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Eigenverbrauch optimieren: So nutzen Sie mehr Solarstrom selbst

Eine typische 10-kWp-Anlage erzeugt rund 10.000 kWh Strom pro Jahr. Ohne gezielte Maßnahmen verbraucht der Haushalt davon nur 25–35 %. Den Rest nimmt das Stromnetz für 7,78 Cent pro Kilowattstunde ab. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde ersetzt dagegen Netzstrom für 35 Cent – ein Unterschied von 27 Cent pro Kilowattstunde, der über die Lebensdauer einer PV-Anlage zehntausende Euro ausmacht.

Dieser Artikel erklärt, was Eigenverbrauch und Autarkiegrad bedeuten, warum der Eigenverbrauch zum entscheidenden Wirtschaftlichkeitsfaktor geworden ist, und welche fünf Hebel ihn von 25 auf über 80 Prozent steigern können.


Eigenverbrauch und Autarkiegrad – zwei Kennzahlen, ein Ziel

In der Praxis werden zwei Kennzahlen verwendet, die häufig verwechselt werden. Sie beschreiben verschiedene Perspektiven auf denselben Sachverhalt.

Die Eigenverbrauchsquote gibt an, welcher Anteil des erzeugten Solarstroms direkt im Haushalt verbraucht wird:

Eigenverbrauchsquote (%) = Eigenverbrauch ÷ PV-Erzeugung × 100

Der Autarkiegrad betrachtet die andere Seite: Welcher Anteil des Strombedarfs wird durch die PV-Anlage gedeckt?

Autarkiegrad (%) = Eigenverbrauch ÷ Gesamtstromverbrauch × 100

Eigenverbrauchsquote und Autarkiegrad im Vergleich

Ein Beispiel verdeutlicht den Unterschied. Eine 10-kWp-Anlage erzeugt 10.000 kWh pro Jahr. Der Haushalt verbraucht insgesamt 5.000 kWh, davon 2.500 kWh direkt aus der PV-Anlage. Die Eigenverbrauchsquote beträgt 2.500 ÷ 10.000 = 25 %. Der Autarkiegrad liegt bei 2.500 ÷ 5.000 = 50 %. Der Haushalt deckt also die Hälfte seines Bedarfs solar, nutzt aber nur ein Viertel der Erzeugung selbst.

Der Zusammenhang zwischen beiden Kennzahlen ist gegenläufig: Eine sehr große Anlage hat eine niedrige Eigenverbrauchsquote (viel Überschuss), aber einen hohen Autarkiegrad (großer Anteil des Bedarfs gedeckt). Eine kleine Anlage hat eine hohe Eigenverbrauchsquote (fast alles wird verbraucht), aber einen niedrigen Autarkiegrad (der Haushalt bezieht weiterhin viel Netzstrom). Für die Wirtschaftlichkeit entscheidet letztlich der absolute Eigenverbrauch in Kilowattstunden – nicht die prozentuale Quote.


Die wirtschaftliche Logik – warum jede selbst verbrauchte Kilowattstunde zählt

Wirtschaftlichkeit: Einspeisung vs. Eigenverbrauch

Die Einspeisevergütung für Teileinspeisung liegt seit Februar 2026 bei 7,78 ct/kWh (Anlagen ≤ 10 kWp) und sinkt halbjährlich um 1 %. Der Haushaltsstrompreis bewegt sich dagegen bei 35–40 ct/kWh. Die Differenz von rund 27 Cent pro Kilowattstunde ist der wirtschaftliche Kern der Eigenverbrauchsoptimierung: Wer eine Kilowattstunde Solarstrom selbst verbraucht statt einzuspeisen, spart die Differenz zwischen vermiedenem Netzbezug und entgangener Einspeisevergütung.

Jahr Einspeisevergütung Haushaltsstrompreis Eigenverbrauchsvorteil
2024 8,11 ct/kWh ~32 ct/kWh ~24 ct/kWh
2026 7,78 ct/kWh ~35 ct/kWh ~27 ct/kWh
2028 (Prognose) ~7,0 ct/kWh ~37 ct/kWh ~30 ct/kWh

Die Tendenz ist eindeutig: Die Schere zwischen sinkender Vergütung und steigenden Strompreisen öffnet sich weiter. Wer 2026 eine Anlage installiert, für den ist der Eigenverbrauch bereits heute der wichtigste Wirtschaftlichkeitsfaktor – und er wird es in jedem Folgejahr noch stärker.

Rechenbeispiel: Die Gestehungskosten von PV-Strom liegen bei 6–12 ct/kWh. Jede selbst verbrauchte Kilowattstunde erzielt einen Gewinn von 23–29 ct gegenüber dem Netzbezug. 1.000 kWh mehr Eigenverbrauch statt Einspeisung bedeuten rund 270 € zusätzliche Ersparnis pro Jahr.


Typischer Eigenverbrauch – was ohne Optimierung übrig bleibt

Tagesprofil: PV-Erzeugung vs. Verbrauch

Das Grundproblem jeder PV-Anlage ist die zeitliche Verschiebung zwischen Erzeugung und Verbrauch. Die Solaranlage produziert den meisten Strom zwischen 10 und 15 Uhr. Der Haushalt verbraucht aber morgens beim Frühstück und abends nach Feierabend am meisten. In der Mittagszeit – wenn die Erzeugung ihren Höchststand erreicht – ist häufig niemand zu Hause. Das Ergebnis: Der Überschuss fließt ins Netz, und abends wird teurer Netzstrom bezogen.

Ohne jegliche Optimierungsmaßnahmen ergeben sich typische Eigenverbrauchsquoten von 20 bis 35 Prozent, abhängig von Anlagengröße und Verbrauch:

Anlagengröße Haushaltsstrom Eigenverbrauchsquote Autarkiegrad
5 kWp 3.500 kWh/a 30–35 % 40–50 %
8 kWp 4.500 kWh/a 25–30 % 40–50 %
10 kWp 5.000 kWh/a 20–28 % 35–45 %
15 kWp 5.000 kWh/a 15–22 % 35–50 %

Zwei Muster fallen auf. Erstens: Je größer die Anlage im Verhältnis zum Verbrauch, desto niedriger die Eigenverbrauchsquote – aber desto höher der absolute Eigenverbrauch und der Autarkiegrad. Zweitens: Der saisonale Effekt ist erheblich. Im Sommer erzeugt die Anlage das Drei- bis Vierfache des Winterertrags, während der Stromverbrauch relativ konstant bleibt. Die Eigenverbrauchsquote kann im Juni bei 15 % liegen und im Dezember bei 80 % – der Jahresschnitt entscheidet.


Die fünf Hebel zur Eigenverbrauchsoptimierung

Die gute Nachricht: Es gibt fünf bewährte Strategien, die den Eigenverbrauch einzeln oder in Kombination deutlich steigern. Jede hat unterschiedliche Investitionskosten, Wirksamkeit und Voraussetzungen.

Eigenverbrauch nach Optimierungsszenario

Maßnahme Eigenverbrauchsquote Autarkiegrad Investition
Basis (ohne alles) 25–35 % 35–45 %
+ Batteriespeicher 60–80 % 50–70 % 4.000–10.000 €
+ Wärmepumpe (SG-Ready) 40–55 % 40–55 % meist ohnehin geplant
+ E-Auto (PV-Laden) 35–50 % 45–60 % Wallbox 500–2.000 €
+ HEMS +5–10 % zusätzlich +5–10 % 500–2.000 €
Kombination aller Hebel 70–85 % 60–80 % systemabhängig

Die Werte gelten jeweils als Einzelmaßnahme (nicht additiv). In Kombination überlagern sich die Effekte und der Gesamteffekt ist höher als jede Einzelmaßnahme, aber niedriger als die Summe aller Einzeleffekte. Die folgenden Abschnitte vertiefen jeden Hebel.


Batteriespeicher – der wichtigste Einzelhebel

Wie ein Speicher den Eigenverbrauch erhöht

Ein Batteriespeicher löst das Zeitproblem der Photovoltaik. Er nimmt den Mittagsüberschuss auf und gibt ihn abends und nachts wieder ab, wenn der Haushalt Strom benötigt. Der Effekt ist beträchtlich: Eine passend dimensionierte Batterie steigert die Eigenverbrauchsquote typischerweise von 25–35 % auf 60–80 %.

Die richtige Speichergröße

Für die Dimensionierung haben sich zwei Faustregeln bewährt, die zum selben Ergebnis führen:

  • 1 kWh nutzbare Kapazität pro 1 kWp Anlagenleistung
  • 1 kWh pro 1.000 kWh Jahresstromverbrauch

Bei einer 10-kWp-Anlage und 5.000 kWh Jahresverbrauch empfiehlt sich also ein Speicher von 8–10 kWh. Konkret nach Haushaltsgröße:

Haushaltsgröße Stromverbrauch PV-Leistung Speicher
1–2 Personen 2.500–3.500 kWh 5–7 kWp 5–7 kWh
3–4 Personen 4.000–5.500 kWh 8–10 kWp 8–10 kWh
5+ Personen oder mit WP 6.000–10.000 kWh 10–15 kWp 10–15 kWh

Wirtschaftlichkeit des Speichers

Die Gestehungskosten von Speicherstrom liegen bei 15–25 ct/kWh, abhängig von Anschaffungspreis, nutzbarer Kapazität und Anzahl der Ladezyklen über die Lebensdauer. Solange diese Kosten unter dem Haushaltsstrompreis liegen (aktuell 35–40 ct/kWh), ist der Speicher wirtschaftlich. Die Amortisationszeit beträgt 10–15 Jahre bei einer Lebensdauer von 15–20 Jahren.

Allerdings amortisiert sich ein Speicher langsamer als die PV-Anlage selbst (8–12 Jahre). Das liegt daran, dass der Speicher keine Energie erzeugt, sondern nur zeitlich verschiebt. Er verdient an der Differenz zwischen Einspeisevergütung (7,78 ct) und vermiedenem Netzbezug (35 ct) – also rund 27 ct pro gespeicherter kWh. Bei 250 Vollzyklen pro Jahr und 10 kWh Kapazität sind das 675 € Ersparnis im Jahr.

Praxistipp: Zu groß dimensionierte Speicher sind unwirtschaftlich – die letzten 20 % Kapazität werden im Alltag selten genutzt. Die Batterie sollte einen typischen Abend- und Nachtverbrauch abdecken können, nicht den Verbrauch mehrerer Tage. Etwas kleiner dimensionieren führt zu kürzerer Amortisation.


Wärmepumpe als thermischer Speicher

Wer eine Wärmepumpe betreibt oder plant, hat einen natürlichen Verbündeten bei der Eigenverbrauchsoptimierung. Die Grundidee: Die Wärmepumpe läuft bevorzugt dann, wenn die PV-Anlage Strom erzeugt, und speichert die Energie als Wärme im Puffer- oder Warmwasserspeicher. Anders als eine Batterie wird dabei keine elektrische Energie gespeichert, sondern thermische – mit dem Vorteil, dass jeder Haushalt mit Wärmepumpe bereits über den notwendigen Wärmespeicher verfügt.

Die Eigenverbrauchsquote steigt durch eine PV-gekoppelte Wärmepumpe typischerweise von 30 % auf 40–55 %, je nach Wärmebedarf und Speichervolumen.

Praktische Umsetzung

Die meisten modernen Wärmepumpen verfügen über eine SG-Ready-Schnittstelle (Smart Grid Ready). Über zwei potenzialfreie Kontakte erhält die Wärmepumpe ein Signal vom Wechselrichter oder HEMS, dass PV-Überschuss verfügbar ist. Die Wärmepumpe reagiert darauf mit erhöhtem Betrieb:

  • Warmwasserspeicher wird auf 55–60 °C statt der üblichen 48 °C aufgeheizt
  • Pufferspeicher wird um 2–3 K über den Sollwert geladen
  • Fußbodenheizung kann als Flächenspeicher thermische Energie aufnehmen

In der Praxis bedeutet das 1.000–2.000 kWh zusätzlichen Eigenverbrauch pro Jahr. Die Investition beschränkt sich auf die Verkabelung der SG-Ready-Kontakte und eventuell ein Steuergerät – die Wärmepumpe und der Wärmespeicher sind ohnehin vorhanden.

Dimensionierung: PV-Zubau für Wärmepumpe

Wer eine Wärmepumpe betreibt und die PV-Anlage noch plant oder erweitern will, sollte den zusätzlichen Strombedarf berücksichtigen. Die Faustregel: 2–3 kWp zusätzliche PV-Leistung pro kW thermischer Heizleistung. Eine Wärmepumpe mit 10 kW Heizleistung und SCOP 3,5 verbraucht rund 2.857 kWh Strom pro Jahr – dafür sind 3–4 kWp zusätzliche PV-Leistung sinnvoll.

Detaillierte Informationen zur PV-WP-Kombination finden Sie im Artikel Wärmepumpen-Typen und das Dreamteam mit Solar. Die Berechnung des WP-Stromverbrauchs erläutert Stromverbrauch Wärmepumpe pro Jahr.


Lastverschiebung im Alltag – smart verbrauchen

Großverbraucher in die Mittagszeit legen

Die einfachste und kostenlose Maßnahme zur Eigenverbrauchssteigerung ist die bewusste Verschiebung stromintensiver Tätigkeiten in die Mittagszeit, wenn die PV-Anlage am meisten produziert.

Die größten Einzelverbraucher im Haushalt und ihr Verschiebungspotenzial:

Gerät Verbrauch pro Zyklus Laufzeit Optimaler Starttermin
Waschmaschine 1,5–2,5 kWh 1,5–2 h 11:00 Uhr
Wäschetrockner 2,5–4,0 kWh 1,5–2,5 h 13:00 Uhr
Geschirrspüler 1,0–1,5 kWh 1,5–2 h 12:00 Uhr
Poolpumpe 0,5–1,5 kW (Dauerleistung) 4–8 h 10:00 Uhr

Allein durch bewusstes Timing lassen sich 500–1.000 kWh pro Jahr zusätzlich eigenverbrauchen – bei null Euro Investition. Viele Geräte haben eine Timer-Funktion, die den Start auf die Mittagszeit programmiert. Wer im Homeoffice arbeitet, hat es besonders leicht.

Home Energy Management System (HEMS)

Ein HEMS automatisiert die Lastverschiebung. Es überwacht Erzeugung, Verbrauch und Speicherstand in Echtzeit und steuert Verbraucher automatisch anhand von PV-Überschuss und Wetterprognose. Typische Steuerungsfunktionen: Batteriespeicher-Management, Wärmepumpen-Freigabe bei Überschuss, Wallbox-Steuerung und intelligente Gerätefreigabe.

Der zusätzliche Effekt eines HEMS liegt bei 5–10 Prozentpunkten Eigenverbrauch gegenüber manueller Steuerung. Die Kosten bewegen sich zwischen 500 und 2.000 €, wobei viele moderne Hybridwechselrichter ein einfaches HEMS bereits integriert haben.

Dynamische Stromtarife

Seit 2025 müssen alle Stromlieferanten dynamische Tarife anbieten. Für PV-Besitzer mit Smart Meter eröffnet das zusätzliche Optimierungsmöglichkeiten: Bei negativen Börsenpreisen – die 2025 und 2026 häufiger auftreten – kann es günstiger sein, Netzstrom zu beziehen und den Speicher damit zu laden, statt PV-Strom zu speichern. Diese Strategie ergänzt die Eigenverbrauchsoptimierung, ersetzt sie aber nicht: Der Grundsatz "selbst verbrauchen vor einspeisen" bleibt der wirtschaftlich wichtigste Hebel.


E-Auto und Wallbox – der flexible Großverbraucher

Ein Elektroauto ist mit 2.000–4.000 kWh Jahresverbrauch der größte flexible Verbraucher in vielen Haushalten. Wer es tagsüber an der heimischen Wallbox laden kann, verschiebt einen erheblichen Teil dieses Bedarfs in die PV-Erzeugungsstunden.

PV-überschussgesteuertes Laden funktioniert so: Die Wallbox startet den Ladevorgang erst, wenn die PV-Anlage mehr produziert als der Haushalt verbraucht. Bei einphasigem Laden (1,4 kW Mindestleistung) reicht dafür bereits ein kleiner Überschuss. Dreiphasiges Laden (mindestens 4,1 kW) setzt mehr Überschuss voraus und eignet sich eher für größere Anlagen ab 8–10 kWp.

Der Effekt auf die Eigenverbrauchsquote liegt bei +10–20 Prozentpunkten, wenn das Auto regelmäßig tagsüber zu Hause steht. Bei 15.000 km Jahresfahrleistung und einem Verbrauch von 18 kWh/100 km benötigt das Auto 2.700 kWh pro Jahr. Davon lassen sich 1.500–2.000 kWh über PV-Überschussladen decken.

Bidirektionales Laden (Vehicle-to-Home)

Die nächste Stufe ist Vehicle-to-Home (V2H): Das E-Auto gibt abends Strom zurück an den Haushalt und funktioniert damit wie ein Batteriespeicher mit 50–80 kWh Kapazität. Die Technologie ist 2026 in ersten Serienfahrzeugen und Wallboxen verfügbar, aber noch nicht breit im Markt angekommen. Für die Zukunft bietet V2H enormes Potenzial – wer heute eine bidirektional-fähige Wallbox installiert, ist vorbereitet.

Homeoffice-Vorteil: Wer tagsüber zu Hause arbeitet und das E-Auto regelmäßig an der Wallbox steht, profitiert doppelt. Fünf Stunden PV-Laden bei 3,5 kW Überschuss liefern 17,5 kWh – genug für rund 100 Kilometer Reichweite, jeden Tag.


Drei Praxisbeispiele durchgerechnet

Beispiel 1 – Kleiner Haushalt ohne Speicher

Ausgangssituation: 2-Personen-Haushalt, Bestandshaus, 5 kWp Anlage, kein Speicher, kein E-Auto, Gasheizung.

Kennwert Wert
Stromverbrauch 3.000 kWh/a
PV-Erzeugung 5.000 kWh/a
Eigenverbrauch 1.500 kWh (30 %)
Autarkiegrad 50 %
Einspeisung 3.500 kWh × 0,0778 € = 272 €
Vermiedener Netzbezug 1.500 kWh × 0,35 € = 525 €
Gesamtersparnisse 797 €/a

Auch ohne Speicher spart die Anlage knapp 800 € pro Jahr. Die verbleibenden 1.500 kWh Netzbezug kosten 525 € – ein Speicher könnte davon den Großteil eliminieren.

Beispiel 2 – Familie mit Speicher und Wärmepumpe

Ausgangssituation: 4-Personen-Haushalt, KfW-55-Neubau, 10 kWp + 10 kWh Speicher, Luft-Wasser-Wärmepumpe mit SG-Ready.

Kennwert Wert
Haushaltsstrom 4.500 kWh/a
WP-Strom 3.000 kWh/a
Gesamtverbrauch 7.500 kWh/a
PV-Erzeugung 10.000 kWh/a
Eigenverbrauch 6.500 kWh (65 %)
Autarkiegrad 87 %
Einspeisung 3.500 kWh × 0,0778 € = 272 €
Vermiedener Netzbezug 6.500 kWh × 0,35 € = 2.275 €
Gesamtersparnisse 2.547 €/a

Die Kombination aus Speicher und SG-Ready-Wärmepumpe bringt den Eigenverbrauch auf 65 %. Der Haushalt bezieht nur noch 1.000 kWh aus dem Netz (350 €/a Stromkosten). Die jährliche Ersparnis von über 2.500 € amortisiert die PV-Anlage in 5–7 Jahren.

Beispiel 3 – Volloptimiertes System mit E-Auto

Ausgangssituation: 4-Personen-Haushalt, 15 kWp + 15 kWh Speicher, Wärmepumpe, E-Auto (15.000 km/a), HEMS.

Kennwert Wert
Haushaltsstrom 4.500 kWh/a
WP-Strom 3.000 kWh/a
E-Auto 3.000 kWh/a
Gesamtverbrauch 10.500 kWh/a
PV-Erzeugung 15.000 kWh/a
Eigenverbrauch 11.250 kWh (75 %)
Autarkiegrad ~80 % (saisonbereinigt)
Einspeisung 3.750 kWh × 0,0778 € = 292 €
Vermiedener Netzbezug 11.250 kWh × 0,35 € = 3.938 €
Gesamtersparnisse 4.230 €/a

Das volloptimierte System erzielt über 4.200 € jährliche Ersparnisse. Der rechnerische Autarkiegrad von über 100 % (Erzeugung > Verbrauch) relativiert sich saisonal: Im Winter reicht die PV-Erzeugung nicht für den vollen Bedarf, im Sommer entsteht erheblicher Überschuss. Der effektive Autarkiegrad liegt bei rund 80 %.


Häufige Fehler bei der Eigenverbrauchsoptimierung

Einige Denkfehler tauchen in der Praxis regelmäßig auf und führen zu suboptimalen Investitionsentscheidungen.

Der häufigste Fehler ist eine zu kleine PV-Anlage. Wer bereits eine Wärmepumpe betreibt oder ein Elektroauto plant, sollte die Anlage von Anfang an großzügig dimensionieren. Die Grenzkosten pro zusätzlichem kWp sinken mit der Anlagengröße, und nachrüsten ist teurer als gleich richtig planen.

Umgekehrt führt ein zu groß dimensionierter Batteriespeicher zu schlechter Wirtschaftlichkeit. Die letzten 20 % der Speicherkapazität werden im Alltag selten genutzt – der Speicher wird nur bei idealem Wetter vollständig geladen und entladen. Eine Batterie, die den durchschnittlichen Abend- und Nachtverbrauch (nicht den Maximalverbrauch) abdecken kann, ist wirtschaftlich optimal.

Ein weiterer Fehler ist der ausschließliche Blick auf die Eigenverbrauchsquote. Eine Quote von 90 % klingt gut, kann aber bedeuten, dass die Anlage zu klein ist und der Haushalt weiterhin viel Netzstrom bezieht. Der Autarkiegrad und der absolute Eigenverbrauch in kWh sind für die tatsächliche Kostenersparnis aussagekräftiger.

Schließlich wird die saisonale Schwankung unterschätzt. Im Sommer kann der Eigenverbrauch bei 15 % liegen (viel Sonne, wenig Verbrauch), im Winter bei 80 % (wenig Sonne, viel Verbrauch durch WP). Optimierungsmaßnahmen sollten daher auf den Sommer abzielen – im Winter ist der Eigenverbrauch ohnehin hoch.


Häufig gestellte Fragen

Was ist ein guter Eigenverbrauch bei einer Photovoltaikanlage?

Ohne Speicher gelten 30–35 % als typisch. Mit Batteriespeicher und intelligenter Steuerung sind 60–80 % erreichbar. Der absolute Eigenverbrauch in kWh ist wichtiger als die Quote: 4.000 kWh Eigenverbrauch bei 30 % Quote (große Anlage) sind wirtschaftlich besser als 2.000 kWh bei 60 % Quote (kleine Anlage).

Wie erhöhe ich meinen Eigenverbrauch ohne Batteriespeicher?

Durch bewusste Lastverschiebung: Waschmaschine, Trockner und Geschirrspüler auf die Mittagszeit programmieren. Wärmepumpe und Warmwasserbereitung bevorzugt tagsüber laufen lassen. E-Auto tagsüber laden. Allein diese Maßnahmen können den Eigenverbrauch um 5–15 Prozentpunkte steigern.

Lohnt sich ein Batteriespeicher für den Eigenverbrauch?

Wirtschaftlich ja, wenn die Gestehungskosten des Speicherstroms (15–25 ct/kWh) unter dem Haushaltsstrompreis liegen – was aktuell der Fall ist. Die Amortisation dauert 10–15 Jahre. Ein Speicher lohnt sich besonders bei hohem Abend- und Nachtverbrauch und wenn kein Wärmepumpen-Tarif (27 ct) genutzt wird.

Wie viel Eigenverbrauch ist mit Wärmepumpe möglich?

Eine Wärmepumpe mit SG-Ready-Anbindung steigert den Eigenverbrauch typischerweise um 10–20 Prozentpunkte. In Kombination mit einem Batteriespeicher sind Eigenverbrauchsquoten von 65–80 % realistisch. Der Effekt ist am größten in der Übergangszeit (Frühling/Herbst), wenn sowohl Heizbedarf als auch Solarertrag vorhanden sind.

Brauche ich ein HEMS für die Eigenverbrauchsoptimierung?

Ein HEMS ist nicht zwingend nötig, bringt aber 5–10 Prozentpunkte zusätzlichen Eigenverbrauch durch automatisierte Steuerung. Besonders bei komplexen Systemen mit Speicher, Wärmepumpe und Wallbox lohnt sich ein HEMS, weil es Wetterprognosen und Verbrauchsmuster berücksichtigt. Viele Hybridwechselrichter haben ein einfaches HEMS bereits integriert.

Kann ich mit Eigenverbrauch 100 % autark werden?

In der Praxis nein. Im Winter reicht die PV-Erzeugung in Deutschland nicht für den vollen Bedarf eines beheizten Haushalts. Selbst mit sehr großer Anlage, Speicher und Wärmepumpe liegt der realistische Jahres-Autarkiegrad bei 70–85 %. Die letzten Prozentpunkte erfordern überproportional hohe Investitionen und sind wirtschaftlich nicht sinnvoll.


Fazit

Das Wesentliche: Der Eigenverbrauch ist 2026 der entscheidende Wirtschaftlichkeitsfaktor jeder PV-Anlage. Während die Einspeisevergütung auf unter 8 Cent gesunken ist, spart jede selbst verbrauchte Kilowattstunde rund 27 Cent gegenüber dem Netzbezug. Ein Batteriespeicher bringt als Einzelmaßnahme den größten Effekt und verdoppelt den Eigenverbrauch auf 60–80 %. Wer zusätzlich eine Wärmepumpe über die SG-Ready-Schnittstelle einbindet und das E-Auto tagsüber lädt, erreicht Eigenverbrauchsquoten von 70–85 % und Ersparnisse von über 4.000 Euro im Jahr. Die einfachste Maßnahme – Großverbraucher in die Mittagszeit legen – kostet nichts und bringt 500 bis 1.000 kWh zusätzlichen Eigenverbrauch.

Die Planung einer PV-Anlage sollte immer vom Eigenverbrauch her gedacht werden: Welche Verbraucher sind flexibel? Welcher Speicher passt zum Verbrauchsprofil? Welche zukünftigen Lasten (Wärmepumpe, E-Auto) sollten bereits heute eingeplant werden? Wer diese Fragen vorab klärt, holt deutlich mehr aus seiner Solaranlage heraus als mit reiner Ertragsmaxmierung.

Die Grundlagen der Ertragsberechnung erläutert der Artikel PV-Ertrag berechnen: Faktoren und Formeln. Zur optimalen Planung Ihrer Anlage empfehlen wir Solaranlage planen: Schritt für Schritt. Wie Wärmepumpe und PV zusammenwirken, beschreibt Wärmepumpen-Typen und das Dreamteam mit Solar. Alles zu Batteriespeichern finden Sie in unserer Batteriespeicher-Übersicht.


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Quellen