Wärmepumpe richtig einstellen: Der Praxisleitfaden
Eine Wärmepumpe ist installiert, läuft – und dann? Viele Betreiber verlassen sich auf die Werkseinstellung oder die Inbetriebnahme durch den Installateur und fassen das System danach nicht mehr an. Ein Fehler, wie sich zeigt: Die Effizienz einer Wärmepumpe hängt entscheidend davon ab, wie gut sie auf das konkrete Gebäude abgestimmt ist. Und diese Abstimmung ist kein einmaliger Vorgang, sondern ein Prozess, der sich über ein bis zwei Heizperioden erstreckt.
Dieser Artikel richtet sich an alle, die mehr aus ihrer Wärmepumpe herausholen wollen – ohne teure Fachleute, mit einfachen Mitteln und etwas Geduld. Wir erklären die wichtigsten Stellschrauben, räumen mit Mythen auf (etwa zur Einzelraumregelung) und geben einen konkreten Fahrplan für die systematische Optimierung.

Warum Optimierung entscheidend ist
Die Ersteinstellung durch den Installateur ist nur ein Ausgangspunkt. Die Erfahrung zeigt: Über ein bis zwei Heizperioden systematisch optimierte Anlagen erreichen eine um 15–25 % bessere Effizienz als Systeme, die nach der Installation nicht mehr angefasst werden.
Der Grund liegt in der Natur der Sache: Jedes Gebäude verhält sich anders. Die Dämmqualität, die Ausrichtung, das Nutzerverhalten und selbst die Möblierung beeinflussen den Wärmebedarf. Diese Faktoren kann kein Installateur bei der Ersteinstellung vollständig berücksichtigen – sie zeigen sich erst im realen Betrieb.
Was ist realistisch erreichbar?
| Ausgangssituation | Nach Optimierung | Ersparnis |
|---|---|---|
| JAZ 3,0 (Werkseinstellung) | JAZ 3,8–4,2 | 200–400 EUR/Jahr |
| JAZ 3,5 (gute Ersteinstellung) | JAZ 4,2–4,5 | 100–200 EUR/Jahr |
Die Optimierung einer Wärmepumpe ist ein iterativer Prozess. Sie beobachten, passen an, beobachten erneut – und nähern sich schrittweise dem Optimum. Dieser Artikel zeigt, wie das systematisch gelingt.
Die Heizkurve – Der wichtigste Einzelhebel
Die Heizkurve ist der mit Abstand wichtigste Parameter für den effizienten Betrieb einer Wärmepumpe. Sie bestimmt, welche Vorlauftemperatur die Wärmepumpe bei einer bestimmten Außentemperatur liefert.
Das Prinzip
Die Grundidee ist einfach: Je kälter es draußen ist, desto wärmer muss das Heizungswasser sein. Die Heizkurve definiert diesen Zusammenhang.
Zwei Parameter bestimmen die Kurve:
| Parameter | Funktion | Wirkung |
|---|---|---|
| Steilheit (Neigung) | Wie stark reagiert die Vorlauftemperatur auf Außentemperatur-Änderungen? | Beeinflusst Verhalten bei Kälte |
| Parallelverschiebung (Niveau) | Auf welchem Grundniveau liegt die Kurve? | Beeinflusst Grundtemperatur |
Typische Ausgangswerte
Je nach Heizsystem und Gebäudetyp gelten unterschiedliche Richtwerte:
| Heizsystem | Steilheit | Niveau | Typische Vorlauftemperatur |
|---|---|---|---|
| Fußbodenheizung Neubau | 0,3–0,5 | 2–4 | 28–35 °C |
| Fußbodenheizung Altbau | 0,5–0,8 | 4–6 | 32–40 °C |
| Niedertemperatur-Heizkörper | 0,8–1,0 | – | 40–50 °C |
| Konventionelle Heizkörper | 1,0–1,5 | – | 50–60 °C |
Die goldene Regel: So flach und niedrig wie möglich, so steil und hoch wie nötig. Jedes Kelvin weniger Vorlauftemperatur spart 2,5–3 % Stromkosten.
Praktische Diagnose
Beobachten Sie Ihr Haus über mehrere Tage bei unterschiedlichen Außentemperaturen:
| Symptom | Ursache | Lösung |
|---|---|---|
| Ständig zu kalt | Grundniveau zu niedrig | Parallelverschiebung erhöhen (+1 bis +2) |
| Ständig zu warm | Grundniveau zu hoch | Parallelverschiebung senken (−1 bis −2) |
| Nur bei Frost zu kalt | Steilheit zu gering | Steilheit erhöhen (+0,1 bis +0,2) |
| Nur in Übergangszeit zu warm | Steilheit zu hoch | Steilheit senken (−0,1 bis −0,2) |
| Morgens zu kalt, nachmittags warm | Heizkurve reagiert zu langsam | Ggf. Zeitprogramm anpassen |
Anpassung in der Praxis
Schritt 1: Ausgangswert dokumentieren Notieren Sie die aktuelle Einstellung und die gemessene Raumtemperatur bei verschiedenen Außentemperaturen.
Schritt 2: Kleine Änderungen vornehmen Ändern Sie immer nur einen Parameter und nur in kleinen Schritten:
- Parallelverschiebung: maximal ±1 pro Anpassung
- Steilheit: maximal ±0,1 pro Anpassung
Schritt 3: Beobachten Warten Sie mindestens 3–5 Tage vor der nächsten Änderung. Das Gebäude braucht Zeit, um auf die neue Einstellung zu reagieren.
Schritt 4: Dokumentieren und wiederholen Führen Sie ein einfaches Protokoll. Nach einer Heizperiode haben Sie wertvolle Daten für die Feinabstimmung.
Warum Raumthermostate bei Wärmepumpen kontraproduktiv sind
Bei konventionellen Heizsystemen sind Raumthermostate selbstverständlich. Bei Wärmepumpen können sie jedoch die Effizienz erheblich verschlechtern.
Das Problem: Taktung
Wärmepumpen werden über die Rücklauftemperatur gesteuert. Wenn Raumthermostate einzelne Heizkreise schließen, reduziert sich der Volumenstrom im System. Die Folge:
- Die Rücklauftemperatur steigt schneller als erwartet
- Die Wärmepumpe schaltet ab (obwohl noch Wärmebedarf besteht)
- Nach kurzer Zeit schaltet sie wieder ein
- Dieser Zyklus wiederholt sich – das System taktet
Die Konsequenzen
| Problem | Auswirkung |
|---|---|
| Ineffizienz beim Start | In den ersten 3–5 Minuten liegt der COP nur bei 1,5–2,5 statt 4+ |
| Erhöhter Verschleiß | Kompressor leidet unter häufigem Ein-/Ausschalten |
| Verkürzte Lebensdauer | Von 20–25 Jahren auf 8–12 Jahre bei starker Taktung |
| Höhere Stromkosten | Bis zu 17 % JAZ-Verlust durch Taktung |
Kritischer Wert: Mehr als 3 Starts pro Stunde gelten als problematisch. Bei 8–12 Starts pro Stunde droht vorzeitiger Verschleiß.
Der bessere Ansatz: Gleichmäßige Haustemperatur
Statt einzelne Räume über Thermostate zu regeln, sollte die gesamte Haustemperatur über die Heizkurve gesteuert werden:
- Thermostatventile im Referenzraum vollständig öffnen (Wohnzimmer oder meistgenutzter Raum)
- Heizkurve so einstellen, dass dieser Raum die gewünschte Temperatur erreicht
- Andere Räume nur bei extremen Abweichungen über Ventile anpassen (z. B. Gästezimmer dauerhaft kühler)
Der Denkfehler "Energie sparen durch Absenken"
Viele Nutzer glauben, sie sparen Energie, indem sie ungenutzte Räume kalt lassen. Bei Wärmepumpen ist das oft falsch:
- Das Aufheizen eines ausgekühlten Raums erfordert hohe Vorlauftemperaturen
- Hohe Vorlauftemperaturen bedeuten niedrigen COP
- Der Mehrverbrauch beim Aufheizen übersteigt oft die Ersparnis
Besser: Eine gleichmäßig niedrige Temperatur im ganzen Haus (z. B. 20 °C überall statt 22 °C im Wohnzimmer und 16 °C im Schlafzimmer).
Hydraulischer Abgleich – DIY-Anleitung für Fußbodenheizung
Der hydraulische Abgleich sorgt dafür, dass jeder Heizkreis genau die Wassermenge erhält, die er braucht. Ohne Abgleich fließt das Wasser bevorzugt durch die kürzesten Leitungen – einige Räume werden zu warm, andere bleiben kalt.
Warum bei Wärmepumpen besonders wichtig?
Bei Wärmepumpen gilt sogar eine Pflicht zum hydraulischen Abgleich. Der Grund: Die Systeme arbeiten mit niedrigen Vorlauftemperaturen und kleinen Temperaturunterschieden. Ungleichmäßige Durchflüsse wirken sich hier stärker aus als bei konventionellen Heizungen.
Einsparpotenzial: Etwa 13 % Energieeinsparung im ersten Jahr nach dem Abgleich.
Die Rücklauftemperatur-Methode (DIY)
Diese Methode erfordert keine aufwendigen Berechnungen und funktioniert mit einfachen Mitteln.
Benötigte Materialien:
- Infrarot-Thermometer (20–40 EUR) oder Anlegethermometer
- Dokumentation Ihrer Heizkreise (falls vorhanden)
- Geduld und Zeit (ein Wochenende)
Vorbereitung:
- Alle Heizkreise am Verteiler vollständig öffnen
- Alle Raumthermostate auf Maximum stellen (falls vorhanden)
- Wärmepumpe auf konstante, erhöhte Vorlauftemperatur einstellen (z. B. 40 °C)
- System mindestens 2 Stunden laufen lassen
Durchführung:
| Schritt | Aktion | Ziel |
|---|---|---|
| 1 | Rücklauftemperatur jedes Kreises am Verteiler messen | Ist-Zustand erfassen |
| 2 | Durchschnitt aller Rücklauftemperaturen berechnen | Zielwert bestimmen |
| 3 | Kreise mit zu hoher Rücklauftemperatur drosseln | Gleichmäßige Verteilung |
| 4 | 1 Stunde warten und erneut messen | Wirkung prüfen |
| 5 | Schritte 3–4 wiederholen bis alle Kreise ±1 °C vom Durchschnitt | Abgleich abgeschlossen |
Interpretation der Messwerte:
| Messergebnis | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
| Rücklauf deutlich wärmer als Durchschnitt | Zu viel Durchfluss | Ventil schließen (¼ Umdrehung) |
| Rücklauf deutlich kälter als Durchschnitt | Zu wenig Durchfluss | Ventil weiter öffnen |
| Rücklauf nahe am Durchschnitt | Optimal | Keine Änderung |
Zielwert Spreizung: Bei Fußbodenheizungen sollte die Differenz zwischen Vor- und Rücklauf etwa 5–8 Kelvin betragen. Bei 35 °C Vorlauf wäre das ein Rücklauf von 27–30 °C.
Alternative: Durchflussmengen berechnen
Wenn Sie die Heizlast der einzelnen Räume kennen, können Sie die Durchflussmengen berechnen:
Formel:
Durchfluss (l/min) = Heizlast (W) / (1,16 × Spreizung (K) × 60)
Beispiel: Raum 20 m², 50 W/m² Heizlast, 8 K Spreizung
- Heizlast: 20 × 50 = 1.000 W
- Durchfluss: 1.000 / (1,16 × 8 × 60) = 1,8 l/min
Diese Werte können Sie direkt an Verteilern mit Durchflussanzeige (Flow Meter) einstellen.
Kosten im Vergleich
| Variante | Kosten | Zeitaufwand |
|---|---|---|
| DIY (Rücklaufmethode) | 20–40 EUR (Thermometer) | 4–8 Stunden |
| DIY (mit RTL-Ventilen) | 150–300 EUR | 6–10 Stunden |
| Fachbetrieb | 600–900 EUR | – |
Bivalenzpunkt und Hybrid-Optimierung
Bei Hybrid-Systemen (Wärmepumpe + Gas-/Ölkessel) oder bivalentem Betrieb ist der Bivalenzpunkt eine wichtige Stellschraube.
Was ist der Bivalenzpunkt?
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, bei der die Heizleistung der Wärmepumpe genau dem Wärmebedarf des Gebäudes entspricht. Unterhalb dieser Temperatur muss der zweite Wärmeerzeuger unterstützen oder übernehmen.
Typische Werte: −2 °C bis −8 °C (je nach Wärmepumpe und Gebäude)
Thermischer vs. wirtschaftlicher Bivalenzpunkt
Es gibt zwei unterschiedliche Betrachtungsweisen:
| Betrachtung | Definition | Typischer Wert |
|---|---|---|
| Thermisch | Temperatur, bei der WP-Leistung = Wärmebedarf | −5 bis −10 °C |
| Wirtschaftlich | Temperatur, bei der Wärmepumpe teurer wird als Alternative | −2 bis −5 °C |
Den wirtschaftlichen Bivalenzpunkt berechnen
Die Wärmepumpe ist wirtschaftlich, solange ihr COP über dem Grenz-COP liegt:
Formel:
Grenz-COP = Strompreis / (Alternativ-Energiepreis / Wirkungsgrad)
Beispiel mit Gas:
- Strompreis: 0,30 EUR/kWh
- Gaspreis: 0,10 EUR/kWh
- Kessel-Wirkungsgrad: 95 %
Grenz-COP = 0,30 / (0,10 / 0,95) = 2,85
Solange die Wärmepumpe einen COP über 2,85 erreicht, ist sie günstiger als der Gaskessel. Bei welcher Außentemperatur dieser Wert unterschritten wird, hängt vom Wärmepumpentyp ab.
Praxis-Empfehlung für Hybrid-Systeme
| Situation | Empfohlener Bivalenzpunkt |
|---|---|
| Gut gedämmtes Haus, effiziente WP | −5 bis −8 °C |
| Altbau mit höherem Bedarf | −2 bis −4 °C |
| Dynamische Stromtarife | Automatische Regelung nutzen |
Moderne Hybrid-Steuerungen (z. B. Viessmann Hybrid Pro, Vaillant triVAI) berechnen den optimalen Umschaltpunkt automatisch aus aktuellen Energiepreisen. Die Einsparung gegenüber starrer Einstellung beträgt 10–25 %.
Warmwasser-Optimierung
Die Warmwasserbereitung macht bei vielen Haushalten 15–25 % des Wärmepumpen-Stromverbrauchs aus. Bei gut gedämmten Häusern kann der Verhältnis soagr auf 40–50 % des Wärmebedarfs steigen. Hier liegt erhebliches Optimierungspotenzial.
Das Temperatur-Dilemma
| Temperatur | Effizienz | Legionellen-Risiko |
|---|---|---|
| 45–48 °C | Sehr gut (niedriger COP-Verlust) | Erhöht |
| 50–52 °C | Gut | Gering |
| 55–60 °C | Mäßig (hoher COP-Verlust) | Sehr gering |
Empfohlene Einstellung
Für Ein- und Zweifamilienhäuser mit kurzen Leitungswegen:
- Normale Speichertemperatur: 48–50 °C
- Wöchentliche Legionellenschaltung: Einmal pro Woche auf 60 °C -64 °C aufheizen (30 Minuten)
- Ladezeiten optimieren: Warmwasser vorzugsweise laden, wenn PV-Überschuss vorhanden ist oder höhere Aussentemperaturen (Mittags) herrschen.
Effizienzgewinn: Etwa 15–20 % weniger Stromverbrauch für Warmwasser gegenüber dauerhaft 55 °C.
Legionellen-Hinweis: In Mehrfamilienhäusern oder bei langen Leitungswegen gelten strengere Anforderungen (DVGW W 551). Hier ist eine dauerhafte Temperatur von mindestens 55 °C und regelmäßige Zirkulation vorgeschrieben.
Ladedelta optimieren
Das Ladedelta beschreibt die Temperaturdifferenz, bei der die Warmwasserladung startet:
| Einstellung | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Niedriges Delta (4–6 K) | Längere Laufzeiten, höherer COP | Häufigere Ladungen |
| Hohes Delta (10–12 K) | Seltenere Ladungen | Höhere Vorlauftemperatur nötig |
Empfehlung: Ein Delta von 6–8 K bietet meist den besten Kompromiss.
Saisonale Optimierung – Der Zwei-Jahres-Plan
Die Optimierung einer Wärmepumpe ist kein einmaliger Vorgang. Erst nach ein bis zwei vollständigen Heizperioden ist das System wirklich auf das Gebäude abgestimmt.
Warum dauert es so lange?
-
Gebäudetrocknung: Neubauten oder frisch sanierte Gebäude brauchen 2–3 Jahre zum vollständigen Austrocknen. In dieser Zeit ändert sich der Wärmebedarf.
-
Saisonale Variation: Eine aussagekräftige JAZ lässt sich erst nach einer kompletten Heizperiode ermitteln. Milde Winter verzerren das Bild.
-
Lerneffekt: Sie müssen das Verhalten Ihres Hauses bei verschiedenen Außentemperaturen erst kennenlernen.
Optimale Zeitpunkte für Anpassungen
| Jahreszeit | Außentemperatur | Anpassung |
|---|---|---|
| Frühjahr/Herbst | 5–15 °C | Parallelverschiebung (Niveau) |
| Winter | unter 0 °C | Steilheit |
| Sommer | – | Warmwasser-Einstellungen, Auswertung |
Die 10 %-Regel
Ändern Sie Einstellungen nie um mehr als 10 % des Ausgangswertes auf einmal. Bei einer Steilheit von 0,5 wäre das maximal ±0,05 pro Anpassung.
Der konkrete Optimierungsplan
Phase 1: Erste Heizperiode (Monat 1–6)
| Zeitraum | Maßnahme | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|---|
| Woche 1–2 | Ist-Zustand dokumentieren: aktuelle Einstellungen, Raumtemperaturen, Stromverbrauch | Baseline für Vergleich |
| Woche 3–4 | Hydraulischen Abgleich prüfen/durchführen | Gleichmäßige Wärmeverteilung |
| Woche 5–8 | Heizkurve in der Übergangszeit anpassen (Niveau) | Komforttemperatur ohne Überheizung |
| Woche 9–16 | Bei Frost: Steilheit prüfen und ggf. anpassen | Ausreichend Wärme auch bei Kälte |
| Woche 17–20 | Warmwasser-Einstellungen optimieren | Legionellensicher bei maximaler Effizienz |
| Woche 21–24 | Erste Bilanz ziehen, Probleme notieren | Verbesserungsliste für nächste Saison |
Phase 2: Sommer (Monat 7–9)
- Nur Warmwasserbetrieb beobachten
- Dokumentation der ersten Heizperiode analysieren
- Verbesserungsideen für die nächste Saison festhalten
- Ggf. hydraulischen Abgleich verfeinern (Räume, die zu warm/kalt waren)
Phase 3: Zweite Heizperiode (Monat 10–18)
| Zeitraum | Maßnahme | Erwartetes Ergebnis |
|---|---|---|
| Woche 1–4 | Einstellungen aus Vorjahr übernehmen, beobachten | Besserer Start als im Vorjahr |
| Woche 5–12 | Feintuning bei verschiedenen Außentemperaturen | Letzte Prozente herausholen |
| Woche 13–20 | Monitoring fortführen | Stabile, optimierte JAZ |
| Woche 21–24 | Finale Bewertung, Vergleich mit Vorjahr | Optimierung abgeschlossen |
Phase 4: Langfristiger Betrieb
Nach der Optimierungsphase:
- Monatlich: JAZ kontrollieren (Stromzähler und Wärmemengenzähler ablesen)
- Jährlich: Einstellungen auf Plausibilität prüfen
- Bei Änderungen: Nach Fenstertausch, Dämmmaßnahmen oder Umbau die Heizkurve anpassen
Monitoring und Erfolgskontrolle
Ohne Messung keine Optimierung. Sie brauchen Daten, um Fortschritte zu erkennen.
Benötigte Ausstattung
| Komponente | Zweck | Kosten |
|---|---|---|
| Wärmemengenzähler | Misst erzeugte Wärme | Oft bereits verbaut |
| Stromzähler | Misst Stromverbrauch der WP | 50–100 EUR (Zwischenzähler) |
| Thermometer | Raumtemperaturen, Vor-/Rücklauf | 20–40 EUR |
| Dokumentation | Tabelle oder App | Kostenlos |
JAZ berechnen
Die Jahresarbeitszahl ist der wichtigste Indikator für die Effizienz:
JAZ = Wärmemenge (kWh) / Stromverbrauch (kWh)
Beispiel:
- Wärmemengenzähler: 12.500 kWh
- Stromzähler: 3.200 kWh
- JAZ = 12.500 / 3.200 = 3,9
Bewertung der JAZ
| JAZ | Bewertung | Handlungsempfehlung |
|---|---|---|
| > 4,5 | Sehr effizient | Optimierung erfolgreich, beibehalten |
| 4,0–4,5 | Effizient | Gut, evtl. noch kleine Verbesserungen möglich |
| 3,5–4,0 | Akzeptabel | Potenzial vorhanden, Heizkurve prüfen |
| 3,0–3,5 | Verbesserungswürdig | Systematische Analyse empfohlen |
| < 3,0 | Problematisch | Fachmann hinzuziehen |
Online-Tool: Der JAZ-Rechner des Bundesverbands Wärmepumpe ermittelt nach VDI 4650 die erwartbare Jahresarbeitszahl. Vergleichen Sie Ihre gemessene JAZ mit dem Soll-Wert.
Weitere Optimierungstipps
EVU-Sperrzeiten optimal nutzen
Seit 2024 gilt: Energieversorger dürfen Wärmepumpen nur noch auf mindestens 4,2 kW drosseln (nicht mehr komplett abschalten) – für maximal 2 Stunden täglich.
Nachtabsenkung – ja oder nein?
| Gebäudetyp | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Gut gedämmt (KfW 40/55) | Keine Absenkung | Aufheizen kostet mehr als Ersparnis |
| Mäßig gedämmt | 2 °C Absenkung | Leichte Ersparnis möglich |
| Schlecht gedämmt | 3–4 °C Absenkung | Spürbare Ersparnis (3–8 %) |
Wichtig: Bei Fußbodenheizungen ist Nachtabsenkung wegen der Trägheit meist nicht sinnvoll.
Spreizung optimieren
Die Spreizung (Differenz zwischen Vor- und Rücklauftemperatur) beeinflusst die Laufzeiten:
| Spreizung | Vorteil | Nachteil |
|---|---|---|
| Niedrig (4–5 K) | Höherer Volumenstrom, gleichmäßigere Wärmeverteilung | Höherer Pumpenstrom |
| Hoch (8–10 K) | Längere Laufzeiten der WP | Ungleichmäßigere Wärmeverteilung |
Standardwerte:
- Fußbodenheizung: 5–7 K
- Heizkörper: 7–10 K
Häufige Fehler vermeiden
| Fehler | Folge | Lösung |
|---|---|---|
| Heizkurve zu hoch eingestellt | Unnötig hohe Vorlauftemperatur, niedriger COP | Schrittweise absenken |
| Einzelraumregelung zu aggressiv | Taktung, Verschleiß | Thermostate auf Maximum, über Heizkurve regeln |
| Kein hydraulischer Abgleich | Ungleichmäßige Wärmeverteilung | DIY-Abgleich durchführen |
| Warmwasser zu heiß | Niedriger COP bei WW-Bereitung | 48–50 °C + wöchentliche Legionellenschaltung |
| Keine Dokumentation | Optimierungserfolg nicht messbar | Monatlich Zählerstände notieren |
Fazit
Kernaussagen:
- Die Heizkurve ist der wichtigste Hebel – richtig eingestellt spart sie 15–25 % Stromkosten
- Raumthermostate sind bei Wärmepumpen meist kontraproduktiv – gleichmäßige Temperaturführung über die Heizkurve ist effizienter
- Der hydraulische Abgleich ist Pflicht – und auch als DIY machbar
- Optimierung ist ein iterativer Prozess über 1–2 Heizperioden
- Monitoring ist essentiell – was man nicht misst, kann man nicht verbessern
Eine systematisch optimierte Wärmepumpe erreicht eine um 15–25 % bessere Jahresarbeitszahl als eine nur einmal eingestellte Anlage. Bei einem durchschnittlichen Stromverbrauch von 4.000 kWh/Jahr entspricht das einer Ersparnis von 200–400 EUR jährlich – bei minimalem Aufwand.
Die Investition von Zeit in die Optimierung zahlt sich aus: Ein Wochenende für den hydraulischen Abgleich und regelmäßige kleine Anpassungen an der Heizkurve machen den Unterschied zwischen einer mittelmäßigen und einer hervorragenden Anlage.
Die komplette Artikelserie „Wärmepumpen"
- Wärmepumpe: Der komplette Ratgeber 2026 – Überblick
- Der Anti-Kühlschrank: Wie funktioniert eine Wärmepumpe? – Physikalische Grundlagen
- Die Komponenten: Wärmetauscher, Kompressor und Expansionsventil – Bauteile im Detail
- Kennzahlen und Dimensionierung von Wärmepumpen – COP, JAZ, SCOP
- Betriebsweisen: Monovalent, Bivalent und Hybrid – Betriebsarten erklärt
- Wärmepumpen-Typen und das Dreamteam mit Solaranlagen – Typen & Kombination mit PV
- SCOP erklärt: Die saisonale Leistungszahl – Effizienz richtig bewerten
- Wärmepumpe richtig einstellen: Der Praxisleitfaden – Sie sind hier
Quellen
- Deutsche Umwelthilfe: Ratgeber zur optimalen Einstellung der Wärmepumpe (PDF)
- Bundesverband Wärmepumpe: JAZ-Rechner nach VDI 4650
- energie-experten.org: Heizkurve von Wärmepumpen
- co2online: Hydraulischer Abgleich für Fußbodenheizung
- Bosch-Buderus: Wärmepumpen-Optimierungen
- Enercity: Wärmepumpe richtig einstellen
- VDI 4650: Berechnung der Jahresarbeitszahl von Wärmepumpenanlagen
- DIN EN 14825: Prüfung und Leistungsbewertung von Wärmepumpen
Heizlast berechnen
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