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Wärmepumpe richtig einstellen: Der Praxisleitfaden

Eine Wärmepumpe ist installiert, läuft – und dann? Viele Betreiber verlassen sich auf die Werkseinstellung oder die Inbetriebnahme durch den Installateur und fassen das System danach nicht mehr an. Ein Fehler, wie sich zeigt: Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt entscheidend davon ab, wie gut sie auf das konkrete Gebäude abgestimmt ist. Und diese Abstimmung ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein Prozess, der sich über ein bis zwei Heizperioden erstreckt.

Dieser Artikel richtet sich an alle, die mehr aus ihrer Wärmepumpe herausholen wollen – ohne teure Fachleute, mit einfachen Mitteln und etwas Geduld. Wir erklären die wichtigsten Stellschrauben, räumen mit Mythen auf (etwa zur Einzelraumregelung) und geben einen konkreten Fahrplan für die systematische Optimierung.

Wärmepumpen-Optimierung: Die wichtigsten Stellschrauben im Überblick


Warum Optimierung entscheidend ist

Die Ersteinstellung durch den Installateur ist nur ein Ausgangspunkt. Die Erfahrung zeigt: Über ein bis zwei Heizperioden systematisch optimierte Anlagen erreichen eine um 15–25 % bessere Effizienz als Systeme, die nach der Installation nicht mehr angefasst werden.

Der Grund liegt in der Natur der Sache: Jedes Gebäude verhält sich anders. Die Dämmqualität, die Ausrichtung, das Nutzerverhalten und selbst die Möblierung beeinflussen den Wärmebedarf. Diese Faktoren kann kein Installateur bei der Ersteinstellung vollständig berücksichtigen – sie zeigen sich erst im realen Betrieb.

Was ist realistisch erreichbar?

Ausgangssituation Nach Optimierung Ersparnis
JAZ 3,0 (Werkseinstellung) JAZ 3,8–4,2 200–400 EUR/Jahr
JAZ 3,5 (gute Ersteinstellung) JAZ 4,2–4,5 100–200 EUR/Jahr

Die Optimierung einer Wärmepumpe ist ein iterativer Prozess. Sie beobachten, passen an, beobachten erneut – und nähern sich schrittweise dem Optimum. Dieser Artikel zeigt, wie das systematisch gelingt.


Die Heizkurve – Der wichtigste Einzelhebel

Die Heizkurve ist der mit Abstand wichtigste Parameter für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe. Sie bestimmt, welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe bei einer bestimmten Außentemperatur liefert.

Das Prinzip

Die Grundidee ist einfach: Je kälter es draußen ist, desto wärmer muss das Heizungswasser sein. Die Heizkurve definiert diesen Zusammenhang.

Zwei Parameter bestimmen die Kurve:

Parameter Funktion Wirkung
Steilheit (Neigung) Wie stark reagiert die Vorlauftemperatur auf Außentemperatur-Änderungen? Beeinflusst Verhalten bei Kälte
Parallelverschiebung (Niveau) Auf welchem Grundniveau liegt die Kurve? Beeinflusst Grundtemperatur

Typische Ausgangswerte

Je nach Heizsystem und Gebäudetyp gelten unterschiedliche Richtwerte:

Heizsystem Steilheit Niveau Typische Vorlauftemperatur
Fußbodenheizung Neubau 0,3–0,5 2–4 28–35 °C
Fußbodenheizung Altbau 0,5–0,8 4–6 32–40 °C
Niedertemperatur-Heizkörper 0,8–1,0 40–50 °C
Konventionelle Heizkörper 1,0–1,5 50–60 °C

Die goldene Regel: So flach und niedrig wie möglich, so steil und hoch wie nötig. Jedes Kelvin weniger Vorlauftemperatur spart 2,5–3 % Stromkosten.

Praktische Diagnose

Beobachten Sie Ihr Haus über mehrere Tage bei unterschiedlichen Außentemperaturen:

Symptom Ursache Lösung
Ständig zu kalt Grundniveau zu niedrig Parallelverschiebung erhöhen (+1 bis +2)
Ständig zu warm Grundniveau zu hoch Parallelverschiebung senken (−1 bis −2)
Nur bei Frost zu kalt Steilheit zu gering Steilheit erhöhen (+0,1 bis +0,2)
Nur in Übergangszeit zu warm Steilheit zu hoch Steilheit senken (−0,1 bis −0,2)
Morgens zu kalt, nachmittags warm Heizkurve reagiert zu langsam Ggf. Zeitprogramm anpassen

Anpassung in der Praxis

Schritt 1: Ausgangswert dokumentieren Notieren Sie die aktuelle Einstellung und die gemessene Raumtemperatur bei verschiedenen Außentemperaturen.

Schritt 2: Kleine Änderungen vornehmen Ändern Sie immer nur einen Parameter und nur in kleinen Schritten:

  • Parallelverschiebung: maximal ±1 pro Anpassung
  • Steilheit: maximal ±0,1 pro Anpassung

Schritt 3: Beobachten Warten Sie mindestens 3–5 Tage vor der nächsten Änderung. Das Gebäude braucht Zeit, um auf die neue Einstellung zu reagieren.

Schritt 4: Dokumentieren und wiederholen Führen Sie ein einfaches Protokoll. Nach einer Heizperiode haben Sie wertvolle Daten für die Feinabstimmung.


Warum Raumthermostate bei Wärmepumpen kontraproduktiv sind

Bei konventionellen Heizsystemen sind Raumthermostate selbstverständlich. Bei Wärmepumpen können sie jedoch die Effizienz erheblich verschlechtern.

Das Problem: Taktung

Wärmepumpen werden über die Rücklauftemperatur gesteuert. Wenn Raumthermostate einzelne Heizkreise schließen, reduziert sich der Volumenstrom im System. Die Folge:

  1. Die Rücklauftemperatur steigt schneller als erwartet
  2. Die Wärmepumpe schaltet ab (obwohl noch Wärmebedarf besteht)
  3. Nach kurzer Zeit schaltet sie wieder ein
  4. Dieser Zyklus wiederholt sich – das System taktet

Die Konsequenzen

Problem Auswirkung
Ineffizienz beim Start In den ersten 3–5 Minuten liegt der COP nur bei 1,5–2,5 statt 4+
Erhöhter Verschleiß Kompressor leidet unter häufigem Ein-/Ausschalten
Verkürzte Lebensdauer Von 20–25 Jahren auf 8–12 Jahre bei starker Taktung
Höhere Stromkosten Bis zu 17 % JAZ-Verlust durch Taktung

Kritischer Wert: Mehr als 3 Starts pro Stunde gelten als problematisch. Bei 8–12 Starts pro Stunde droht vorzeitiger Verschleiß.

Der bessere Ansatz: Gleichmäßige Haustemperatur

Statt einzelne Räume über Thermostate zu regeln, sollte die gesamte Haustemperatur über die Heizkurve gesteuert werden:

  1. Thermostatventile im Referenzraum vollständig öffnen (Wohnzimmer oder meistgenutzter Raum)
  2. Heizkurve so einstellen, dass dieser Raum die gewünschte Temperatur erreicht
  3. Andere Räume nur bei extremen Abweichungen über Ventile anpassen (z. B. Gästezimmer dauerhaft kühler)

Der Denkfehler "Energie sparen durch Absenken"

Viele Nutzer glauben, sie sparen Energie, indem sie ungenutzte Räume kalt lassen. Bei Wärmepumpen ist das oft falsch:

  • Das Aufheizen eines ausgekühlten Raums erfordert hohe Vorlauftemperaturen
  • Hohe Vorlauftemperaturen bedeuten niedrigen COP
  • Der Mehrverbrauch beim Aufheizen übersteigt oft die Ersparnis

Besser: Eine gleichmäßig niedrige Temperatur im ganzen Haus (z. B. 20 °C überall statt 22 °C im Wohnzimmer und 16 °C im Schlafzimmer).


Hydraulischer Abgleich – DIY-Anleitung für Fußbodenheizung

Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkreis genau die Wassermenge erhält, die er braucht. Ohne Abgleich fließt das Wasser bevorzugt durch die kürzesten Leitungen – einige Räume werden zu warm, andere bleiben kalt.

Warum bei Wärmepumpen besonders wichtig?

Bei Wärmepumpen gilt sogar eine Pflicht zum hydraulischen Abgleich. Der Grund: Die Systeme arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen und kleinen Temperaturunterschieden. Ungleichmäßige Durchflüsse wirken sich hier stärker aus als bei konventionellen Heizungen.

Einsparpotenzial: Etwa 13 % Energieeinsparung im ersten Jahr nach dem Abgleich.

Die Rücklauftemperatur-Methode (DIY)

Diese Methode erfordert keine aufwendigen Berechnungen und funktioniert mit einfachen Mitteln.

Benötigte Materialien:

  • Infrarot-Thermometer (20–40 EUR) oder Anlegethermometer
  • Dokumentation Ihrer Heizkreise (falls vorhanden)
  • Geduld und Zeit (ein Wochenende)

Vorbereitung:

  1. Alle Heizkreise am Verteiler vollständig öffnen
  2. Alle Raumthermostate auf Maximum stellen (falls vorhanden)
  3. Wärmepumpe auf konstante, erhöhte Vorlauftemperatur einstellen (z. B. 40 °C)
  4. System mindestens 2 Stunden laufen lassen

Durchführung:

Schritt Aktion Ziel
1 Rücklauftemperatur jedes Kreises am Verteiler messen Ist-Zustand erfassen
2 Durchschnitt aller Rücklauftemperaturen berechnen Zielwert bestimmen
3 Kreise mit zu hoher Rücklauftemperatur drosseln Gleichmäßige Verteilung
4 1 Stunde warten und erneut messen Wirkung prüfen
5 Schritte 3–4 wiederholen bis alle Kreise ±1 °C vom Durchschnitt Abgleich abgeschlossen

Interpretation der Messwerte:

Messergebnis Bedeutung Maßnahme
Rücklauf deutlich wärmer als Durchschnitt Zu viel Durchfluss Ventil schließen (¼ Umdrehung)
Rücklauf deutlich kälter als Durchschnitt Zu wenig Durchfluss Ventil weiter öffnen
Rücklauf nahe am Durchschnitt Optimal Keine Änderung

Zielwert Spreizung: Bei Fußbodenheizungen sollte die Differenz zwischen Vor- und Rücklauf etwa 5–8 Kelvin betragen. Bei 35 °C Vorlauf wäre das ein Rücklauf von 27–30 °C.

Alternative: Durchflussmengen berechnen

Wenn Sie die Heizlast der einzelnen Räume kennen, können Sie die Durchflussmengen berechnen:

Formel:

Durchfluss (l/min) = Heizlast (W) / (1,16 × Spreizung (K) × 60)

Beispiel: Raum 20 m², 50 W/m² Heizlast, 8 K Spreizung

  • Heizlast: 20 × 50 = 1.000 W
  • Durchfluss: 1.000 / (1,16 × 8 × 60) = 1,8 l/min

Diese Werte können Sie direkt an Verteilern mit Durchflussanzeige (Flow Meter) einstellen.

Kosten im Vergleich

Variante Kosten Zeitaufwand
DIY (Rücklaufmethode) 20–40 EUR (Thermometer) 4–8 Stunden
DIY (mit RTL-Ventilen) 150–300 EUR 6–10 Stunden
Fachbetrieb 600–900 EUR

Bivalenzpunkt und Hybrid-Optimierung

Bei Hybrid-Systemen (Wärmepumpe + Gas-/Ölkessel) oder bivalentem Betrieb ist der Bivalenzpunkt eine wichtige Stellschraube.

Was ist der Bivalenzpunkt?

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, bei der die Heizleistung der Wärmepumpe genau dem Wärmebedarf des Gebäudes entspricht. Unterhalb dieser Temperatur muss der zweite Wärmeerzeuger unterstützen oder übernehmen.

Typische Werte: −2 °C bis −8 °C (je nach Wärmepumpe und Gebäude)

Thermischer vs. wirtschaftlicher Bivalenzpunkt

Es gibt zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen:

Betrachtung Definition Typischer Wert
Thermisch Temperatur, bei der WP-Leistung = Wärmebedarf −5 bis −10 °C
Wirtschaftlich Temperatur, bei der Wärmepumpe teurer wird als Alternative −2 bis −5 °C

Den wirtschaftlichen Bivalenzpunkt berechnen

Die Wärmepumpe ist wirtschaftlich, solange ihr COP über dem Grenz-COP liegt:

Formel:

Grenz-COP = Strompreis / (Alternativ-Energiepreis / Wirkungsgrad)

Beispiel mit Gas:

  • Strompreis: 0,30 EUR/kWh
  • Gaspreis: 0,10 EUR/kWh
  • Kessel-Wirkungsgrad: 95 %

Grenz-COP = 0,30 / (0,10 / 0,95) = 2,85

Solange die Wärmepumpe einen COP über 2,85 erreicht, ist sie günstiger als der Gaskessel. Bei welcher Außentemperatur dieser Wert unterschritten wird, hängt vom Wärmepumpentyp ab.

Praxis-Empfehlung für Hybrid-Systeme

Situation Empfohlener Bivalenzpunkt
Gut gedämmtes Haus, effiziente WP −5 bis −8 °C
Altbau mit höherem Bedarf −2 bis −4 °C
Dynamische Stromtarife Automatische Regelung nutzen

Moderne Hybrid-Steuerungen (z. B. Viessmann Hybrid Pro, Vaillant triVAI) berechnen den optimalen Umschaltpunkt automatisch aus aktuellen Energiepreisen. Die Einsparung gegenüber starrer Einstellung beträgt 10–25 %.


Warmwasser-Optimierung

Die Warmwasserbereitung macht bei vielen Haushalten 15–25 % des Wärmepumpen-Stromverbrauchs aus. Bei gut gedämmten Häusern kann der Verhältnis soagr auf 40–50 % des Wärmebedarfs steigen. Hier liegt erhebliches Optimierungspotenzial.

Das Temperatur-Dilemma

Temperatur Effizienz Legionellen-Risiko
45–48 °C Sehr gut (niedriger COP-Verlust) Erhöht
50–52 °C Gut Gering
55–60 °C Mäßig (hoher COP-Verlust) Sehr gering

Empfohlene Einstellung

Für Ein- und Zweifamilienhäuser mit kurzen Leitungswegen:

  1. Normale Speichertemperatur: 48–50 °C
  2. Wöchentliche Legionellenschaltung: Einmal pro Woche auf 60 °C -64 °C aufheizen (30 Minuten)
  3. Ladezeiten optimieren: Warmwasser vorzugsweise laden, wenn PV-Überschuss vorhanden ist oder höhere Aussentemperaturen (Mittags) herrschen.

Effizienzgewinn: Etwa 15–20 % weniger Stromverbrauch für Warmwasser gegenüber dauerhaft 55 °C.

Legionellen-Hinweis: In Mehrfamilienhäusern oder bei langen Leitungswegen gelten strengere Anforderungen (DVGW W 551). Hier ist eine dauerhafte Temperatur von mindestens 55 °C und regelmäßige Zirkulation vorgeschrieben.

Ladedelta optimieren

Das Ladedelta beschreibt die Temperaturdifferenz, bei der die Warmwasserladung startet:

Einstellung Vorteil Nachteil
Niedriges Delta (4–6 K) Längere Laufzeiten, höherer COP Häufigere Ladungen
Hohes Delta (10–12 K) Seltenere Ladungen Höhere Vorlauftemperatur nötig

Empfehlung: Ein Delta von 6–8 K bietet meist den besten Kompromiss.


Saisonale Optimierung – Der Zwei-Jahres-Plan

Die Optimierung einer Wärmepumpe ist kein einmaliger Vorgang. Erst nach ein bis zwei vollständigen Heizperioden ist das System wirklich auf das Gebäude abgestimmt.

Warum dauert es so lange?

  1. Gebäudetrocknung: Neubauten oder frisch sanierte Gebäude brauchen 2–3 Jahre zum vollständigen Austrocknen. In dieser Zeit ändert sich der Wärmebedarf.

  2. Saisonale Variation: Eine aussagekräftige JAZ lässt sich erst nach einer kompletten Heizperiode ermitteln. Milde Winter verzerren das Bild.

  3. Lerneffekt: Sie müssen das Verhalten Ihres Hauses bei verschiedenen Außentemperaturen erst kennenlernen.

Optimale Zeitpunkte für Anpassungen

Jahreszeit Außentemperatur Anpassung
Frühjahr/Herbst 5–15 °C Parallelverschiebung (Niveau)
Winter unter 0 °C Steilheit
Sommer Warmwasser-Einstellungen, Auswertung

Die 10 %-Regel

Ändern Sie Einstellungen nie um mehr als 10 % des Ausgangswertes auf einmal. Bei einer Steilheit von 0,5 wäre das maximal ±0,05 pro Anpassung.


Der konkrete Optimierungsplan

Phase 1: Erste Heizperiode (Monat 1–6)

Zeitraum Maßnahme Erwartetes Ergebnis
Woche 1–2 Ist-Zustand dokumentieren: aktuelle Einstellungen, Raumtemperaturen, Stromverbrauch Baseline für Vergleich
Woche 3–4 Hydraulischen Abgleich prüfen/durchführen Gleichmäßige Wärmeverteilung
Woche 5–8 Heizkurve in der Übergangszeit anpassen (Niveau) Komforttemperatur ohne Überheizung
Woche 9–16 Bei Frost: Steilheit prüfen und ggf. anpassen Ausreichend Wärme auch bei Kälte
Woche 17–20 Warmwasser-Einstellungen optimieren Legionellensicher bei maximaler Effizienz
Woche 21–24 Erste Bilanz ziehen, Probleme notieren Verbesserungsliste für nächste Saison

Phase 2: Sommer (Monat 7–9)

  • Nur Warmwasserbetrieb beobachten
  • Dokumentation der ersten Heizperiode analysieren
  • Verbesserungsideen für die nächste Saison festhalten
  • Ggf. hydraulischen Abgleich verfeinern (Räume, die zu warm/kalt waren)

Phase 3: Zweite Heizperiode (Monat 10–18)

Zeitraum Maßnahme Erwartetes Ergebnis
Woche 1–4 Einstellungen aus Vorjahr übernehmen, beobachten Besserer Start als im Vorjahr
Woche 5–12 Feintuning bei verschiedenen Außentemperaturen Letzte Prozente herausholen
Woche 13–20 Monitoring fortführen Stabile, optimierte JAZ
Woche 21–24 Finale Bewertung, Vergleich mit Vorjahr Optimierung abgeschlossen

Phase 4: Langfristiger Betrieb

Nach der Optimierungsphase:

  • Monatlich: JAZ kontrollieren (Stromzähler und Wärmemengenzähler ablesen)
  • Jährlich: Einstellungen auf Plausibilität prüfen
  • Bei Änderungen: Nach Fenstertausch, Dämmmaßnahmen oder Umbau die Heizkurve anpassen

Monitoring und Erfolgskontrolle

Ohne Messung keine Optimierung. Sie brauchen Daten, um Fortschritte zu erkennen.

Benötigte Ausstattung

Komponente Zweck Kosten
Wärmemengenzähler Misst erzeugte Wärme Oft bereits verbaut
Stromzähler Misst Stromverbrauch der WP 50–100 EUR (Zwischenzähler)
Thermometer Raumtemperaturen, Vor-/Rücklauf 20–40 EUR
Dokumentation Tabelle oder App Kostenlos

JAZ berechnen

Die Jahresarbeitszahl ist der wichtigste Indikator für die Effizienz:

JAZ = Wärmemenge (kWh) / Stromverbrauch (kWh)

Beispiel:

  • Wärmemengenzähler: 12.500 kWh
  • Stromzähler: 3.200 kWh
  • JAZ = 12.500 / 3.200 = 3,9

Bewertung der JAZ

JAZ Bewertung Handlungsempfehlung
> 4,5 Sehr effizient Optimierung erfolgreich, beibehalten
4,0–4,5 Effizient Gut, evtl. noch kleine Verbesserungen möglich
3,5–4,0 Akzeptabel Potenzial vorhanden, Heizkurve prüfen
3,0–3,5 Verbesserungswürdig Systematische Analyse empfohlen
< 3,0 Problematisch Fachmann hinzuziehen

Online-Tool: Der JAZ-Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe ermittelt nach VDI 4650 die erwartbare Jahresarbeitszahl. Vergleichen Sie Ihre gemessene JAZ mit dem Soll-Wert.


Weitere Optimierungstipps

EVU-Sperrzeiten optimal nutzen

Seit 2024 gilt: Energieversorger dürfen Wärmepumpen nur noch auf mindestens 4,2 kW drosseln (nicht mehr komplett abschalten) – für maximal 2 Stunden täglich.

Nachtabsenkung – ja oder nein?

Gebäudetyp Empfehlung Begründung
Gut gedämmt (KfW 40/55) Keine Absenkung Aufheizen kostet mehr als Ersparnis
Mäßig gedämmt 2 °C Absenkung Leichte Ersparnis möglich
Schlecht gedämmt 3–4 °C Absenkung Spürbare Ersparnis (3–8 %)

Wichtig: Bei Fußbodenheizungen ist Nachtabsenkung wegen der Trägheit meist nicht sinnvoll.

Spreizung optimieren

Die Spreizung (Differenz zwischen Vor- und Rücklauftemperatur) beeinflusst die Laufzeiten:

Spreizung Vorteil Nachteil
Niedrig (4–5 K) Höherer Volumenstrom, gleichmäßigere Wärmeverteilung Höherer Pumpenstrom
Hoch (8–10 K) Längere Laufzeiten der WP Ungleichmäßigere Wärmeverteilung

Standardwerte:

  • Fußbodenheizung: 5–7 K
  • Heizkörper: 7–10 K

Häufige Fehler vermeiden

Fehler Folge Lösung
Heizkurve zu hoch eingestellt Unnötig hohe Vorlauftemperatur, niedriger COP Schrittweise absenken
Einzelraumregelung zu aggressiv Taktung, Verschleiß Thermostate auf Maximum, über Heizkurve regeln
Kein hydraulischer Abgleich Ungleichmäßige Wärmeverteilung DIY-Abgleich durchführen
Warmwasser zu heiß Niedriger COP bei WW-Bereitung 48–50 °C + wöchentliche Legionellenschaltung
Keine Dokumentation Optimierungserfolg nicht messbar Monatlich Zählerstände notieren

Fazit

Kernaussagen:

  1. Die Heizkurve ist der wichtigste Hebel – richtig eingestellt spart sie 15–25 % Stromkosten
  2. Raumthermostate sind bei Wärmepumpen meist kontraproduktiv – gleichmäßige Temperaturführung über die Heizkurve ist effizienter
  3. Der hydraulische Abgleich ist Pflicht – und auch als DIY machbar
  4. Optimierung ist ein iterativer Prozess über 1–2 Heizperioden
  5. Monitoring ist essentiell – was man nicht misst, kann man nicht verbessern

Eine systematisch optimierte Wärmepumpe erreicht eine um 15–25 % bessere Jahresarbeitszahl als eine nur einmal eingestellte Anlage. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh/Jahr entspricht das einer Ersparnis von 200–400 EUR jährlich – bei minimalem Aufwand.

Die Investition von Zeit in die Optimierung zahlt sich aus: Ein Wochenende für den hydraulischen Abgleich und regelmäßige kleine Anpassungen an der Heizkurve machen den Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer hervorragenden Anlage.


Die komplette Artikelserie „Wärmepumpen"

  1. Wärmepumpe: Der komplette Ratgeber 2026 – Überblick
  2. Der Anti-Kühlschrank: Wie funktioniert eine Wärmepumpe? – Physikalische Grundlagen
  3. Die Komponenten: Wärmetauscher, Kompressor und Expansionsventil – Bauteile im Detail
  4. Kennzahlen und Dimensionierung von Wärmepumpen – COP, JAZ, SCOP
  5. Betriebsweisen: Monovalent, Bivalent und Hybrid – Betriebsarten erklärt
  6. Wärmepumpen-Typen und das Dreamteam mit Solaranlagen – Typen & Kombination mit PV
  7. SCOP erklärt: Die saisonale Leistungszahl – Effizienz richtig bewerten
  8. Wärmepumpe richtig einstellen: Der Praxisleitfaden – Sie sind hier

Quellen


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