Anleitung zur Nutzung des Luft-Luft-Wärmepumpenrechners
Inhaltsverzeichnis
- Einführung
- Berechnungsgrundlagen
- Schritt-für-Schritt Anleitung
- Ergebnisse verstehen
- Wirtschaftlichkeit und Umweltbilanz
- Tipps und Best Practices
- Häufige Fragen (FAQ)
- Hintergrundinformationen
Einführung
1.1 Was ist eine Luft-Luft-Wärmepumpe?
Eine Luft-Luft-Wärmepumpe (auch Split-Klimaanlage genannt) ist ein hocheffizientes Heiz- und Kühlsystem, das Wärme aus der Außenluft gewinnt und direkt an die Raumluft abgibt. Im Gegensatz zu Luft-Wasser-Wärmepumpen arbeitet sie ohne Wasserkreislauf und kann daher besonders schnell und flexibel installiert werden.
Aufbau eines Split-Systems:
- Außengerät: Enthält Kompressor und Wärmetauscher, entzieht der Außenluft Wärme
- Innengerät(e): Geben die Wärme an den Raum ab (oder entziehen im Kühlbetrieb Wärme)
- Kältemittelleitung: Verbindet Außen- und Innengerät(e)
1.2 Single-Split vs. Multi-Split
| System | Beschreibung | Anwendung |
|---|---|---|
| Single-Split | 1 Außengerät + 1 Innengerät | Einzelner Raum (Wohnzimmer, Büro) |
| Multi-Split | 1 Außengerät + 2-8 Innengeräte | Mehrere Räume mit individueller Regelung |
Vorteile Single-Split:
- Einfachere Installation
- Günstigere Anschaffung
- Unabhängiger Betrieb
Vorteile Multi-Split:
- Ein Außengerät für mehrere Räume
- Weniger Platzbedarf außen
- Zentrale Steuerung möglich
1.3 Abgrenzung zu Luft-Wasser-Wärmepumpen
| Merkmal | Luft-Luft-WP | Luft-Wasser-WP |
|---|---|---|
| Wärmeabgabe | Direkt an Raumluft | Über Wasserkreislauf (Heizkörper, Fußbodenheizung) |
| Warmwasser | Nicht möglich | Ja, Trinkwassererwärmung |
| Installation | Schnell (1-2 Tage) | Aufwendig (Heizungsumbau) |
| Kosten | 2.000-8.000 EUR | 15.000-30.000 EUR |
| Kühlung | Standard | Optional (Zusatzkosten) |
| Beste Anwendung | Ergänzungsheizung, Einzelräume | Vollheizung, Neubau |
1.4 Typische Anwendungsfälle
1. Ergänzung zur Bestandsheizung (Bivalenzbetrieb)
- Luft-Luft-WP übernimmt Grundlast in der Übergangszeit
- Bestandsheizung springt bei tiefen Temperaturen ein
- Einsparung von 30-60% der Heizkosten möglich
2. Einzelraum-Vollversorgung
- Wohnzimmer, Homeoffice, Wintergarten
- Schnelle Wärme ohne Aufheizen der gesamten Heizung
- Kühlung im Sommer
3. Sommerliche Kühlung
- Primärer Einsatz als Klimaanlage
- Heizfunktion als Zusatznutzen
4. PV-Eigenverbrauchsoptimierung
- Überschüssiger Solarstrom für Heizen/Kühlen
- Besonders attraktiv im Sommer (Kühlung bei PV-Spitze)
1.5 Normgrundlage
Dieser Rechner basiert auf:
- EN 14825:2022: Berechnung von SCOP (Heizen) und SEER (Kühlen)
- VDI 4650: Jahresarbeitszahl für Wärmepumpen
- EN 14511: Leistungsmessung bei Nennbedingungen
Berechnungsgrundlagen
2.1 SCOP - Saisonale Effizienz im Heizbetrieb
Der SCOP (Seasonal Coefficient of Performance) ist die wichtigste Kenngröße für die Heizeffizienz. Er gibt an, wie viel Wärme im Jahresmittel pro eingesetzter Kilowattstunde Strom erzeugt wird.
Formel:
SCOP = Jahresheizwärme [kWh] / Jahresstromverbrauch [kWh]
Beispiel: SCOP = 4,2 bedeutet: Für 1 kWh Strom werden 4,2 kWh Wärme erzeugt.
Typische SCOP-Werte:
| Bewertung | SCOP-Bereich | Energieeffizienzklasse |
|---|---|---|
| Sehr gut | > 5,0 | A+++ |
| Gut | 4,0 - 5,0 | A++ |
| Befriedigend | 3,5 - 4,0 | A+ |
| Ausreichend | 3,0 - 3,5 | A |
| Gering | < 3,0 | B oder schlechter |
2.2 Klimadaten und Standortbestimmung
Der Rechner verwendet zwei Datenquellen für die Berechnungen:
1. EN 14825 Klimazonen (für SCOP-Berechnung):
Die EN 14825 definiert drei Klimazonen für Europa mit unterschiedlichen Gewichtungsfaktoren für die SCOP-Berechnung:
| Klimazone | Typische Länder | Heizstunden | Design-Temp. |
|---|---|---|---|
| Average | Deutschland, Österreich, Schweiz | 4.910 h | -10°C |
| Warmer | Spanien, Italien, Südfrankreich | 3.590 h | +2°C |
| Colder | Schweden, Finnland, Norwegen | 6.446 h | -22°C |
2. PVGIS TMY-Daten (für Lastprofile und Detailberechnungen):
Für detaillierte Analysen lädt der Rechner echte Wetterdaten aus PVGIS (Photovoltaic Geographical Information System) für Ihren Standort:
- TMY (Typical Meteorological Year): 8.760 Stundenwerte (ein ganzes Jahr)
- Stündliche Temperaturen: Reale Messdaten eines typischen Jahres
- Verwendung für: Lastgangprofile, Kühlstundenberechnung, monatliche Detailergebnisse
Kombination beider Datenquellen: Die Klimazone bestimmt die EN 14825-Gewichtungsfaktoren für den SCOP und die Heizstunden für den Jahresheizwärmebedarf. Die TMY-Daten ermöglichen detaillierte stündliche Analysen wie Lastprofile und monatliche Aufteilungen.
Der Rechner ermittelt die Klimazone und lädt die TMY-Daten automatisch basierend auf Ihrem Standort.
2.3 COP vs. SCOP
| Kennwert | Bedeutung | Messbedingung |
|---|---|---|
| COP | Momentane Effizienz | Bei einer bestimmten Außentemperatur (z.B. A7 = 7°C) |
| SCOP | Saisonale Effizienz | Gewichteter Durchschnitt über die Heizsaison |
COP-Bezeichnungen:
- A7/W35: Außenluft 7°C, Abluft 35°C
- A2/W35: Außenluft 2°C, Abluft 35°C
- A-7/W35: Außenluft -7°C, Abluft 35°C
Wichtig: Der COP sinkt bei niedrigen Außentemperaturen. Bei -15°C kann der COP nur noch 2,0 betragen, während er bei +10°C bei 5,5 liegt. Der SCOP berücksichtigt diese Schwankungen über die gesamte Heizsaison.
2.4 SEER - Saisonale Effizienz im Kühlbetrieb
Der SEER (Seasonal Energy Efficiency Ratio) ist das Äquivalent zum SCOP für den Kühlbetrieb.
Typische SEER-Werte:
| Bewertung | SEER-Bereich | Energieeffizienzklasse |
|---|---|---|
| Sehr gut | > 8,5 | A+++ |
| Gut | 6,0 - 8,5 | A++ |
| Befriedigend | 5,0 - 6,0 | A+ |
2.5 Bivalenzbetrieb
Beim Bivalenzbetrieb arbeiten zwei Wärmeerzeuger zusammen. Die Luft-Luft-Wärmepumpe wird mit einer bestehenden Heizung kombiniert.
Bivalenz-Modi:
| Modus | Beschreibung | Wann sinnvoll? |
|---|---|---|
| Monovalent | Nur Luft-Luft-WP | Gut gedämmte Häuser, milde Winter |
| Bivalent Alternativ | Unter Bivalenzpunkt nur Bestandsheizung | Einfachste Variante |
| Bivalent Parallel | Beide arbeiten gleichzeitig unter Bivalenzpunkt | Hoher Wärmebedarf |
| Bivalent Teilparallel | Luft-Luft Grundlast + Bestand Spitzen | Optimale Nutzung beider Systeme |
Bivalenzpunkt: Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Bestandsheizung einspringt. Typische Werte:
- -2°C bis +2°C: Standard für gut gedämmte Häuser
- +5°C: Bei älteren, schlecht gedämmten Gebäuden
- -5°C bis -10°C: Bei sehr effizienten Luft-Luft-Systemen
2.6 Jahresheizwärmebedarf
Der Rechner ermittelt den Jahresheizwärmebedarf über eine vereinfachte Methode basierend auf der Klimazone:
Qh = Heizlast [kW] × Heizstunden_Klimazone × 0,4
Parameter:
- Qh: Jahresheizwärmebedarf [kWh/a]
- Heizlast: Auslegungsheizlast [kW]
- Heizstunden_Klimazone: Aus EN 14825 (4.910 h für Average, 3.590 h für Warmer, 6.446 h für Colder)
- Faktor 0,4: Berücksichtigt, dass nicht die volle Heizlast über alle Stunden benötigt wird (Teillastbetrieb)
Beispiel für Klimazone "Average" (Deutschland):
Heizlast = 5 kW
Heizstunden = 4.910 h
Qh = 5 × 4.910 × 0,4 = 9.820 kWh/Jahr
Hinweis: Dies ist eine vereinfachte Abschätzung. Die tatsächlichen monatlichen Werte werden zusätzlich aus den TMY-Temperaturdaten berechnet und sind im Tab "Jahresverlauf" detailliert aufgeschlüsselt.
Schritt-für-Schritt Anleitung
Der Rechner führt Sie durch einen 6-stufigen Wizard. Hier erklären wir jeden Schritt im Detail.
3.1 Schritt 1: Systemtyp wählen
Im ersten Schritt wählen Sie zwischen Single-Split und Multi-Split.
Entscheidungshilfe:
| Kriterium | Single-Split | Multi-Split |
|---|---|---|
| Anzahl zu beheizender Räume | 1 | 2-8 |
| Unabhängiger Betrieb pro Raum | Ja | Ja, aber abhängig von Außengerät |
| Außengerät-Anzahl | 1 pro Raum | 1 für alle Räume |
| Fassadenoptik | Mehrere Außengeräte | Ein Außengerät |
| Flexibilität | Hoch | Mittel |
| Kosten | Günstiger pro Gerät | Günstiger ab 3+ Räumen |
Tipp: Wenn Sie nur einen Hauptraum (z.B. Wohnzimmer) klimatisieren möchten, ist Single-Split die einfachere Wahl. Bei mehreren Räumen lohnt sich Multi-Split ab 3 Räumen wirtschaftlich.
3.2 Schritt 2: Standort eingeben
Der Standort bestimmt die Klimadaten für die Berechnung.
Eingabefelder:
- Land: Deutschland, Österreich, Schweiz, Frankreich, Italien
- PLZ: Postleitzahl
- Ort: Wird automatisch ergänzt oder manuell eingegeben
Automatisch ermittelte Werte:
- Norm-Außentemperatur: Tiefste zu erwartende Temperatur (z.B. -10°C für Berlin)
- Klimazone: Average, Warmer oder Colder nach EN 14825
Sie können die Norm-Außentemperatur manuell überschreiben, falls Sie abweichende Werte verwenden möchten.
Hinweis: Für eine normgerechte Berechnung konsultieren Sie die BWP Klimakarte für offizielle Norm-Außentemperaturen.
3.3 Schritt 3: Geräte auswählen
In diesem Schritt wählen Sie die konkreten Geräte aus unserem Katalog.
Außengerät auswählen
Filteroptionen:
- Hersteller: Daikin, Mitsubishi, LG, Samsung, etc.
- Heizleistung: Bereich in kW (z.B. 2,5-5,0 kW)
- Kühlleistung: Bereich in kW
Wichtige Gerätedaten:
- Nennheizleistung: Leistung bei Standardbedingungen (A7/W20)
- SCOP: Saisonale Effizienz laut Herstellerangabe
- SEER: Saisonale Kühleffizienz
- Max. Innengeräte: Bei Multi-Split-Systemen
- Min. Betriebstemperatur: Bis zu welcher Außentemperatur das Gerät arbeitet
Innengeräte auswählen
Innengeräte-Typen:
| Typ | Beschreibung | Einbauort |
|---|---|---|
| Wandgerät | Klassische Klimaanlage an der Wand | Wohnzimmer, Schlafzimmer |
| Truhengerät | Standgerät am Boden | Unter Fenstern, Wintergarten |
| Kassettengerät | Einbau in Decke | Büros, Gewerbe |
| Kanalgerät | Versteckt in Zwischendecke | Unsichtbare Installation |
Bei Multi-Split: Fügen Sie nacheinander Innengeräte hinzu. Achten Sie auf das Kapazitätsverhältnis:
Kapazitätsverhältnis = Summe Innengeräte-Leistung / Außengerät-Leistung
| Verhältnis | Bewertung |
|---|---|
| 0,8 - 1,0 | Optimal |
| 1,0 - 1,3 | Akzeptabel (leichte Überdimensionierung) |
| < 0,8 | Unterdimensioniert (Warnung) |
| > 1,3 | Stark überdimensioniert (Warnung) |
Wichtig: Bei Multi-Split-Systemen müssen Außen- und Innengeräte kompatibel sein. Der Rechner prüft dies automatisch und zeigt Warnungen bei inkompatiblen Kombinationen.
3.4 Schritt 4: Räume / Heizlast erfassen
Hier geben Sie die zu beheizenden Räume mit ihrer Heizlast ein.
Single-Split: Ein Raum
Eingabefelder:
- Raumname: z.B. "Wohnzimmer"
- Geschoss: KG, EG, OG, DG
- Grundfläche: in m²
- Heizlast: in kW (oder Schätzung nutzen)
- Solltemperatur: Gewünschte Raumtemperatur (Standard: 20°C)
Heizlast schätzen: Falls Sie die Heizlast nicht kennen, können Sie die Schätzfunktion nutzen:
- Gut gedämmt (ab 2010): 40-50 W/m²
- Mittel gedämmt (1990-2010): 50-70 W/m²
- Schlecht gedämmt (vor 1990): 70-100 W/m²
Der Rechner verwendet standardmäßig 60 W/m² als Mittelwert.
Tipp: Für eine genaue Heizlast nutzen Sie unseren Heizlastrechner und importieren die Ergebnisse.
Multi-Split: Mehrere Räume
Bei Multi-Split erfassen Sie mehrere Räume in einer Tabelle:
| Feld | Beschreibung |
|---|---|
| Name | Raumbezeichnung |
| Geschoss | Stockwerk |
| Fläche | Grundfläche in m² |
| Heizlast | Heizlast in kW |
| Innengerät | Zugeordnetes Innengerät |
| Aktiv | Mit Luft-Luft beheizt? |
Import aus Heizlast-Projekt: Wenn Sie bereits eine Heizlastberechnung durchgeführt haben, können Sie die Räume importieren:
- Klicken Sie auf "Räume importieren"
- Geben Sie den Projektschlüssel ein
- Wählen Sie die zu importierenden Räume aus
Dimensionierungshinweise
Der Rechner zeigt farbcodierte Hinweise zur Dimensionierung:
| Farbe | Deckungsgrad | Bedeutung |
|---|---|---|
| Grün | ≥ 90% | Gerät deckt Heizlast vollständig |
| Gelb | 70-90% | Bivalenzbetrieb empfohlen |
| Rot | < 70% | Gerät unterdimensioniert |
3.5 Schritt 5: Bivalenz & Wirtschaftlichkeit
Dieser Schritt konfiguriert den Betriebsmodus und die wirtschaftlichen Parameter.
Bivalenz-Modus wählen
1. Monovalent (nur Luft-Luft)
- Luft-Luft-WP ist alleiniger Wärmeerzeuger
- Sinnvoll bei gut gedämmten Gebäuden und milden Wintern
- Keine Bestandsheizung erforderlich
2. Bivalent Alternativ
- Unter dem Bivalenzpunkt schaltet Luft-Luft ab
- Bestandsheizung übernimmt vollständig
- Einfachste Regelung
3. Bivalent Parallel
- Beide Systeme arbeiten gleichzeitig unter dem Bivalenzpunkt
- Für hohen Wärmebedarf bei tiefen Temperaturen
- Komplexere Regelung
4. Bivalent Teilparallel
- Luft-Luft liefert Grundlast (z.B. 70%)
- Bestandsheizung deckt Spitzen
- Optimale Ausnutzung beider Systeme
5. Nur Kühlung/Übergang
- Luft-Luft nur für Kühlung oder Übergangszeit
- Bestandsheizung ist Hauptwärmeerzeuger
Bestandsheizung konfigurieren
Bei Bivalenz-Modi 2-5 definieren Sie Ihre Bestandsheizung:
| Feld | Beschreibung | Beispiel |
|---|---|---|
| Typ | Art der Heizung | Gas-Brennwert |
| Nennleistung | Heizleistung in kW | 15 kW |
| Wirkungsgrad | Jahresnutzungsgrad | 0,94 (94%) |
| Brennstoffpreis | Kosten pro kWh | 0,10 EUR/kWh |
| CO2-Faktor | Emissionen pro kWh | 0,20 kg/kWh |
Typische Werte nach Heizungstyp:
| Heizungstyp | Wirkungsgrad | Brennstoffpreis | CO2-Faktor |
|---|---|---|---|
| Gas-Brennwert | 0,94 | 0,10 EUR/kWh | 0,20 kg/kWh |
| Gas-Niedertemperatur | 0,85 | 0,10 EUR/kWh | 0,20 kg/kWh |
| Öl-Brennwert | 0,92 | 0,12 EUR/kWh | 0,27 kg/kWh |
| Pellets | 0,90 | 0,06 EUR/kWh | 0,02 kg/kWh |
| Elektro-Direkt | 1,00 | 0,32 EUR/kWh | 0,38 kg/kWh |
Bivalenzpunkt einstellen
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Bestandsheizung einspringt.
- Slider: -20°C bis +10°C
- Typischer Bereich: -2°C bis +5°C
Faustregeln:
- Gut gedämmtes Haus: -5°C bis 0°C
- Mittel gedämmtes Haus: 0°C bis +3°C
- Schlecht gedämmtes Haus: +3°C bis +5°C
Kühlung aktivieren (optional)
Wenn Sie die Kühlfunktion nutzen möchten:
Temperaturregelung:
- Absolute Temperatur: Feste Zieltemperatur (z.B. 24°C)
- Relativ zu Außen: Maximale Absenkung unter Außentemperatur (z.B. max. 6K Differenz)
Kühlschwelle: Außentemperatur, ab der Kühlung startet (z.B. 24°C)
Wirtschaftlichkeitsparameter
| Parameter | Beschreibung | Standardwert |
|---|---|---|
| Strompreis | Kosten pro kWh | 0,32 EUR |
| Strompreissteigerung | Jährliche Erhöhung | 3% |
| Betrachtungszeitraum | Wirtschaftlichkeitshorizont | 20 Jahre |
| Kalkulationszins | Für Kapitalwertberechnung | 3% |
| Installationskosten | Montage, Material | Auto oder manuell |
| Wartungskosten | Jährliche Wartung | 100-200 EUR |
3.6 Schritt 6: Berechnung starten
Nach Abschluss aller Eingaben klicken Sie auf "Berechnen". Der Rechner führt folgende Berechnungen durch:
- SCOP-Berechnung nach EN 14825
- Jahresheizwärmebedarf
- Stromverbrauch und Betriebskosten
- Bivalenz-Aufteilung (falls aktiv)
- Wirtschaftlichkeitsanalyse
- CO2-Bilanz
Die Ergebnisse werden in 7 Tabs präsentiert.
Ergebnisse verstehen
4.1 Tab 1: Übersicht
Die Übersicht zeigt die wichtigsten Kennzahlen auf einen Blick.
Hero-Kennzahlen:
| Kennzahl | Bedeutung | Guter Wert |
|---|---|---|
| SCOP | Saisonale Heizeffizienz | > 4,0 |
| Gesamtheizlast | Wärmeleistungsbedarf | - |
| Deckungsgrad | Anteil der Heizlast durch Luft-Luft | > 90% |
| Stromverbrauch | Jährlicher Verbrauch | - |
Bivalenz-Summary (bei Bivalenzbetrieb):
- Balkendiagramm: Wärmeaufteilung Luft-Luft vs. Bestand
- Jährliche Energiekosten aufgeschlüsselt
- Einsparung gegenüber reinem Bestandsbetrieb
Monovalent-Vergleich (ohne Bivalenz):
- Kostenvergleich zu Gas-Referenz
- CO2-Einsparung
4.2 Tab 2: Vergleich (nur bei Bivalenz)
Detaillierter Vergleich der beiden Heizsysteme:
| Kategorie | Luft-Luft | Bestand |
|---|---|---|
| Wärmeanteil | z.B. 85% | z.B. 15% |
| Betriebsstunden | z.B. 2.500 h | z.B. 500 h |
| Energieverbrauch | kWh Strom | kWh Brennstoff |
| Energiekosten | EUR/Jahr | EUR/Jahr |
| CO2-Emissionen | kg/Jahr | kg/Jahr |
Wichtige Erkenntnisse:
- Wie viel übernimmt die Luft-Luft-WP?
- Wie hoch ist die Einsparung?
- Wie viel CO2 wird eingespart?
4.3 Tab 3: Jahresverlauf
Monatliche Aufschlüsselung der Ergebnisse.
Monatliche Daten:
- Heizwärmebedarf in kWh
- Anteil Luft-Luft vs. Bestand
- Durchschnittliche Außentemperatur
- COP-Werte (Durchschnitt, Min, Max)
Diagramme:
- Stacked Bar Chart: Wärmeaufteilung pro Monat
- Liniendiagramm: COP-Verlauf über das Jahr
Interpretation: Im Übergang (März-April, Oktober-November) arbeitet die Luft-Luft-WP besonders effizient mit hohen COP-Werten. Im Winter sinkt der COP, aber die Bestandsheizung kann unterstützen.
4.4 Tab 4: Effizienz
Detaillierte Effizienzanalyse.
JAZ-Werte (Jahresarbeitszahl):
- JAZ Heizen: Reale Effizienz über die Heizsaison
- JAZ Kühlen: Reale Effizienz im Kühlbetrieb (falls aktiv)
- JAZ Gesamt: Gewichteter Durchschnitt
Effizienz-Rating: Klassifizierung nach EU-Energielabel (A+++ bis G)
COP-Kurve: Diagramm des COP bei verschiedenen Außentemperaturen:
- Bei -10°C: COP ca. 2,5
- Bei 0°C: COP ca. 3,5
- Bei +10°C: COP ca. 5,0
- Bei +20°C: COP ca. 6,0
Monatliche JAZ: Tabelle mit COP-Werten für jeden Monat inkl. Min/Max.
4.5 Tab 5: Wirtschaftlichkeit
Finanzielle Analyse der Investition.
| Investitionskosten: | Position | Betrag |
|---|---|---|
| Außengerät | EUR | |
| Innengerät(e) | EUR | |
| Installation | EUR | |
| Gesamtinvestition | EUR |
Betriebskosten:
- Jährliche Stromkosten
- Jährliche Wartungskosten
- Brennstoffkosten (bei Bivalenz)
Kennzahlen:
| Kennzahl | Bedeutung |
|---|---|
| Amortisationszeit | Jahre bis zur Refinanzierung |
| Kapitalwert (NPV) | Barwert der Einsparungen |
| Annuität | Gleichmäßige Jahreskosten |
| CO2-Vermeidungskosten | EUR pro Tonne CO2 |
Cashflow-Tabelle: Jahr-für-Jahr-Darstellung mit:
- Investition
- Betriebskosten
- Einsparung
- Kumulierter Cashflow
- ROI in Prozent
4.6 Tab 6: Umwelt
CO2-Bilanz und Umweltwirkung.
CO2-Emissionen:
- Jährliche Emissionen (kg/Jahr)
- Einsparung gegenüber Referenz (kg/Jahr)
- Prozentuale Einsparung
- Einsparung über Lebensdauer (Tonnen)
Strommix-Szenarien: Vergleich verschiedener Stromquellen:
- Aktueller Mix: Bundesdurchschnitt (380 g/kWh)
- Grüner Mix: 100% Ökostrom (50 g/kWh)
- Kohlemix: Referenz (900 g/kWh)
Primärenergie:
- Verbrauch in kWh/Jahr
- Einsparung gegenüber Referenz
Anschauliche Äquivalente:
- Gepflanzte Bäume
- Vermiedene Auto-Kilometer
- Vermiedene Flug-Kilometer
4.7 Tab 7: Räume (nur Multi-Split)
Raumweise Ergebnisübersicht.
| Tabelle pro Raum: | Feld | Beschreibung |
|---|---|---|
| Raumname | Bezeichnung | |
| Heizlast | Bedarf in kW | |
| Innengerät | Zugeordnetes Gerät | |
| Geräteleistung | Leistung des Innengeräts | |
| Deckung | Prozentuale Abdeckung | |
| Jahreswärmebedarf | kWh/Jahr | |
| Stromverbrauch | kWh/Jahr | |
| Status | OK / Warnung / Fehler |
Statusanzeigen:
- Grün (OK): Gerät passt zur Heizlast
- Gelb (Warnung): Knapp dimensioniert
- Rot (Fehler): Deutlich unterdimensioniert
Wirtschaftlichkeit und Umweltbilanz
5.1 Amortisationsrechnung verstehen
Die Amortisationszeit gibt an, nach wie vielen Jahren sich die Investition durch Einsparungen refinanziert hat.
Berechnung:
Amortisationszeit = Investitionskosten / Jährliche Einsparung
Beispielrechnung:
- Investition: 5.000 EUR
- Einsparung: 300 EUR/Jahr
- Amortisation: 5.000 / 300 = 16,7 Jahre
Beachten Sie: Die einfache Amortisationsrechnung berücksichtigt keine Zinsen oder Preissteigerungen. Der Kapitalwert (NPV) im Tab "Wirtschaftlichkeit" bietet eine genauere Analyse.
5.2 Wirtschaftlichkeitsfaktoren
Positive Faktoren:
- Hoher Gaspreise (aktuell > 0,10 EUR/kWh)
- Niedriger Strompreis (z.B. mit PV-Eigenverbrauch)
- Hoher Bivalenzanteil (viele Betriebsstunden Luft-Luft)
- Hoher SCOP des Geräts
- Kühlung als Zusatznutzen
Negative Faktoren:
- Niedrige Gaspreise
- Hoher Strompreis (> 0,35 EUR/kWh)
- Kurze Nutzungszeit (nur wenige Räume)
- Sehr kalte Winter (niedriger Bivalenzanteil)
5.3 CO2-Einsparungspotenzial
Die CO2-Bilanz hängt vom Strommix ab:
| Szenario | CO2 pro kWh Strom | Bewertung |
|---|---|---|
| Ökostrom | 0-50 g/kWh | Sehr gut |
| Aktueller Mix DE | 380 g/kWh | Gut |
| Nachtstrom/Kohlestrom | 500-900 g/kWh | Kritisch |
Vergleich mit Gas:
- Gas: ca. 200 g CO2 pro kWh Wärme
- Luft-Luft mit SCOP 4,0 und aktuellem Mix: 380 / 4,0 = 95 g CO2 pro kWh Wärme
- Einsparung: über 50%
Mit Ökostrom:
- 50 / 4,0 = 12,5 g CO2 pro kWh Wärme
- Einsparung: über 93%
Tipps und Best Practices
6.1 Dimensionierung
Nicht überdimensionieren:
- Ein zu großes Gerät taktet häufig (Ein/Aus)
- Reduziert Lebensdauer und Effizienz
- Besser: Passend dimensionieren oder leicht kleiner mit Bivalenz
Faustregel für Heizleistung:
- Gut gedämmt: 30-50 W/m²
- Mittel gedämmt: 50-70 W/m²
- Schlecht gedämmt: 70-100 W/m²
Für 30 m² Wohnzimmer, mittel gedämmt: 30 m² × 60 W/m² = 1.800 W = 1,8 kW Heizlast
6.2 Bivalenz optimal nutzen
Bivalenzpunkt-Wahl:
- Zu hoch (+5°C): Luft-Luft läuft selten, wenig Einsparung
- Zu niedrig (-10°C): Luft-Luft läuft auch bei schlechtem COP
- Optimal: Bei COP 2,5-3,0 wechseln (ca. -2°C bis +2°C)
PV-Priorität aktivieren: Wenn Sie eine PV-Anlage haben, aktivieren Sie die PV-Priorität. Die Luft-Luft-WP nutzt dann bevorzugt Solarstrom.
6.3 Lärmschutz
Außengerät-Position:
- Mindestens 3 m von Nachbars Schlafzimmer
- Nicht unter eigenem Schlafzimmerfenster
- Schallreflexionen an Wänden beachten
Tagbetrieb-Option: Bei kritischen Standorten können Sie den Nachtbetrieb deaktivieren (nur 6-22 Uhr).
| Typische Schallpegel: | Gerät | Schallleistung | Schallpegel in 3 m |
|---|---|---|---|
| Außengerät | 55-65 dB(A) | 35-45 dB(A) | |
| Innengerät | 20-35 dB(A) | Direkt am Gerät |
6.4 Wartung
Jährliche Wartung empfohlen:
- Filter reinigen (alle 2-4 Wochen selbst)
- Kondensatablauf prüfen
- Kältemitteldruck kontrollieren (Fachmann)
- Außengerät von Laub/Schnee befreien
Kosten: ca. 100-150 EUR/Jahr für Fachmannwartung
6.5 PV-Integration
Ideale Kombination:
- Im Sommer: Kühlung mit PV-Überschuss
- Im Winter: Heizung mit Tagesstrom
- Eigenverbrauchsquote steigt deutlich
Lastgang-Export: Der Rechner kann einen stündlichen Lastgang exportieren. Diesen können Sie im Solarrechner für die PV-Auslegung nutzen.
Häufige Fragen (FAQ)
Kann eine Split-Klimaanlage mein Haus komplett heizen?
Ja, unter bestimmten Bedingungen:
- Gut gedämmtes Haus (Neubau, sanierter Altbau)
- Offene Raumstruktur (Wärmeverteilung)
- Milde Winterregion
- Multi-Split für mehrere Räume
Einschränkungen:
- Keine Warmwasserbereitung
- Bei sehr tiefen Temperaturen sinkt der COP
- Jeder Raum braucht ein Innengerät
Was ist der Unterschied zwischen SCOP und COP?
| COP | SCOP | |
|---|---|---|
| Bedeutung | Momentane Effizienz | Saisonale Effizienz |
| Messung | Bei einer Temperatur | Gewichteter Durchschnitt |
| Aussagekraft | Laborwert | Praxisnäher |
| Typischer Wert | 2,5 - 6,0 | 3,5 - 5,0 |
Der SCOP ist aussagekräftiger, da er die unterschiedlichen Außentemperaturen über die Heizsaison berücksichtigt.
Wie wähle ich den richtigen Bivalenzpunkt?
Faustregeln:
- Bei COP = 2,5 wechseln: Wenn der COP unter 2,5 fällt, ist die Bestandsheizung oft günstiger
- Wirtschaftlicher Vergleich: Bei Strompreis 0,32 EUR und Gas 0,10 EUR → Gas günstiger ab COP < 3,2
- Komfortaspekt: Bei Frost funktioniert Gas/Öl zuverlässiger
Formel für wirtschaftlichen Bivalenzpunkt:
COP_grenze = Strompreis / Gaspreis
COP_grenze = 0,32 / 0,10 = 3,2
Bei dieser Außentemperatur, wo COP = 3,2 ist, sollte gewechselt werden (typisch ca. +2°C).
Ist Multi-Split besser als mehrere Single-Split?
| Kriterium | Multi-Split | Mehrere Single-Split |
|---|---|---|
| Kosten | Günstiger ab 3 Räumen | Günstiger bei 1-2 Räumen |
| Flexibilität | Alle abhängig von einem Außengerät | Unabhängiger Betrieb |
| Ausfallsicherheit | Ein Defekt betrifft alle | Nur ein System betroffen |
| Fassade | Ein Außengerät | Mehrere Außengeräte |
| Installation | Komplexer | Einfacher |
Empfehlung:
- 1-2 Räume: Single-Split
- 3+ Räume, ästhetische Anforderungen: Multi-Split
- Kritische Anwendung: Mehrere Single-Split für Redundanz
Wie laut ist eine Split-Klimaanlage?
Typische Werte:
| Betriebszustand | Innengerät | Außengerät |
|---|---|---|
| Nachtmodus | 19-22 dB(A) | 40-45 dB(A) |
| Normalbetrieb | 25-35 dB(A) | 45-55 dB(A) |
| Maximallast | 35-45 dB(A) | 55-65 dB(A) |
Zum Vergleich:
- Flüstern: 30 dB(A)
- Kühlschrank: 35-40 dB(A)
- Normale Unterhaltung: 60 dB(A)
Kann ich meine Gasheizung komplett ersetzen?
Vollständiger Ersatz ist möglich bei:
- Gebäude mit niedrigem Heizwärmebedarf (< 50 kWh/m²a)
- Multi-Split für alle Räume
- Warmwasser über separaten Durchlauferhitzer oder Wärmepumpenboiler
Bivalenzbetrieb ist sinnvoller bei:
- Altbau mit hohem Heizwärmebedarf
- Nur Teilklimatisierung geplant
- Warmwasser über Bestandsheizung
Hintergrundinformationen
8.1 Funktionsweise einer Luft-Luft-Wärmepumpe
Heizprinzip (vereinfacht):
- Außengerät entzieht der Außenluft Wärme (auch bei Frost!)
- Kältemittel verdampft und nimmt Wärme auf
- Kompressor verdichtet das Gas (Temperatur steigt)
- Innengerät gibt Wärme an Raumluft ab
- Kältemittel kondensiert und der Kreislauf beginnt von vorn
Kühlprinzip: Der Prozess wird umgekehrt: Das Innengerät entzieht dem Raum Wärme, das Außengerät gibt sie ab.
8.2 Typische COP-Werte bei verschiedenen Temperaturen
| Außentemperatur | COP Heizen | Bemerkung |
|---|---|---|
| +15°C | 5,5 - 6,5 | Übergang, sehr effizient |
| +7°C | 4,5 - 5,5 | Nennbedingung |
| +2°C | 3,5 - 4,5 | Typischer Winter |
| -7°C | 2,5 - 3,5 | Kalter Winter |
| -15°C | 1,8 - 2,5 | Sehr kalt, Effizienz sinkt |
| -20°C | 1,5 - 2,0 | Grenzbereich vieler Geräte |
8.3 Innengeräte-Typen im Detail
Wandgerät (am häufigsten):
- Montage: An der Wand, typisch 2,2 m Höhe
- Luftführung: Nach unten und seitlich
- Vorteile: Einfache Installation, günstig
- Nachteile: Sichtbar, Luftzug möglich
Truhengerät:
- Montage: Am Boden, unter Fenster
- Luftführung: Nach oben
- Vorteile: Wärme steigt natürlich auf, unter Fenster ideal
- Nachteile: Braucht Bodenplatz
Kassettengerät:
- Montage: In abgehängte Decke
- Luftführung: 360° nach unten
- Vorteile: Unauffällig, gleichmäßige Verteilung
- Nachteile: Deckenhöhe erforderlich, teurer
Kanalgerät:
- Montage: In Zwischendecke oder Dachboden
- Luftführung: Über Kanäle zu Auslässen
- Vorteile: Komplett unsichtbar
- Nachteile: Aufwendige Installation, Druckverluste
8.4 Kältemittel und Umwelt
Aktuelle Kältemittel:
| Kältemittel | GWP | Status |
|---|---|---|
| R410A | 2.088 | Wird auslaufen (F-Gase-VO) |
| R32 | 675 | Aktueller Standard |
| R290 (Propan) | 3 | Zukunft, aber brennbar |
GWP (Global Warming Potential): Das GWP gibt an, wie stark ein Kältemittel zum Treibhauseffekt beiträgt (CO2 = 1).
Hinweis: Moderne Geräte verwenden meist R32 mit niedrigerem GWP. Bei Neuanschaffung auf R32 oder R290 achten.
8.5 Normen und Regelwerke
- EN 14825:2022: Berechnung SCOP/SEER für Klimageräte
- EN 14511:2022: Leistungsmessung bei Nennbedingungen
- VDI 4650: Jahresarbeitszahl von Wärmepumpen
- TA Lärm: Schallschutzanforderungen für Außengeräte
- F-Gase-Verordnung (EU) 517/2014: Regelung zu Kältemitteln
9. Weiterführende Links
Letzte Aktualisierung: Januar 2026