Wärmepumpe Stromverbrauch pro Jahr: Verbrauch berechnen, verstehen und senken
Eine Luft-Wasser-Wärmepumpe in einem durchschnittlichen Einfamilienhaus verbraucht zwischen 3.000 und 6.000 kWh Strom pro Jahr. Bei einem Wärmepumpenstromtarif von 0,27 €/kWh entspricht das 800 bis 1.600 € jährlichen Betriebskosten. Die Spanne ist enorm – ein Passivhaus kommt mit 500 kWh aus, ein unsanierter Altbau kann über 10.000 kWh benötigen.
Der Stromverbrauch ist die zentrale Größe für die Wirtschaftlichkeit einer Wärmepumpe. Er entscheidet darüber, ob sich die Investition in 6 oder erst in 15 Jahren amortisiert. Dieser Artikel zeigt, welche Faktoren den Verbrauch bestimmen, wie sich verschiedene Gebäudetypen und Heizsysteme auswirken und wo die größten Einsparpotenziale liegen.
Die Grundformel – Vom Wärmebedarf zum Stromverbrauch
Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe lässt sich mit einer einzigen Formel berechnen:
Stromverbrauch (kWh/a) = Wärmebedarf (kWh/a) ÷ JAZ
Der Wärmebedarf ist die Energiemenge, die das Gebäude pro Jahr zum Heizen und für Warmwasser benötigt. Die Jahresarbeitszahl (JAZ) beschreibt, wie effizient die Wärmepumpe diese Wärme erzeugt – eine JAZ von 3,5 bedeutet: Aus 1 kWh Strom werden 3,5 kWh Wärme.
Ein konkretes Beispiel: Ein Einfamilienhaus mit 150 m² und einem jährlichen Wärmebedarf von 15.000 kWh wird mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe beheizt, die eine JAZ von 3,5 erreicht.
15.000 kWh ÷ 3,5 = 4.286 kWh Stromverbrauch pro Jahr
Bei einem Wärmepumpenstromtarif von 0,27 €/kWh ergeben sich Jahreskosten von 1.157 €. Mit Haushaltsstrom (0,36 €/kWh) wären es 1.543 €, mit Photovoltaik-Eigenverbrauch (0,10 €/kWh) nur noch 429 €.
Was bestimmt den Wärmebedarf?
Der Wärmebedarf eines Gebäudes hängt vor allem von vier Faktoren ab. Die Gebäudehülle ist der wichtigste: U-Werte von Wänden, Fenstern, Dach und Kellerdecke bestimmen die Transmissionswärmeverluste. Ein Fenster mit U-Wert 0,9 W/(m²·K) verliert nur ein Drittel der Wärme eines alten Fensters mit U-Wert 2,8. Hinzu kommen Wohnfläche und Gebäudegeometrie – ein freistehendes Haus hat bei gleicher Fläche mehr Außenwand als ein Reihenhaus. Die Klimazone spielt ebenfalls eine Rolle: In München (Norm-Außentemperatur –16 °C) fällt der Wärmebedarf höher aus als in Köln (–10 °C). Und schließlich beeinflusst das Nutzerverhalten den Verbrauch erheblich – jedes Grad höhere Raumtemperatur steigert den Wärmebedarf um rund 6 %.
Wer den Wärmebedarf seines Gebäudes nicht kennt, kann ihn aus dem bisherigen Energieverbrauch ableiten: Bei einer Gasheizung entspricht der Jahresverbrauch in kWh ungefähr dem Wärmebedarf. Bei Heizöl gilt: Liter × 10 = kWh. Genauer geht es mit einer Heizlastberechnung nach DIN EN 12831 – etwa mit unserem Heizlast-Rechner.
Was bestimmt die JAZ?
Die Jahresarbeitszahl ist keine feste Eigenschaft der Wärmepumpe, sondern das Ergebnis aus Gerät, Wärmequelle, Heizsystem und Einstellung. Die Wärmequelle hat den größten Einfluss: Grundwasser liefert ganzjährig 8–12 °C, Erdreich 0–10 °C, Außenluft schwankt zwischen –15 und +35 °C. Je wärmer die Quelle, desto weniger Arbeit für den Kompressor, desto höher die JAZ.
Der zweitwichtigste Faktor ist die Vorlauftemperatur des Heizsystems – und damit die Art der Wärmeverteilung. Eine Fußbodenheizung mit 35 °C Vorlauf ermöglicht eine JAZ von 4,0 oder höher; alte Gliederheizkörper mit 65 °C drücken die JAZ auf 2,0–2,5. Dazu kommen die korrekte Dimensionierung der Wärmepumpe und die Betriebseinstellungen (Heizkurve, Warmwassertemperatur, Raumthermostate). Details dazu im Artikel SCOP erklärt und Optimierung & Einstellung.
Stromverbrauch nach Gebäudetyp – die große Übersichtstabelle
Die folgende Tabelle zeigt den typischen Stromverbrauch einer Luft-Wasser-Wärmepumpe für ein Einfamilienhaus mit 150 m² Wohnfläche – aufgeschlüsselt nach Gebäudestandard. Die Werte beinhalten Heizung und Warmwasser für einen 3-Personen-Haushalt.
| Gebäudetyp | Wärmebedarf (kWh/m²·a) | Wärmebedarf gesamt (kWh/a) | Typische JAZ | Stromverbrauch (kWh/a) | Stromkosten (€/a) |
|---|---|---|---|---|---|
| Passivhaus (≤ 15 kWh/m²) | 15 | 4.650 | 4,5–5,0 | 930–1.030 | 250–280 |
| KfW-40-Neubau | 25–40 | 6.150–8.400 | 4,0–4,5 | 1.370–2.100 | 370–570 |
| KfW-55-Neubau | 55 | 10.650 | 3,5–4,0 | 2.660–3.040 | 720–820 |
| Altbau saniert (EnEV / ab 1995) | 80–100 | 14.400–17.400 | 3,0–3,5 | 4.110–5.800 | 1.110–1.570 |
| Altbau teilsaniert | 100–130 | 17.400–21.900 | 2,8–3,2 | 5.440–7.820 | 1.470–2.110 |
| Altbau unsaniert (vor 1977) | 150–250 | 24.900–39.900 | 2,5–3,0 | 8.300–15.960 | 2.240–4.310 |
Annahmen: Luft-Wasser-WP, 150 m², 3 Personen, Warmwasser 2.400 kWh thermisch, WP-Stromtarif 0,27 €/kWh
Die Bandbreiten kommen durch unterschiedliche Randbedingungen zustande: Klimazone, Fensteranteil, Geschosszahl, Kompaktheit des Grundrisses und ob die Wärmepumpe mit Fußbodenheizung oder Heizkörpern arbeitet.
Doppelte Belastung im unsanierten Altbau: In schlecht gedämmten Gebäuden kommt zweierlei zusammen – der Wärmebedarf ist drei- bis fünfmal höher als im Neubau, und gleichzeitig erzwingen die hohen Vorlauftemperaturen eine niedrige JAZ. Ein unsanierter Altbau braucht daher bis zu 15-mal mehr Strom als ein Passivhaus. Vor dem Einbau einer Wärmepumpe lohnt sich fast immer eine zumindest teilweise Sanierung der Gebäudehülle.
Der Faktor Wärmeverteilung – Heizkörper, Flächenheizung und ihre Wirkung auf den Verbrauch
Die Wärmeverteilung im Gebäude ist nach der Gebäudehülle der zweitwichtigste Einflussfaktor auf den Stromverbrauch. Die Kausalkette ist eindeutig: Die Art der Heizflächen bestimmt die erforderliche Vorlauftemperatur – die Vorlauftemperatur bestimmt die JAZ – die JAZ bestimmt den Stromverbrauch. Als Faustregel gilt: Jedes Kelvin weniger Vorlauftemperatur spart rund 2,5 % Strom. Eine Absenkung um 10 K bedeutet also 25 % weniger Verbrauch.
Flächenheizungen – das Optimum
Fußboden-, Wand- und Deckenheizungen haben eine gemeinsame Eigenschaft: Sie nutzen große Flächen zur Wärmeübertragung und kommen deshalb mit niedrigen Vorlauftemperaturen aus. Eine Fußbodenheizung im Neubau arbeitet typischerweise mit 28–35 °C, eine Wandheizung mit 30–38 °C. Bei diesen Temperaturen erreicht eine Luft-Wasser-Wärmepumpe eine JAZ von 4,0 bis 5,5.
Der hohe Strahlungsanteil sorgt zusätzlich für eine gleichmäßigere Temperaturverteilung im Raum. Im Gegensatz zu Konvektionswärme, die zunächst die Luft an der Decke aufheizt, erwärmt Strahlungswärme direkt Gegenstände und Personen. Das ermöglicht eine um 1–2 °C niedrigere Raumtemperatur bei gleichem Komfort – und spart nochmals Energie.
Konkretes Beispiel: Ein KfW-55-Neubau mit 150 m², Fußbodenheizung und Luft-Wasser-WP. Der Wärmebedarf beträgt 10.650 kWh/a (Heizung + Warmwasser). Bei einer JAZ von 4,2 ergibt sich ein Stromverbrauch von 2.536 kWh/a, also Kosten von rund 685 €.
Heizkörpertypen im Detail
Nicht jeder Heizkörper ist gleich. Die Unterschiede in Bauart, Größe und Wärmeübertragung wirken sich direkt auf die erforderliche Vorlauftemperatur und damit auf den Wärmepumpen-Stromverbrauch aus.
| Heizkörpertyp | Vorlauftemperatur | Wärmeabgabe | WP-Eignung | JAZ-Bereich |
|---|---|---|---|---|
| Niedertemperatur-Heizkörper | 35–45 °C | Strahlung + Konvektion, teils mit Lüfter | ✅ Optimal | 3,5–4,5 |
| Plattenheizkörper Typ 22/33 (großzügig dimensioniert) | 40–50 °C | Hoher Strahlungsanteil | ✅ Gut geeignet | 3,0–3,8 |
| Gebläsekonvektoren (Fan Coils) | 35–45 °C | Konvektion mit Lüfterunterstützung | ✅ Gut, aber hörbar | 3,5–4,2 |
| Plattenheizkörper (normal dimensioniert) | 50–60 °C | Strahlung + Konvektion | ⚠️ Bedingt geeignet | 2,5–3,2 |
| Röhrenheizkörper (Bad etc.) | 50–65 °C | Überwiegend Konvektion | ⚠️ Bedingt geeignet | 2,3–3,0 |
| Glieder-/Rippenheizkörper | 60–75 °C | Überwiegend Konvektion | ❌ Ungünstig | 2,0–2,5 |
Niedertemperatur-Heizkörper (auch Wärmepumpenheizkörper genannt) sind speziell für den Betrieb mit niedrigen Vorlauftemperaturen konstruiert. Sie kombinieren große Heizflächen mit einem zusätzlichen Aluminium-Kupfer-Wärmetauscher, der die Wärmeabgabe bei gleicher Baugröße um 30–50 % steigert. Einige Modelle verfügen über einen integrierten Lüfter, der bei Bedarf zugeschaltet wird – das senkt die erforderliche Vorlauftemperatur um weitere 5–10 K.
Plattenheizkörper sind in sanierten Gebäuden weit verbreitet. Entscheidend ist die Dimensionierung: Ein großzügig ausgelegter Typ-33-Heizkörper (drei Platten, drei Konvektionsbleche) gibt bei 45 °C Vorlauf deutlich mehr Wärme ab als ein kompakter Typ-11. Nach einer Gebäudesanierung sind die vorhandenen Plattenheizkörper oft überdimensioniert, weil der Wärmebedarf gesunken ist – dann funktionieren sie auch mit niedrigeren Vorlauftemperaturen.
Gebläsekonvektoren sind eine interessante Alternative für den Altbau. Sie erreichen mit aktiver Luftzirkulation hohe Wärmeleistungen bei niedrigen Vorlauftemperaturen. Nachteil: Sie benötigen einen Stromanschluss und erzeugen ein leises Ventilatorgeräusch (vergleichbar mit einem leisen Kühlschrank).
Glieder- und Rippenheizkörper aus Gusseisen waren bis in die 1970er-Jahre Standard. Ihre geringe Oberfläche erzwingt hohe Vorlauftemperaturen – allerdings nur, wenn der Wärmebedarf des Raums unverändert ist. Nach einer Fassadendämmung kann die benötigte Heizleistung so stark sinken, dass selbst diese alten Heizkörper mit 50 °C auskommen.
Praxistest Vorlauftemperatur: Senken Sie die Vorlauftemperatur Ihrer bestehenden Heizung testweise auf 45 °C ab – am besten während einer Kältephase im Winter. Werden alle Räume innerhalb von 2–3 Stunden angenehm warm, sind Ihre Heizkörper für den Wärmepumpenbetrieb geeignet. Einzelne Räume, die kühl bleiben, können gezielt mit größeren Heizkörpern nachgerüstet werden.
Praxisbeispiel – gleicher Wärmebedarf, andere Wärmeverteilung
Der folgende Vergleich zeigt, wie stark sich die Wärmeverteilung auf den Stromverbrauch auswirkt – bei identischem Gebäude mit 15.000 kWh Wärmebedarf und einer Luft-Wasser-Wärmepumpe:
| Wärmeverteilung | Vorlauftemperatur | JAZ | Stromverbrauch | Stromkosten | Mehrkosten ggü. FBH |
|---|---|---|---|---|---|
| Fußbodenheizung | 35 °C | 4,0 | 3.750 kWh | 1.013 € | Referenz |
| Niedertemperatur-Heizkörper | 45 °C | 3,4 | 4.412 kWh | 1.191 € | +178 €/a |
| Plattenheizkörper (großzügig) | 50 °C | 3,0 | 5.000 kWh | 1.350 € | +337 €/a |
| Gliederheizkörper (alt) | 65 °C | 2,3 | 6.522 kWh | 1.761 € | +748 €/a |
Über 20 Jahre summiert sich der Unterschied zwischen Fußbodenheizung und alten Gliederheizkörpern auf knapp 15.000 € – mehr als die Kosten eines Heizkörperaustauschs. Wer mit einer Wärmepumpe und alten Heizkörpern plant, sollte also zumindest die Räume mit dem höchsten Wärmebedarf (Wohnzimmer, Bad) mit größeren Niedertemperatur-Heizkörpern nachrüsten.
Warmwasser – der unterschätzte Stromfresser
Die Warmwasserbereitung wird bei der Verbrauchsabschätzung häufig unterschätzt. Während der prozentuale Anteil in schlecht gedämmten Gebäuden moderat ausfällt (15–20 % des Gesamtverbrauchs), dominiert er in gut gedämmten Häusern: In einem KfW-55-Neubau entfallen 30–40 % des Wärmepumpen-Stromverbrauchs auf Warmwasser, in einem Passivhaus sogar bis zu 50 %.
Der Grund liegt in der Physik: Warmwasser muss auf mindestens 45–50 °C erhitzt werden, unabhängig vom Dämmstandard. Die Wärmepumpe arbeitet für Warmwasser deshalb mit niedrigerer Effizienz als für die Heizung. Während die JAZ für Raumheizung bei einer Fußbodenheizung 4,0 oder mehr betragen kann, liegt sie für Warmwasser typischerweise bei 2,5–3,0.
Warmwasser-Energiebedarf pro Person
Pro Person und Tag fallen etwa 40 Liter Warmwasser an. Um diese von 10 °C Kaltwassertemperatur auf 45 °C zu erwärmen, werden täglich rund 1,6 kWh thermische Energie benötigt – das sind knapp 600 kWh pro Person und Jahr, nur für Warmwasser (ohne Speicher- und Verteilungsverluste). Inklusive Verlusten liegt der Wert bei etwa 800 kWh pro Person und Jahr.
| Haushaltsgröße | Thermischer WW-Bedarf (kWh/a) | Strom bei JAZ 2,8 (kWh/a) | Stromkosten (0,27 €/kWh) |
|---|---|---|---|
| 1 Person | 800 | 286 | 77 € |
| 2 Personen | 1.600 | 571 | 154 € |
| 3 Personen | 2.400 | 857 | 231 € |
| 4 Personen | 3.200 | 1.143 | 309 € |
Legionellenschutz – notwendig, aber stromintensiv
Legionellen sind Bakterien, die sich in stehendem Warmwasser zwischen 25 und 50 °C vermehren. In Mehrfamilienhäusern und größeren Anlagen schreibt die DVGW-Richtlinie eine regelmäßige thermische Desinfektion vor: Das Wasser im Speicher muss periodisch auf mindestens 60 °C erhitzt werden. In Einfamilienhäusern gibt es keine gesetzliche Pflicht, dennoch empfehlen die meisten Hersteller eine wöchentliche Legionellenschaltung.
Das Problem: Bei 60 °C Speichertemperatur sinkt der COP der Wärmepumpe auf 2,0–2,5. Viele Anlagen schalten dafür den elektrischen Heizstab zu, der mit einem COP von 1,0 arbeitet – reiner Stromfresser. Der Mehrverbrauch durch die Legionellenschaltung liegt bei 48–96 kWh pro Jahr.
Die effizientere Strategie: Warmwasser im Normalbetrieb auf 48 °C speichern und nur einmal wöchentlich für 30 Minuten auf 60 °C aufheizen. Das spart gegenüber einer dauerhaften Speichertemperatur von 55 °C rund 15–20 % des Warmwasser-Stroms.
Drei Praxisbeispiele im Durchrechnen
Theorie ist gut, aber konkrete Zahlen sind besser. Die folgenden drei Szenarien decken die häufigsten Situationen ab – vom Idealfall bis zum problematischen Altbau.
Beispiel 1: Neubau KfW 55 mit Fußbodenheizung
Das Idealszenario für eine Wärmepumpe: gute Dämmung und niedrige Vorlauftemperaturen.
- Gebäude: 150 m², Baujahr 2025, KfW 55
- Bewohner: 4 Personen
- Wärmepumpe: Luft-Wasser, 8 kW
| Position | Wärmebedarf | JAZ | Stromverbrauch |
|---|---|---|---|
| Raumheizung | 8.250 kWh | 4,2 | 1.964 kWh |
| Warmwasser | 3.200 kWh | 2,8 | 1.143 kWh |
| Gesamt | 11.450 kWh | 3,7 (gewichtet) | 3.107 kWh |
Stromkosten: 839 €/a (WP-Tarif 0,27 €/kWh) | Mit PV-Eigenverbrauch (40 %): 565 €/a
Beispiel 2: Sanierter Altbau mit Plattenheizkörpern
Die Realität vieler Umsteiger von Gas auf Wärmepumpe: Die Gebäudehülle wurde verbessert, die Heizkörper blieben.
- Gebäude: 160 m², Baujahr 1985, Fassade gedämmt, neue Fenster
- Bewohner: 3 Personen
- Wärmepumpe: Luft-Wasser, 10 kW
- Vorlauftemperatur: 50 °C (Plattenheizkörper ausreichend dimensioniert)
| Position | Wärmebedarf | JAZ | Stromverbrauch |
|---|---|---|---|
| Raumheizung | 14.400 kWh | 3,0 | 4.800 kWh |
| Warmwasser | 2.400 kWh | 2,5 | 960 kWh |
| Gesamt | 16.800 kWh | 2,9 (gewichtet) | 5.760 kWh |
Stromkosten: 1.555 €/a (WP-Tarif) | Vergleich alte Gasheizung: ~1.850 €/a → Ersparnis 295 €/a
Beispiel 3: Unsanierter Altbau mit Gliederheizkörpern
Das anspruchsvollste Szenario – hier zeigt sich, ob eine Wärmepumpe die richtige Wahl ist.
- Gebäude: 140 m², Baujahr 1968, keine Dämmung, Einfachverglasung teilweise ersetzt
- Bewohner: 2 Personen
- Wärmepumpe: Luft-Wasser, 14 kW
- Vorlauftemperatur: 65 °C (alte Gliederheizkörper)
| Position | Wärmebedarf | JAZ | Stromverbrauch |
|---|---|---|---|
| Raumheizung | 21.000 kWh | 2,3 | 9.130 kWh |
| Warmwasser | 1.600 kWh | 2,0 | 800 kWh |
| Gesamt | 22.600 kWh | 2,3 (gewichtet) | 9.930 kWh |
Stromkosten: 2.681 €/a (WP-Tarif) | Vergleich alte Gasheizung: ~2.500 €/a → kein Kostenvorteil
Achtung: In diesem Szenario ist die Wärmepumpe gegenüber Gas nicht wirtschaftlich. Zwei Maßnahmen ändern das Bild grundlegend: Eine Fassadendämmung senkt den Wärmebedarf auf ~12.000 kWh und der Austausch der Heizkörper ermöglicht 45 °C Vorlauf. Zusammen sinkt der Stromverbrauch auf ~3.800 kWh (1.026 €/a). Alternativ bietet sich ein Hybrid-System mit Gas-Spitzenlastkessel an.
Korrekte Dimensionierung – der größte Hebel
Eine falsch dimensionierte Wärmepumpe verbraucht systematisch zu viel Strom. Das gilt in beide Richtungen:
Unterdimensionierung führt dazu, dass die Wärmepumpe an kalten Tagen die benötigte Heizleistung nicht allein erbringen kann. In diesem Fall springt der elektrische Heizstab ein – mit einem COP von 1,0 statt 3–4. Selbst wenn der Heizstab nur an wenigen Tagen im Jahr läuft, erhöht das den Gesamtverbrauch um 8–15 %, weil genau diese kalten Tage den höchsten Wärmebedarf haben.
Überdimensionierung verursacht ein anderes Problem: Takten. Die Wärmepumpe schaltet häufig ein und aus, weil sie zu schnell die benötigte Wärme liefert. Jeder Start-Stopp-Zyklus ist ineffizient (Anlaufverluste, Abtauzyklen bei Luft-WP), und die häufigen Schaltvorgänge erhöhen den Verschleiß am Kompressor. Moderne Inverter-Wärmepumpen können ihre Leistung zwar herunterregeln, aber auch sie haben eine Mindestleistung, unter die sie nicht gehen können.
| Dimensionierung | Auswirkung | Mehr-Stromverbrauch |
|---|---|---|
| Korrekt (95–105 % der Heizlast) | Lange Laufzeiten, wenig Takten, optimale JAZ | Referenz |
| 20 % unterdimensioniert | Heizstab-Einsatz an 10–30 Tagen/Jahr | +8–15 % |
| 30 % überdimensioniert | Häufiges Takten (3–12 Starts/Stunde) | +10–15 % |
Faustregel: Die korrekte Wärmepumpenleistung ergibt sich aus der Heizlast des Gebäudes nach DIN EN 12831 plus einem Zuschlag für Warmwasser. Erfahrungswerte oder Faustformeln führen häufig zu Fehlauslegungen. Details zur Berechnung finden Sie im Artikel Wärmepumpen-Leistung berechnen.
Stromverbrauch nach Wärmepumpentyp
Bei gleichem Gebäude und gleichem Heizsystem unterscheiden sich die drei Wärmepumpentypen im Stromverbrauch – Ursache ist die unterschiedliche Quelltemperatur.
| WP-Typ | Wärmequelle | Quelltemperatur (Winter) | Typische JAZ | Stromverbrauch* | Stromkosten* |
|---|---|---|---|---|---|
| Luft-Wasser | Außenluft | –10 bis +7 °C | 3,0–3,5 | 4.285–5.000 kWh | 1.157–1.350 € |
| Sole-Wasser | Erdreich | 0 bis +5 °C | 3,8–4,5 | 3.333–3.947 kWh | 900–1.066 € |
| Wasser-Wasser | Grundwasser | +8 bis +12 °C | 4,5–5,5 | 2.727–3.333 kWh | 736–900 € |
Basis: 15.000 kWh Wärmebedarf, WP-Stromtarif 0,27 €/kWh
Die Luft-Wasser-Wärmepumpe hat den höchsten Stromverbrauch, weil die Außenluft im Winter – wenn der Wärmebedarf am größten ist – am kältesten ist. Der Kompressor muss einen größeren Temperaturhub überwinden. Hinzu kommen Abtauzyklen an frostigen Tagen, die zusätzlich Energie kosten. Erdwärme- und Grundwasser-Wärmepumpen profitieren von konstanteren Quelltemperaturen und erreichen deshalb ganzjährig eine höhere Effizienz.
Trotzdem entscheiden sich rund 85 % der Käufer für Luft-Wasser-Wärmepumpen – wegen der deutlich niedrigeren Investitionskosten (keine Bohrung, keine Genehmigung). Die Mehrkosten beim Strom von 200–400 €/Jahr relativieren sich gegenüber den 10.000–20.000 € höheren Anschaffungskosten für eine Erdwärme- oder Grundwasseranlage. Mehr zu den Kosten im Artikel Wärmepumpe Kosten 2026.
Stromverbrauch senken – die wichtigsten Hebel
Wer den Stromverbrauch seiner Wärmepumpe reduzieren will, sollte an den richtigen Stellschrauben drehen. Die folgende Übersicht zeigt die Maßnahmen mit dem größten Einfluss – geordnet nach Einsparpotenzial.
| Maßnahme | Einsparung | Strom gespart (bei 5.000 kWh Basis) | Kosten der Maßnahme |
|---|---|---|---|
| Vorlauftemperatur –5 K senken | 10–12 % | 500–600 kWh | 0 € (Einstellung) |
| Hydraulischer Abgleich (Verfahren B) | ~13 % | ~650 kWh | 400–800 € |
| Raumthermostate deaktivieren, Heizkurve nutzen | bis 17 % JAZ-Gewinn | bis 850 kWh | 0 € (Einstellung) |
| WW-Temperatur auf 48 °C (1× wöchentl. 60 °C) | 15–20 % des WW-Anteils | 150–250 kWh | 0 € (Einstellung) |
| Photovoltaik (30–50 % Eigenverbrauchsdeckung) | Kosten –40 bis –60 % | kWh unverändert, Kosten sinken | 8.000–14.000 € |
| Nachtabsenkung (nur bei schlechter Dämmung) | 3–8 % | 150–400 kWh | 0 € (Einstellung) |
Die kostenfreien Einstellungsmaßnahmen sollten immer zuerst umgesetzt werden. Allein durch Absenkung der Vorlauftemperatur und Deaktivierung der Raumthermostate lassen sich 200–400 € pro Jahr einsparen. Ausführliche Anleitungen zu allen Optimierungsmaßnahmen finden Sie im Artikel Optimierung & Einstellung.
Häufig gestellte Fragen
Wie viel Strom verbraucht eine Wärmepumpe im Einfamilienhaus?
Im Durchschnitt 3.000 bis 6.000 kWh pro Jahr. In einem gut gedämmten Neubau mit Fußbodenheizung sind es eher 2.000–3.000 kWh, in einem älteren Haus mit konventionellen Heizkörpern 5.000–8.000 kWh. Laut Heizspiegel 2024 liegt der Durchschnitt bei 35–39 kWh pro Quadratmeter Wohnfläche.
Was kostet der Strom für eine Wärmepumpe im Jahr?
Bei einem Wärmepumpenstromtarif von 0,27 €/kWh liegen die jährlichen Stromkosten zwischen 800 und 1.600 € für ein typisches Einfamilienhaus. Mit Photovoltaik-Eigenverbrauch sinken die Kosten auf 400–800 €. Zum Vergleich: Eine Gasheizung kostet bei aktuellem Gaspreis (0,12 €/kWh inkl. CO₂-Abgabe) etwa 1.800–2.400 €/a.
Ist der Stromverbrauch einer Wärmepumpe im Altbau zu hoch?
Nicht grundsätzlich. In sanierten Altbauten mit angepassten Heizkörpern und 45–50 °C Vorlauftemperatur erreichen Wärmepumpen eine JAZ von 3,0–3,5 und verbrauchen 4.000–5.500 kWh. Problematisch wird es erst bei unsanierten Gebäuden mit hohen Vorlauftemperaturen über 55 °C. Hier lohnt sich eine Teil-Sanierung oder ein Hybrid-System. Details dazu im Artikel Wärmepumpe im Altbau.
Funktioniert eine Wärmepumpe auch mit Heizkörpern effizient?
Ja, wenn die Vorlauftemperatur unter 50 °C bleibt. Moderne Plattenheizkörper (Typ 22 oder 33) in ausreichender Größe kommen oft mit 45 °C aus. Spezielle Niedertemperatur- oder Wärmepumpenheizkörper schaffen das sogar bei 35–40 °C. Kritisch sind nur alte Glieder- und Rippenheizkörper, die 60–70 °C benötigen – diese sollten vor der Wärmepumpen-Installation ausgetauscht werden.
Wie berechne ich den Stromverbrauch meiner Wärmepumpe?
Mit der Formel: Stromverbrauch = Wärmebedarf ÷ JAZ. Den Wärmebedarf können Sie aus dem bisherigen Gasverbrauch (in kWh, vom Energieversorger) oder dem Ölverbrauch (Liter × 10) ableiten. Die JAZ hängt vom Wärmepumpentyp und der Vorlauftemperatur ab. Unser Wärmepumpen-Rechner berechnet die JAZ nach VDI 4650 für Ihre individuelle Situation.
Lohnt sich eine Photovoltaikanlage für die Wärmepumpe?
Wirtschaftlich fast immer: PV-Eigenverbrauch kostet 8–12 Cent/kWh statt 27–36 Cent für Netzstrom. Realistisch lassen sich 30–50 % des Wärmepumpen-Stroms durch Eigenverbrauch decken, was die jährlichen Kosten um 300–600 € senkt. Die Kombination amortisiert sich schneller als jede der beiden Technologien allein.
Fazit – Wovon der Stromverbrauch wirklich abhängt
Auf den Punkt: Der Stromverbrauch einer Wärmepumpe wird von zwei Größen dominiert: dem Wärmebedarf des Gebäudes und der Effizienz, mit der die Wärmepumpe arbeitet. Die Gebäudehülle und die Art der Wärmeverteilung haben dabei mehr Einfluss als der Wärmepumpentyp selbst. Ein gut gedämmtes Haus mit Fußbodenheizung verbraucht mit einer Luft-Wasser-Wärmepumpe weniger Strom als ein unsanierter Altbau mit einer teureren Erdwärmepumpe. Die korrekte Dimensionierung nach DIN EN 12831 ist Pflicht – sowohl Über- als auch Unterdimensionierung kosten 10–15 % Effizienz. Wer mit Heizkörpern statt Fußbodenheizung plant, muss keine Abstriche beim Komfort machen, solange die Vorlauftemperatur unter 50 °C bleibt. Und der Warmwasseranteil wird mit steigendem Dämmstandard immer relevanter – im Passivhaus entfällt die Hälfte des Stromverbrauchs auf Warmwasser. Die Kombination mit Photovoltaik senkt nicht den Verbrauch, aber die Kosten um 40–60 %.
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Quellen
- co2online: Stromverbrauch von Wärmepumpen
- Vattenfall: Wärmepumpe Stromverbrauch
- Heizspiegel 2024: Verbrauchskennwerte Wärmepumpen
- Viessmann: Vorlauftemperatur und Effizienz
- BWP: Wärmepumpen-Branchenstatistik 2025
- ENERGIE-FACHBERATER: Niedertemperatur-Heizkörper
- Thermondo: Stromverbrauch Wärmepumpe berechnen
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