: Höhere Kosten, Temperaturempfindlichkeit
  • Anwendung: Standard für Heimspeicher

Lithium-Eisenphosphat (LFP)

  • Vorteile: Sehr sicher, lange Lebensdauer, robust
  • Nachteile: Etwas geringere Energiedichte
  • Anwendung: Zunehmend bei Heimspeichern

Blei-Säure

  • Vorteile: Günstiger, bewährte Technik
  • Nachteile: Geringere Lebensdauer, weniger Zyklen, schwerer
  • Anwendung: Noch in älteren Anlagen, Off-Grid

Salzwasser-Batterien

  • Vorteile: Umweltfreundlich, nicht brennbar
  • Nachteile: Geringere Energiedichte, schwer
  • Anwendung: Spezialanwendungen

Fazit

Auf den Punkt: Ein Batteriespeicher macht eine Solaranlage erst richtig rund. Er überbrückt die Lücke zwischen Erzeugung (tagsüber) und Verbrauch (abends), erhöht den Eigenverbrauch und steigert die Wirtschaftlichkeit der Anlage. Bei der Dimensionierung gilt: Nicht zu groß wählen. Die Faustformeln (0,9–1,6 kWh pro kWp oder 60% des Tagesverbrauchs) geben eine gute Orientierung.

Zum Abschluss: Im letzten Artikel dieser Serie Kennzahlen einer Solaranlage: Das Glossar finden Sie alle wichtigen Kennzahlen von kW bis kWp, von Wirkungsgrad bis C-Rate übersichtlich zusammengefasst.

Quellen