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Fußbodenheizung vs. Heizkörper: Welches System passt zu Ihrem Gebäude?

Die Wahl zwischen Fußbodenheizung und Heizkörpern ist eine der wichtigsten Entscheidungen bei Neubau oder Sanierung. Beide Systeme haben ihre Berechtigung – aber welches ist für Ihre Situation optimal? In diesem Artikel vergleichen wir die technischen Grundlagen, Leistungsdaten und Einsatzbereiche.

Die technischen Grundlagen

Fußbodenheizung nach DIN EN 1264

Die Fußbodenheizung ist eine Flächenheizung, bei der Heizrohre im Estrich verlegt werden. Die Wärmeübertragung erfolgt primär über Strahlung (ca. 60%) und Konvektion (ca. 40%).

Parameter Wert nach DIN EN 1264
Norm-Vorlauftemperatur 35°C
Norm-Rücklauftemperatur 30°C
Norm-Raumtemperatur 20°C
Norm-Übertemperatur 12,5 K
Typische Normleistung 75 W/m² (Nasssystem)
Max. Oberflächentemperatur (Aufenthalt) 29°C
Max. Leistung Aufenthaltszone ~100 W/m²
Max. Leistung Randzone ~175 W/m²

Heizkörper nach DIN EN 442

Konventionelle Heizkörper (Platten-, Glieder-, Röhrenheizkörper) übertragen die Wärme durch Konvektion (70-80%) und Strahlung (20-30%).

Parameter Wert nach DIN EN 442
Norm-Vorlauftemperatur 75°C
Norm-Rücklauftemperatur 65°C
Norm-Raumtemperatur 20°C
Norm-Übertemperatur 50 K
Typische Normleistung 2.650 W/m² (Typ 22)
Heizkörperexponent 1,30–1,35

Wichtiger Unterschied: Die Normleistungen beider Systeme werden unter völlig verschiedenen Bedingungen gemessen und sind daher nicht direkt vergleichbar. Ein Typ-22-Heizkörper mit 2.650 W/m² Normleistung klingt viel leistungsstärker als eine Fußbodenheizung mit 75 W/m² – aber diese Werte gelten bei 75/65/20°C bzw. 35/30/20°C.

Leistungsverhalten im Vergleich

Das Temperatur-Leistungs-Diagramm

Die entscheidende Frage ist: Wie viel Wärmeleistung liefert das System bei welcher Vorlauftemperatur?

Vorlauftemperatur Fußbodenheizung Typ-22-Heizkörper
35°C 75 W/m² (100%) ~140 W/m² (5%)
40°C 95 W/m² ~230 W/m² (9%)
45°C 100 W/m² (Max) ~350 W/m² (13%)
50°C 100 W/m² (Max) ~500 W/m² (19%)
55°C 100 W/m² (Max) ~690 W/m² (26%)
65°C ~1.100 W/m² (42%)
75°C 2.650 W/m² (100%)

Warum verhält sich die Fußbodenheizung so?

Die Fußbodenheizung hat eine physikalische Obergrenze:

  1. Maximale Oberflächentemperatur: Im Aufenthaltsbereich darf die Fußbodenoberfläche maximal 29°C erreichen (Behaglichkeit, Gesundheit)
  2. Wärmedurchgang durch Estrich: Selbst bei höheren Vorlauftemperaturen wird die Wärmeabgabe durch die begrenzte Oberflächentemperatur limitiert
  3. Lineares Verhalten: Im zulässigen Bereich steigt die Leistung nahezu linear mit der Übertemperatur (Exponent ≈ 1,0)

Physikalisches Maximum: Eine Fußbodenheizung kann im Aufenthaltsbereich maximal etwa 100 W/m² liefern – unabhängig davon, wie hoch die Vorlauftemperatur ist. Bei Überschreitung der 29°C-Grenze wird der Boden unangenehm warm.

Das exponentielle Verhalten der Heizkörper

Heizkörper zeigen ein stark nichtlineares Verhalten:

  • Exponent n = 1,30–1,35: Die Leistung sinkt überproportional bei niedrigen Temperaturen
  • Bei 55/45°C (ΔT = 30K) liefert ein Heizkörper nur noch ~26% seiner Normleistung
  • Bei 45/35°C (ΔT = 20K) nur noch ~13% der Normleistung

Eignung für Wärmepumpen

Jahresarbeitszahl und Vorlauftemperatur

Die Effizienz einer Wärmepumpe (gemessen als Jahresarbeitszahl JAZ) hängt stark von der Vorlauftemperatur ab:

Vorlauftemperatur JAZ (Luft-Wasser-WP) Stromverbrauch
35°C 4,5–5,0 Sehr niedrig
45°C 3,5–4,0 Niedrig
55°C 2,8–3,2 Mittel
65°C 2,2–2,6 Hoch

Fußbodenheizung = idealer Wärmepumpen-Partner

Vorteil Erklärung
Niedrige Vorlauftemperatur 35–40°C reichen meist aus
Hohe JAZ Stromkosten bis zu 40% niedriger
Große Wärmespeichermasse Pufferwirkung durch Estrich
Langsame Reaktion Passt zu Wärmepumpen-Taktung
Gleichmäßige Wärmeverteilung Keine Konvektionsströme

Heizkörper mit Wärmepumpe

Moderne, groß dimensionierte Heizkörper können auch mit Wärmepumpen betrieben werden:

Voraussetzung Empfehlung
Heizkörpertyp Typ 22 oder besser Typ 33
Dimensionierung 1,5–2× der berechneten Heizlast
Vorlauftemperatur Max. 55°C, besser 45°C
Hydraulischer Abgleich Zwingend erforderlich

Faustregel: Bei 55°C Vorlauftemperatur muss ein Heizkörper etwa 4× so groß dimensioniert sein wie bei 75°C, um die gleiche Heizlast zu decken!

Vor- und Nachteile im Überblick

Fußbodenheizung

Die Fußbodenheizung punktet mit ihrer niedrigen Vorlauftemperatur von nur 35–40°C, was sie zum idealen Partner für Wärmepumpen macht. Die Wärme verteilt sich gleichmäßig im Raum, ohne sichtbare Heizelemente – das ermöglicht freie Möblierung und ist zudem hygienisch, da keine Staubaufwirbelung durch Konvektion stattfindet. Die angenehme Strahlungswärme wird von vielen Bewohnern als besonders behaglich empfunden.

Allerdings reagiert das System träge – bis ein Raum merklich wärmer wird, vergehen Stunden statt Minuten. Die Investitionskosten liegen deutlich über denen von Heizkörpern, und die Installation erfordert eine Aufbauhöhe von 5–10 cm. Reparaturen sind aufwendig, da die Rohre im Estrich verlegt sind. Nicht alle Bodenbeläge eignen sich (Teppich dämpft die Wärmeabgabe), und die physikalische Leistungsgrenze von etwa 100 W/m² kann in unsanierten Altbauten zum Problem werden.

Konventionelle Heizkörper

Heizkörper reagieren schnell – innerhalb von Minuten ist die Wärme spürbar. Die geringeren Investitionskosten und die einfache Nachrüstung machen sie für Sanierungen attraktiv. Bei Bedarf lässt sich eine hohe Leistungsdichte erreichen, Reparaturen oder ein Austausch sind unkompliziert, und jeder Bodenbelag ist möglich.

Die Kehrseite: Konventionelle Heizkörper benötigen hohe Vorlauftemperaturen von 55–75°C, was die Effizienz einer Wärmepumpe deutlich mindert. Die Wärmeverteilung ist ungleichmäßig (warm oben, kühl unten), und die Konvektion wirbelt Staub auf. Die Heizkörper sind sichtbar und schränken die Möblierung ein. Der Heizkörperexponent von 1,30–1,35 bedeutet zudem, dass die Leistung bei niedrigen Temperaturen überproportional sinkt.

Einsatzempfehlungen

Neubau mit Wärmepumpe

Im Neubau ist die Fußbodenheizung klar die erste Wahl, da sie die maximale Effizienz der Wärmepumpe ermöglicht. Eine Ausnahme bildet das Bad, wo ein zusätzlicher Handtuchtrockner sinnvoll ist – nicht nur für warme Handtücher, sondern auch für die schnelle Erwärmung nach dem Lüften. In selten genutzten Räumen wie dem Gästezimmer kann ein Heizkörper die bessere Wahl sein, wenn schnelles Aufheizen gewünscht ist.

Sanierung mit Wärmepumpe

Bei der Sanierung hängt die Empfehlung von der Ausgangssituation ab: Sind die vorhandenen Heizkörper bereits großzügig dimensioniert, können sie bleiben – ein hydraulischer Abgleich ist dann Pflicht. Unterdimensionierte Heizkörper sollten durch größere Typen ersetzt werden (z.B. von Typ 11 auf Typ 33). Steht ohnehin eine Estrichsanierung an, lohnt sich die Nachrüstung einer Fußbodenheizung. Im Bad empfiehlt sich eine Kombination aus Fußbodenheizung und Handtuchtrockner. Bei sehr hohen Heizlasten über 100 W/m² – typisch für unsanierte Altbauten – sind Heizkörper oder eine Hybridlösung oft unvermeidbar.

Hybridlösungen

In vielen Fällen ist eine Kombination beider Systeme der beste Kompromiss. Im Wohnzimmer und in der Küche sorgt die Fußbodenheizung für behagliche Grundwärme. Das Bad profitiert von der Kombination aus Fußbodenheizung und Handtuchtrockner. Im Schlafzimmer reicht oft die Fußbodenheizung oder ein kleiner Heizkörper. Für Räume wie Büro oder Arbeitszimmer, in denen schnelle Reaktion gefragt ist, eignen sich Heizkörper besser. Und das Gästezimmer, das nur selten genutzt wird, lässt sich mit einem Heizkörper bedarfsgerecht und schnell aufheizen.

Berechnung im Heizlast-Rechner

Fußbodenheizung richtig eingeben

In unserem Heizlast-Rechner können Sie Fußbodenheizungen als Wärmeerzeuger erfassen:

Parameter Bedeutung
Typ Fußbodenheizung Nasssystem/Trockenbau
Raumlänge Länge des beheizten Raumes
Raumbreite Breite des beheizten Raumes
Abzugsfläche Fläche unter Einbaumöbeln (nicht beheizt)

Berechnungslogik: Bei Fußbodenheizungen wird die Leistung nach DIN EN 1264 berechnet – linear mit der Übertemperatur und begrenzt auf maximal 100 W/m² im Aufenthaltsbereich.

Leistungsvergleich bei verschiedenen Temperaturen

System Bei 35/30/20°C Bei 45/35/20°C Bei 55/45/20°C
FBH Nasssystem (16 m²) 1.200 W 1.600 W (Max) 1.600 W (Max)
Typ 22 (1,6 m × 0,5 m) 112 W 275 W 525 W
Typ 33 (1,6 m × 0,5 m) 154 W 378 W 722 W

Optimierungshinweise

Bei Räumen mit Fußbodenheizung zeigt unser Heizlast-Rechner:

  • Keine Austausch-Empfehlungen – Flächenheizungen sind bereits optimal
  • Info zur maximalen Leistung – Physikalische Grenzen werden berücksichtigt
  • Warnung bei Überlast – Wenn die Heizlast >100 W/m² beträgt

Wirtschaftlichkeitsbetrachtung

Investitionskosten

System Kosten pro m² Für 120 m² Wohnfläche
Fußbodenheizung Nassystem 50–80 €/m² 6.000–9.600 €
Fußbodenheizung Trockenbau 70–120 €/m² 8.400–14.400 €
Heizkörper (Typ 22) 25–40 €/m² Heizlast 3.000–4.800 €
Heizkörper (Typ 33) 35–55 €/m² Heizlast 4.200–6.600 €

Betriebskosten mit Wärmepumpe

System Vorlauftemperatur JAZ Jährl. Stromkosten*
Fußbodenheizung 35°C 4,5 ~900 €
Fußbodenheizung 40°C 4,0 ~1.000 €
Heizkörper (optimiert) 45°C 3,7 ~1.080 €
Heizkörper (Standard) 55°C 3,0 ~1.330 €
Heizkörper (Altbestand) 65°C 2,4 ~1.670 €

*Annahme: 12.000 kWh Heizwärmebedarf, 0,30 €/kWh Strompreis

Langfristige Ersparnis: Die höheren Investitionskosten einer Fußbodenheizung amortisieren sich durch niedrigere Betriebskosten. Bei 400–600 € jährlicher Ersparnis ist die Amortisation nach 10–15 Jahren erreicht.

Fazit

Das Wichtigste: Die Fußbodenheizung ist technisch gesehen das ideale Wärmeübergabesystem für Wärmepumpen – sie ermöglicht niedrige Vorlauftemperaturen und damit höchste Effizienz. Ihre physikalische Leistungsgrenze von etwa 100 W/m² reicht für gut gedämmte Neubauten und energetisch sanierte Altbauten aus. Bei unsanierten Altbauten mit hohem Heizwärmebedarf sind große Heizkörper oder Hybridlösungen die bessere Wahl. Unser Heizlast-Rechner erkennt Flächenheizungen automatisch und berechnet die Leistung nach DIN EN 1264.

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Weiterführende Artikel

Quellen

  • DIN EN 1264-1 bis 1264-5: Raumflächenintegrierte Heiz- und Kühlsysteme
  • DIN EN 442: Heizkörper – Wärmeleistung
  • DIN EN 12831-1: Heizlastberechnung
  • VDI 6030: Auslegung von Raumheizflächen
  • VDI 4645: Planung und Dimensionierung von Wärmepumpenanlagen