AC oder DC? Systemtopologien für Solaranlagen
Einleitung: Wie wird die Batterie angeschlossen?
In den vorherigen Artikeln wurde viel zu Energiespeichersystemen behandelt. Eine wichtige Frage blieb jedoch offen: Wie wird diese Technik optimal im Haus eingebaut?
Bei der Integration von Batteriespeichern gibt es zwei grundlegende Konzepte:
- AC-gekoppelte Systeme (Wechselstrom)
- DC-gekoppelte Systeme (Gleichstrom)
Dieses Kapitel erklärt beide Topologien mit ihren Vor- und Nachteilen.
AC-gekoppelte Solaranlagen
Bei wechselstrom-gekoppelten Systemen (AC-System) ist der Wechselrichter direkt hinter den Solarmodulen geschaltet und beliefert das Hausnetz direkt mit Wechselstrom.
Aufbau
Solarmodule (DC)
↓
Wechselrichter (DC→AC)
↓
Hausnetz (AC) ←→ Batterie + Laderegler
↓
Öffentliches Netz
Funktionsprinzip
- Der Wechselrichter wandelt den Gleichstrom der Module sofort in Wechselstrom
- Die Batterie samt Ladeelektronik wird nach dem Wechselrichter angeschlossen
- Die Batterie wird mit Wechselstrom versorgt
- Zum Laden muss AC wieder in DC gewandelt werden
- Beim Entladen wird DC wieder in AC gewandelt
Der Energieaustausch zwischen Solarmodulen und Batterie erfolgt über Wechselstrom.
Vorteile AC-Kopplung
Die AC-Kopplung bietet vor allem bei bestehenden Anlagen entscheidende Vorteile:
| Vorteil | Erklärung |
|---|---|
| Einfache Nachrüstung | Batterie kann nachträglich installiert werden |
| Herstellerunabhängig | Verschiedene Komponenten kombinierbar |
| Flexible Platzierung | Batterie kann entfernt vom Wechselrichter stehen |
| Bewährte Technik | Etablierte Komponenten |
| Skalierbarkeit | Einfache Erweiterung möglich |
Nachteile AC-Kopplung
Die Flexibilität hat allerdings ihren Preis – vor allem in Bezug auf die Effizienz:
| Nachteil | Erklärung |
|---|---|
| Mehrfache Wandlung | DC→AC→DC→AC = Verluste |
| Geringerer Wirkungsgrad | Typisch 85–90% Roundtrip |
| Mehr Komponenten | Separater Batteriewechselrichter nötig |
| Höhere Kosten | Mehr Hardware erforderlich |
| Komplexere Installation | Mehr Verkabelung |
Typischer Wirkungsgrad
Bei AC-Kopplung entstehen Verluste bei jeder Wandlung:
- Solarmodule → Wechselrichter: ~97%
- Wechselrichter → Batterie-Ladegerät: ~97%
- Batterie laden/entladen: ~95%
- Batterie → Wechselrichter: ~97%
Gesamt-Roundtrip: ~85–90%
DC-gekoppelte Solaranlagen
Bei gleichstrom-gekoppelten Systemen (DC-System) werden Wechselrichter und Batterie parallel direkt hinter den Solarmodulen geschaltet.
Aufbau
Solarmodule (DC)
↓
DC-DC-Wandler
├── Batterie (DC)
└── Wechselrichter (DC→AC)
↓
Hausnetz (AC)
↓
Öffentliches Netz
Funktionsprinzip
- Beide Komponenten werden direkt mit Gleichstrom versorgt
- Die Batterie kann den DC direkt zum Laden nutzen
- Der Gleichstrom wird erst am Ende zu Wechselstrom gewandelt
- Weniger Wandlungsschritte = höherer Wirkungsgrad
Der Energieaustausch zwischen Solaranlage und Batterie erfolgt durch Gleichstrom.
Vorteile DC-Kopplung
Die direkte Verbindung über Gleichstrom bringt vor allem bei der Effizienz klare Vorteile:
| Vorteil | Erklärung |
|---|---|
| Höherer Wirkungsgrad | Weniger Wandlungsverluste |
| Weniger Komponenten | Nur ein zentraler Wechselrichter |
| Geringere Kosten | Langfristig wirtschaftlicher |
| Bessere Effizienz | Typisch 92–95% Roundtrip |
| Schnelleres Laden | Direkter DC-Pfad zur Batterie |
Nachteile DC-Kopplung
Die höhere Effizienz erkauft man sich allerdings mit einigen Einschränkungen:
| Nachteil | Erklärung |
|---|---|
| Herstellerabhängigkeit | Komponenten oft vom selben Hersteller |
| Keine einfache Nachrüstung | System muss als Ganzes geplant werden |
| Komplexere Planung | DC-Verkabelung anspruchsvoller |
| Begrenzte Kabellängen | DC-Leitungen kurz halten |
| Weniger Flexibilität | Schwerer erweiterbar |
Typischer Wirkungsgrad
Bei DC-Kopplung weniger Wandlungsschritte:
- Solarmodule → DC-DC-Wandler: ~98%
- Batterie laden/entladen: ~95%
- DC → Wechselrichter → AC: ~97%
Gesamt-Roundtrip: ~92–95%
Der direkte Vergleich
Um die Entscheidung zwischen AC- und DC-Kopplung zu erleichtern, stellen wir beide Konzepte direkt gegenüber:
| Kriterium | AC-Kopplung | DC-Kopplung |
|---|---|---|
| Wirkungsgrad | 85–90% | 92–95% |
| Nachrüstung | Einfach | Schwierig |
| Flexibilität | Hoch | Begrenzt |
| Kosten initial | Höher | Niedriger |
| Kosten langfristig | Höher (Verluste) | Niedriger |
| Komplexität | Mehr Komponenten | Weniger Komponenten |
| Herstellerwahl | Frei | Oft eingeschränkt |
Der Hybridwechselrichter: Das Beste aus beiden Welten
Moderne Hybridwechselrichter lösen die strikte Trennung zwischen AC und DC auf.
Konzept
Bei Hybridwechselrichter-Systemen laufen alle Komponenten in einem zentralen Gerät zusammen:
- Integrierter MPPT für die Solarmodule
- DC-DC-Wandler für die Batterie
- Wechselrichter für das Hausnetz
- Intelligentes Energiemanagement
Vorteile des Hybrid-Konzepts
Die Integration aller Funktionen in einem Gerät bietet die besten Eigenschaften beider Welten:
| Vorteil | Erklärung |
|---|---|
| Optimaler Wirkungsgrad | Intelligente Routenwahl DC oder AC |
| Kompakt | Ein Gerät statt mehrerer |
| Einfache Installation | Weniger Verkabelung |
| Optimal abgestimmt | Alle Komponenten aufeinander angepasst |
Energiemanagement: Das Gehirn der Anlage
Unabhängig von der Topologie ist das Energiemanagementsystem (EMS) entscheidend. Es ist wie das Gehirn der Anlage.
Die vier Kernaufgaben
1. Lastmanagement
Das EMS erkennt:
- Aktuellen Strombedarf der Verbraucher
- Verfügbare Kapazität und Leistung der Solaranlage
- Entscheidet, wann welche Verbraucher versorgt werden
Beispiel: Stromintensive Geräte wie Spülmaschine oder E-Auto-Ladestation sollten tagsüber laufen, wenn die Solaranlage Überschuss produziert.
2. Netzeinspeisung
Bei vollem Batteriespeicher und gedecktem Eigenbedarf:
- Überschuss wird ins öffentliche Netz eingespeist
- Einspeisevergütung möglich
- Umweltfreundlich: Grüner Strom im Netz
3. Batteriemanagement
Entscheidet wann die Batterie:
- Geladen wird (Überschuss vorhanden)
- Entladen wird (mehr Bedarf als Erzeugung)
- Geschont wird (Netzstrom günstiger)
Oberstes Ziel: Immer einen Energiepuffer aufrechterhalten.
4. Smart-Home-Integration
Ein gutes EMS:
- Integriert sich ins Smart-Home-Netzwerk
- Erkennt den Verbrauch aller Geräte
- Kann Geräte optimal steuern
- Optimiert das Zusammenspiel kontinuierlich
Vorteile eines EMS
Ein gutes Energiemanagementsystem bringt messbare Vorteile für den Anlagenbetrieb:
| Vorteil | Erklärung |
|---|---|
| Höherer Eigenverbrauch | Mehr Solarstrom selbst nutzen |
| Geringere Stromkosten | Weniger Netzbezug |
| Längere Batterielebensdauer | Optimierte Lade-/Entladezyklen |
| Mehr Komfort | Automatisierte Steuerung |
| Transparenz | Alle Daten auf einen Blick |
Welche Topologie für wen?
AC-Kopplung empfohlen bei:
- Bestandsanlagen ohne Speicher (Nachrüstung)
- Maximale Flexibilität gewünscht
- Verschiedene Hersteller bereits vorhanden
- Batterie weit entfernt vom Wechselrichter
DC-Kopplung empfohlen bei:
- Neuanlagen mit Speicher von Anfang an
- Maximale Effizienz wichtig
- Alles aus einer Hand bevorzugt
- Kurze DC-Wege möglich
Hybridwechselrichter empfohlen bei:
- Neuanlagen jeder Größe
- Einfache Installation gewünscht
- Beste Effizienz angestrebt
- Zukunftssichere Lösung gesucht
Fazit
Zusammenfassung: Die Wahl der Systemtopologie beeinflusst Effizienz (5–10% Unterschied möglich), Flexibilität bei späteren Änderungen, Kosten und Installationsaufwand. Für die meisten Neuanlagen ist heute ein Hybridwechselrichter die beste Wahl – er vereint die Vorteile beider Konzepte. Bei Nachrüstungen bestehender Anlagen führt oft kein Weg an der AC-Kopplung vorbei.
Alle Teile dieser Serie
- Von Froschschenkeln zu Batterien: Wie funktioniert ein Energiespeicher? – Grundlagen
- Lithium vs. Blei: Welche Batterie für die Solaranlage? – Technologievergleich
- Leistungselektronik: Wechselrichter und DC-DC-Wandler – Stromwandlung
- Der Allrounder: Hybridwechselrichter – Alles in einem Gerät
- AC oder DC? Systemtopologien für Solaranlagen – Sie sind hier
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