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Wärmepumpe im Altbau: Voraussetzungen, Lösungen & Kosten

Etwa 75 % der Wohngebäude in Deutschland wurden vor 1977 erbaut – also vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Diese Altbauten sind für hohe Heizkosten verantwortlich und stehen im Zentrum der Energiewende. Die Frage, die viele Eigentümer umtreibt: Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten oder teilsanierten Altbau überhaupt?

Die Antwort ist differenziert: Ja, eine Wärmepumpe kann im Altbau funktionieren – aber nicht immer ist sie die wirtschaftlichste Lösung. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen schaffen zwar 75 °C Vorlauftemperatur, doch das bedeutet nicht automatisch Effizienz. Dieser Artikel zeigt ehrlich und ohne Schönfärberei, wann eine Wärmepumpe im Altbau sinnvoll ist, welche Vorbereitungen notwendig sind und welche Alternativen existieren.

Wärmepumpe im Altbau: Herausforderungen und Lösungen


Was ist ein "Altbau" im Kontext Wärmepumpe?

Der Begriff "Altbau" ist technisch nicht präzise definiert. Im Zusammenhang mit Wärmepumpen unterscheiden wir nach energetischem Standard und Baujahr:

Epoche Baujahr Typische Merkmale Heizlast (W/m²) Energieverbrauch
Gründerzeit 1870–1918 Massive Ziegelwände (50+ cm), Holzfenster (einfach), Stuckdecken, Holzbalkendecken 100–150 200–300 kWh/m²a
Nachkriegszeit 1950–1977 Leichtbauweise, einfache Verglasung, Beton, dünne Außenwände 80–120 150–250 kWh/m²a
1. Wärmeschutz-VO 1977–1995 Erste Dämmstandards, Doppelverglasung, teilweise Dämmung 60–90 100–150 kWh/m²a
Nach EnEV 1995–2014 Moderne Dämmung, 2-/3-fach-Verglasung, oft bereits saniert 40–60 70–120 kWh/m²a

Faustregel: Je älter das Gebäude und je schlechter die Dämmung, desto höher die erforderliche Vorlauftemperatur – und desto niedriger die Effizienz der Wärmepumpe. Die Grenze zur Unwirtschaftlichkeit liegt meist bei Jahresarbeitszahlen (JAZ) unter 2,5.


Der entscheidende Test: 55-Grad-Check

Bevor Sie Angebote einholen oder einen Energieberater beauftragen, führen Sie diesen einfachen Test durch. Er zeigt in 24 Stunden, ob Ihr Altbau grundsätzlich für eine Wärmepumpe geeignet ist.

Schritt-für-Schritt-Anleitung

Vorbereitung:

  • Wählen Sie einen sehr kalten Tag (idealerweise -5 °C bis -10 °C Außentemperatur)
  • Zugriff auf Ihre Heizungssteuerung (Vorlauftemperatur-Begrenzung)

Durchführung:

Schritt Aktion Was passiert
1 Vorlauftemperatur auf 55 °C begrenzen In der Heizungssteuerung einstellen
2 Alle Thermostatventile voll aufdrehen Maximaler Durchfluss zu allen Heizkörpern
3 24 Stunden warten System stabilisieren lassen
4 Raumtemperaturen in allen Räumen messen Mit Thermometer oder Raumthermostat

Interpretation der Ergebnisse:

Messergebnis Bedeutung Maßnahme
Überall 20–21 °C oder wärmer Gebäude ist für Wärmepumpe geeignet Direkte Installation möglich, keine Sanierung zwingend nötig
⚠️ Einige Räume zu kalt (18–19 °C) Einzelne Heizkörper unterdimensioniert Einzelne Heizkörper durch Niedertemperatur-Modelle ersetzen
Überall deutlich zu kalt (< 18 °C) Hohe Vorlauftemperatur nötig Sanierung oder Hybrid-System empfohlen

Alternative ohne Kälte-Tag: Nutzen Sie unseren Heizlast-Rechner, um die benötigte Heizleistung zu ermitteln. Bei Vorlauftemperaturen über 55 °C wird es kritisch.


Vorlauftemperatur-Problematik im Detail

Die Vorlauftemperatur ist der entscheidende Faktor für die Effizienz einer Wärmepumpe. Die physikalische Grundlage: Der Carnot-Wirkungsgrad sinkt mit steigender Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heizungsvorlauf.

Effizienz bei verschiedenen Vorlauftemperaturen

Vorlauftemperatur Heizsystem COP (A2/W) JAZ (realistisch) Bewertung
30–35 °C Fußbodenheizung (Neubau) 5,0–5,5 4,5–5,0 ✅ Optimal
40–45 °C Fußbodenheizung (Altbau), NT-Heizkörper 4,0–4,5 3,5–4,0 ✅ Sehr gut
50–55 °C Standard-Heizkörper (gut dimensioniert) 3,2–3,8 2,8–3,3 ⚠️ Akzeptabel
60–65 °C Alte Rippenheizkörper 2,5–3,0 2,2–2,6 ⚠️ Grenzwertig
70–75 °C Hochtemperatur-WP (extreme Fälle) 2,0–2,5 1,8–2,2 ❌ Unwirtschaftlich

Die Konsequenz für die Betriebskosten:

Angenommen, ein Einfamilienhaus benötigt 15.000 kWh Wärme pro Jahr:

Vorlauftemperatur JAZ Stromverbrauch Kosten (0,30 EUR/kWh)
35 °C 4,5 3.333 kWh 1.000 EUR
45 °C 3,5 4.286 kWh 1.286 EUR
55 °C 2,8 5.357 kWh 1.607 EUR
65 °C 2,2 6.818 kWh 2.045 EUR

Jede 10 Kelvin höhere Vorlauftemperatur kostet etwa 300–400 EUR mehr pro Jahr.

Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen: Sinnvoll oder Marketing?

Seit 2023 werben Hersteller verstärkt mit Hochtemperatur-Wärmepumpen, die 75 °C Vorlauftemperatur erreichen. Das klingt nach der Lösung für jeden Altbau – doch Vorsicht:

Vorteile:

  • Keine Heizkörper-Änderung nötig
  • Funktioniert auch in unsanierten Altbauten
  • Denkmalschutz-kompatibel

Nachteile:

  • JAZ oft nur 2,0–2,5 (kaum besser als Gas-Brennwert)
  • Höherer Anschaffungspreis (30.000–40.000 EUR)
  • Betriebskosten nahe am Gas-Niveau

Kritische Bewertung: Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit JAZ 2,3 ist bei Strompreisen von 0,30 EUR/kWh und Gaspreisen von 0,10 EUR/kWh wirtschaftlich gleichwertig mit Gas (Break-even: COP 2,85). Der ökologische Vorteil bleibt, der wirtschaftliche ist minimal.


Gebäude-Diagnostik: Bestandsaufnahme

Bevor Sie entscheiden, brauchen Sie Klarheit über den Ist-Zustand. Diese Checkliste hilft:

Die Altbau-Checkliste

Grunddaten:

  • [ ] Baujahr des Gebäudes: _____
  • [ ] Wohnfläche: ____
  • [ ] Anzahl Bewohner: ____

Energieverbrauch:

  • [ ] Energieausweis vorhanden? (Typ: Verbrauch/Bedarf)
  • [ ] Aktueller Verbrauch: ____ kWh/m²a oder ____ Liter Öl/m³ Gas
  • [ ] Umgerechnet auf kWh/m²a: ____ (Öl: Liter × 10 / m²; Gas: m³ × 10 / m²)

Heizungsanlage:

  • [ ] Aktuelles Heizsystem: Gas / Öl / Elektro / Fernwärme
  • [ ] Baujahr Heizung: ____
  • [ ] Kesselleistung: ____ kW
  • [ ] Heizkörper-Typ: Rippen / Platte / Konvektor / Fußbodenheizung

Gebäudehülle:

  • [ ] Außenwände gedämmt: Ja / Nein (falls ja: ____ cm, Jahr: ____)
  • [ ] Dachgeschoss gedämmt: Ja / Nein (falls ja: ____ cm, Jahr: ____)
  • [ ] Kellerdecke gedämmt: Ja / Nein (falls ja: ____ cm, Jahr: ____)
  • [ ] Fenster: Einfach / Doppel / 2-fach / 3-fach (Baujahr: ____)

Platzverhältnisse:

  • [ ] Platz für Außengerät (mind. 1 m² mit 3 m Abstand zur Grenze): Ja / Nein
  • [ ] Platz für Innenaufstellung (falls nötig): Ja / Nein
  • [ ] Pufferspeicher-Stellplatz: Ja / Nein

Energieverbrauch-Bewertung

Ermitteln Sie Ihren spezifischen Verbrauch und vergleichen Sie mit den Grenzwerten:

Energieverbrauch Bewertung Wärmepumpen-Eignung Empfehlung
< 100 kWh/m²a ✅ Sehr gut Direkter WP-Einsatz problemlos Luft- oder Erdwärme-WP ohne Sanierung
100–150 kWh/m²a ⚠️ Mittel WP möglich, Teilsanierung empfohlen 55°C-Test durchführen; Dach/Keller dämmen
150–200 kWh/m²a ⚠️ Hoch WP nur mit Sanierung oder als Hybrid Hybrid-System oder Teilsanierung + WP
> 200 kWh/m²a ❌ Sehr hoch Vollsanierung zwingend oder Hybrid Erst sanieren, dann WP – oder dauerhaft Hybrid

Beispielrechnung: Verbrauch: 2.400 m³ Gas bei 150 m² Wohnfläche → (2.400 m³ × 10 kWh/m³) / 150 m² = 160 kWh/m²a → ⚠️ Hybrid oder Teilsanierung empfohlen


Sanierungsszenarien: Was bringt wie viel?

Die Frage ist nicht "Sanierung oder Wärmepumpe?", sondern "Wie viel Sanierung ist wirtschaftlich sinnvoll?" Diese Tabelle zeigt die Kosten-Nutzen-Relation typischer Maßnahmen.

Kosten-Nutzen-Analyse Einzelmaßnahmen (EFH 150 m²)

Maßnahme Kosten Heizlast-Reduktion JAZ-Verbesserung Amortisation (WP) Förderung BEG EM
Dachgeschoss-Dämmung (20 cm Zwischensparren) 8.000–15.000 EUR 20–30 % +0,5–0,8 8–12 Jahre 15 % (20 % mit iSFP)
Kellerdeckendämmung (10 cm Platten) 3.000–6.000 EUR 10–15 % +0,2–0,3 10–15 Jahre 15 % (20 % mit iSFP)
Fassadendämmung (16 cm WDVS) 20.000–40.000 EUR 25–40 % +0,6–1,0 15–25 Jahre 15 % (20 % mit iSFP)
Fenster (3-fach-Verglasung) 15.000–25.000 EUR 15–20 % +0,3–0,5 20–30 Jahre 15 % (20 % mit iSFP)
Alle Maßnahmen kombiniert 46.000–86.000 EUR 60–80 % +1,5–2,5 18–30 Jahre 15–20 %

Beste ROI-Strategie für Altbau mit Wärmepumpe:

  1. Phase 1: Dachgeschoss + Kellerdecke dämmen (11.000–21.000 EUR)

    • Schnellste Amortisation
    • Geringste Kosten
    • Größter Effekt auf JAZ (zusammen +0,7–1,1)
  2. Phase 2: Wärmepumpe installieren

    • Profitiert bereits von Phase 1
    • JAZ-Verbesserung von ~2,5 auf ~3,3
  3. Phase 3: Fassade nachrüsten (optional, langfristig)

    • Nur wenn wirtschaftlich sinnvoll
    • Oder: Ohnehin im Rahmen von Renovierung (Putz erneuern etc.)

Phasenmodell: Sanierung + Wärmepumpe kombinieren

Nicht alles muss sofort passieren. Dieses Modell verteilt Investitionen:

Jahr Maßnahme Investition Förderung Eigenanteil JAZ nach Maßnahme
Jahr 0 (Start) Bestandsaufnahme, 55°C-Test 0 EUR 0 EUR
Jahr 1 Dachgeschoss-Dämmung 12.000 EUR 2.400 EUR 9.600 EUR +0,6 (auf alte Heizung bezogen)
Jahr 1 Kellerdeckendämmung 4.500 EUR 900 EUR 3.600 EUR +0,3 (kumuliert +0,9)
Jahr 2 Wärmepumpe installieren (inkl. Heizkörper-Anpassung) 30.000 EUR 12.000 EUR (40 % mit Boni) 18.000 EUR 3,5 (vorher: Gas)
Jahr 5–10 Fassade (bei ohnehin fälliger Renovierung) 30.000 EUR 6.000 EUR 24.000 EUR 4,0

Gesamt: 76.500 EUR Investition, 21.300 EUR Förderung, 55.200 EUR Eigenanteil über 10 Jahre verteilt.


Wärmepumpen-Typen speziell für Altbau

Nicht jede Wärmepumpe eignet sich gleich gut für Altbauten. Die Unterschiede liegen in Effizienz, Anschaffungskosten und Vorlauftemperatur-Potenzial.

Luft-Wasser-Wärmepumpe: Der Standard

Funktionsweise: Entzieht der Außenluft Wärme (funktioniert bis -20 °C und darunter).

Kriterium Bewertung Details
Anschaffungskosten ✅ Günstig 25.000–35.000 EUR inkl. Installation
Effizienz bei Kälte ⚠️ Sinkt COP 2,5 bei -15 °C (statt 4,0 bei +7 °C)
Platzbedarf ✅ Gering Nur Außengerät (1 m²) + Inneneinheit
Genehmigung ✅ Keine nötig (außer Denkmalschutz)
Lärm ⚠️ Mittel 50–60 dB, Abstand Nachbar beachten (3 m)
Beste Wahl für Altbau mit Verbrauch < 150 kWh/m²a, 55°C-Test positiv

Altbau-Spezifikation: Achten Sie auf Modelle mit Entsuperheater (können Warmwasser effizienter bereiten) und bivalenten Betrieb.

Erdwärme-/Sole-Wasser-Wärmepumpe: Die Effiziente

Funktionsweise: Nutzt konstante Erdtemperatur (8–12 °C ganzjährig) via Erdkollektoren oder Tiefenbohrung.

Kriterium Bewertung Details
Anschaffungskosten ❌ Teuer 35.000–50.000 EUR (Kollektoren) / 40.000–60.000 EUR (Tiefenbohrung)
Effizienz ✅ Konstant hoch COP 4,5–5,0 auch bei -15 °C Außentemperatur
Platzbedarf ❌ Hoch Erdkollektor: 1,5× Wohnfläche / Bohrung: 100–150 m tief
Genehmigung ⚠️ Nötig Tiefenbohrung: Wasserrechtlich, geologisches Gutachten
Lärm ✅ Sehr leise Nur Inneneinheit (leise Pumpe)
Beste Wahl für Unsanierter Altbau mit Grundstück, hohe Heizlast, langfristig beste Effizienz

Altbau-Spezifikation: Bei unsanierten Altbauten oft die bessere Wahl, da konstante Effizienz auch bei hohem Wärmebedarf.

Hochtemperatur-Wärmepumpe: Die Notlösung

Funktionsweise: Modifizierte Luft-Wasser-WP mit verstärktem Verdichter (75 °C Vorlauf möglich).

Kriterium Bewertung Details
Anschaffungskosten ⚠️ Erhöht 30.000–40.000 EUR
Effizienz ❌ Niedrig JAZ 2,0–2,8 (deutlich schlechter als Standard-WP)
Vorlauftemperatur ✅ Sehr hoch Bis 75 °C (alte Heizkörper kompatibel)
Beste Wahl für Denkmalschutz, Platzmangel, keine Sanierung möglich, keine Heizkörper-Änderung möglich

Kritisch hinterfragen: Hochtemperatur-WP sind technisch möglich, aber oft nicht wirtschaftlich sinnvoll. Hybrid-Systeme (siehe nächstes Kapitel) sind meist die bessere Alternative.


Heizkörper im Altbau: Behalten oder tauschen?

Die Heizkörper sind der "Übersetzer" zwischen Wärmepumpe und Raum. Alte Heizkörper sind oft für 70–90 °C ausgelegt – Wärmepumpen arbeiten optimal bei 35–50 °C.

Heizkörper-Typen im Vergleich

Typ Baujahr Auslegungstemperatur Wärmepumpen-Kompatibilität Maßnahme
Alte Rippenheizkörper vor 1970 70–90 °C ❌ Nicht kompatibel Ersetzen
Plattenheizkörper (Standard) 1970–2000 60–70 °C ⚠️ Teilweise kompatibel 55°C-Test, ggf. einzelne ersetzen
Niedertemperatur-Heizkörper ab 2000 45–55 °C ✅ Kompatibel Behalten
Wärmepumpen-Heizkörper (NT+) ab 2010 35–50 °C ✅ Optimal Ideal, aber teure Neuanschaffung
Fußbodenheizung variabel 30–40 °C ✅ Perfekt Nachrüsten erwägen (teuer)

Nachrüst-Optionen und Kosten

Option 1: Niedertemperatur-Heizkörper installieren

Moderne NT-Heizkörper haben größere Flächen und optimierte Luftführung (Konvektion).

Heizkörper-Typ Leistung (bei 45 °C Vorlauf) Preis pro Stück Anwendung
Kompakt-Plattenheizkörper (NT) 600–1.200 W 500–1.200 EUR Standard-Räume
Gliederheizkörper (NT) 800–1.500 W 800–1.800 EUR Große Räume, Altbau-Optik
Design-Heizkörper (NT, vertikal) 1.000–2.000 W 1.200–2.500 EUR Flure, Bäder

Kosten für komplettes EFH (10 Heizkörper): 6.000–15.000 EUR inkl. Installation

Option 2: Heizkörper-Ventilatoren

Nachträglich montierbare Ventilatoren unter dem Heizkörper erhöhen die Konvektion.

  • Preis: 50–150 EUR pro Stück
  • Leistungssteigerung: +20–40 %
  • Stromverbrauch: 5–15 W pro Ventilator
  • Beste Wahl für: Einzelne zu kalte Räume, Budget-Lösung

Option 3: Fußbodenheizung nachrüsten

System Einbau Kosten Aufbauhöhe Anwendung
Nasssystem (Estrich) Aufwendig 50–100 EUR/m² +8–12 cm Ohnehin fällige Renovierung
Trockensystem (Fräsen) Mittel 80–150 EUR/m² +2–4 cm Bestand, bei tragfähigem Estrich
Dünnschichtsystem Einfach 60–100 EUR/m² +1–2 cm Auf bestehendem Boden (Fliesen/Laminat)

Förderung: 15 % (20 % mit iSFP) über BEG EM "Heizungsoptimierung"

Beispielrechnung EFH 120 m² Wohnfläche:

  • Dünnschichtsystem: 120 m² × 80 EUR/m² = 9.600 EUR
  • Förderung 20 %: -1.920 EUR
  • Eigenanteil: 7.680 EUR

Pragmatischer Ansatz: Nicht alle Heizkörper müssen perfekt sein. Tauschen Sie nur die, die beim 55°C-Test versagen. Räume wie Flur, Gästezimmer oder Abstellraum können auch 18 °C haben – das spart Kosten.


Hybrid-Systeme: Die Altbau-Lösung

Bei unsanierten Altbauten ist ein Hybrid-System (Wärmepumpe + Gas- oder Ölkessel) oft die wirtschaftlichste Lösung. Die Wärmepumpe deckt 70–85 % des Jahreswärmebedarfs ab, der alte Kessel springt nur bei Spitzenlast ein.

Funktionsprinzip: Bivalenz verstehen

Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe allein nicht mehr ausreicht.

Betriebsweise Funktionsprinzip Gesetzliche Anforderung Anwendung
Bivalent-parallel WP + Kessel laufen gleichzeitig ab Bivalenzpunkt WP muss ≥30 % Heizlast decken Standard bei Altbau
Bivalent-alternativ Entweder WP oder Kessel (umschalten) WP muss ≥40 % Heizlast decken Bei sehr effizienten WP
Bivalent-teilparallel WP allein → WP+Kessel parallel → nur Kessel WP muss ≥30 % Heizlast decken Selten, komplex

Beispiel bivalent-parallel:

  • Bivalenzpunkt: -5 °C
  • Außentemperatur > -5 °C: Nur Wärmepumpe
  • Außentemperatur < -5 °C: Wärmepumpe + Gas-Kessel gemeinsam

Typische Aufteilung:

  • 80 % der Jahreswärme durch Wärmepumpe (bei Temperaturen > -5 °C)
  • 20 % durch Gas-Kessel (bei Temperaturen < -5 °C, ca. 15 Tage/Jahr)

Intelligente Regelung: Preis vs. Temperatur

Moderne Hybrid-Steuerungen (z. B. Viessmann Hybrid Pro Control, Vaillant sensoAPP) optimieren automatisch:

Entscheidungskriterien:

  1. Temperatur-basiert: Unter -5 °C → Gas
  2. Preis-basiert: Wenn Strom/COP > Gaspreis → Gas
  3. Regelenergie: Bei negativen Strompreisen (PV-Überschuss) → WP bevorzugen

Wirtschaftlichkeits-Formel:

Grenz-COP = Strompreis / (Gaspreis / Kessel-Wirkungsgrad)

Beispiel:

  • Strompreis: 0,30 EUR/kWh
  • Gaspreis: 0,10 EUR/kWh
  • Kessel-Wirkungsgrad: 95 %

Grenz-COP = 0,30 / (0,10 / 0,95) = 2,85

→ Wärmepumpe ist wirtschaftlich, solange COP > 2,85 → Bei -10 °C und COP 2,5 ist Gas günstiger

Kosten-Vergleich: Hybrid vs. Nur-Wärmepumpe vs. Nur-Gas

Szenario: Unsanierter Altbau, 150 m², 180 kWh/m²a (27.000 kWh Wärmebedarf/Jahr)

Variante Investition Förderung Eigenanteil Jahreskosten Energie CO₂-Ausstoß 20-Jahre-TCO
Nur Gas-Brennwert (neu) 12.000 EUR 0 EUR 12.000 EUR 2.800 EUR 6,5 t 68.000 EUR
Nur Wärmepumpe (JAZ 2,5, unsaniert) 28.000 EUR 11.200 EUR (40 %) 16.800 EUR 3.240 EUR 3,2 t 81.600 EUR
Hybrid (WP primär, Gas sekundär) 22.000 EUR 12.100 EUR (55 %) 9.900 EUR 2.100 EUR 2,8 t 51.900 EUR

Ergebnis: Das Hybrid-System ist wirtschaftlich überlegen – trotz höherer Anfangsinvestition (nach Förderung niedriger Eigenanteil) und deutlich niedrigeren Betriebskosten.

Förderung Hybrid-Systeme 2026:

  • Basis: 30 %
  • Klimageschwindigkeitsbonus: +20 % (bei Antrag bis 2028, Austausch fossil)
  • Einkommensbonus: +30 % (bei < 40.000 EUR zu versteuerndem Einkommen)
  • Maximale Förderung: 70 % (aber max. 21.000 EUR absolut bei 30.000 EUR förderfähigen Kosten)

Wichtig: Wärmepumpe muss mindestens 30 % (bivalent-parallel) bzw. 40 % (bivalent-alternativ) der Heizlast decken.


Kosten-Gesamtübersicht Altbau

Die Kosten für eine Wärmepumpe im Altbau setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Hier die realistische Aufstellung:

Basis-Investitionen Wärmepumpe

Komponente Luft-Wasser Erdwärme (Kollektor) Erdwärme (Tiefenbohrung) Hybrid (WP+Gas)
Wärmepumpe 12.000–18.000 EUR 14.000–20.000 EUR 14.000–20.000 EUR 10.000–14.000 EUR (kleiner)
Wärmequelle Im Preis 8.000–12.000 EUR 12.000–20.000 EUR
Installation 3.000–5.000 EUR 4.000–6.000 EUR 4.000–6.000 EUR 3.000–4.000 EUR
Pufferspeicher 2.000–3.000 EUR 2.000–3.000 EUR 2.000–3.000 EUR 2.000–3.000 EUR
Warmwasserspeicher 1.500–2.500 EUR 1.500–2.500 EUR 1.500–2.500 EUR 1.500–2.500 EUR
Regelung (bei Hybrid) 1.500–2.500 EUR
Altkessel behalten 0 EUR (Bestand)
Gesamt Basis 25.000–35.000 EUR 35.000–50.000 EUR 40.000–60.000 EUR 22.000–30.000 EUR

Zusatzkosten Altbau-spezifisch

Komponente Kosten Notwendigkeit Förderung
Heizkörper-Tausch (6–10 Stück) 3.000–10.000 EUR Falls 55°C-Test negativ 15–20 % (BEG EM Heizungsoptimierung)
Hydraulischer Abgleich 800–1.500 EUR Pflicht bei WP-Förderung Enthalten in Heizungsoptimierung
Stromnetz-Anschluss (falls 3-phasig fehlt) 1.000–3.000 EUR Bei Altbau oft nötig Nein
Schallschutzmaßnahmen (Wand, Entkopplung) 500–2.000 EUR Bei dichter Bebauung Nein
Entsorgung Altkessel (bei Nicht-Hybrid) 500–1.000 EUR Bei Nicht-Hybrid Nein
Inbetriebnahme & Optimierung 500–1.000 EUR Empfohlen Nein

Optionale Sanierung (empfohlen)

Maßnahme Kosten JAZ-Verbesserung Förderung BEG EM
Dachgeschoss-Dämmung 8.000–15.000 EUR +0,5–0,8 15–20 %
Kellerdeckendämmung 3.000–6.000 EUR +0,2–0,3 15–20 %
Fassadendämmung 20.000–40.000 EUR +0,6–1,0 15–20 %
Fenster (3-fach) 15.000–25.000 EUR +0,3–0,5 15–20 %

Gesamtkosten-Szenarien (EFH 150 m²)

Szenario Maßnahmen Brutto-Investition Förderung Netto-Eigenanteil
Szenario 1: Gut sanierter Altbau Luft-WP + hydraulischer Abgleich 26.000 EUR 10.400 EUR (40 %) 15.600 EUR
Szenario 2: Teilsanierter Altbau Luft-WP + 6 Heizkörper + Dach/Keller-Dämmung 42.000 EUR 13.000 EUR (31 % avg) 29.000 EUR
Szenario 3: Unsanierter Altbau (Hybrid) Hybrid-System + 4 Heizkörper 28.000 EUR 15.400 EUR (55 %) 12.600 EUR
Szenario 4: Unsanierter Altbau (Vollsanierung) Erdwärme-WP + Vollsanierung (Dach/Keller/Fassade) 85.000 EUR 19.000 EUR (22 % avg) 66.000 EUR

Pragmatisches Vorgehen: Für unsanierte Altbauten ist Szenario 3 (Hybrid) oft der beste Kompromiss: Niedrigster Eigenanteil, niedrigste Betriebskosten, keine Sanierung sofort nötig, spätere Sanierung möglich.


Betriebskosten-Realität: JAZ im Altbau

Die Jahresarbeitszahl (JAZ) entscheidet über Wirtschaftlichkeit. Hier realistische Werte basierend auf Fraunhofer ISE Feldtests (2023):

JAZ-Erwartungen nach Gebäudezustand

Gebäudezustand Energieverbrauch Vorlauftemperatur JAZ Luft-Wasser JAZ Erdwärme Jahreskosten (150 m², 22.500 kWh)
Saniert (KfW 70-Standard) < 100 kWh/m²a 35–40 °C 4,0–4,5 4,5–5,0 1.500–1.700 EUR
Teilsaniert (Dach/Keller) 100–150 kWh/m²a 45–50 °C 3,0–3,5 3,8–4,2 1.900–2.250 EUR
Unsaniert (vor 1977) 150–200 kWh/m²a 55–60 °C 2,5–3,0 3,2–3,6 2.500–3.000 EUR
Stark unsaniert > 200 kWh/m²a 65–70 °C 2,0–2,5 2,8–3,2 3.000–3.750 EUR

Vergleich zu Gas-Brennwert (2026):

  • Gaspreis: 0,10 EUR/kWh (22.500 kWh / 0,95 Wirkungsgrad = 23.684 kWh Endenergie)
  • Jahreskosten Gas: 2.368 EUR

Fazit: Wärmepumpe im Altbau ist wirtschaftlich, wenn JAZ ≥ 2,8 erreicht wird (bei Strompreis 0,30 EUR/kWh und Gaspreis 0,10 EUR/kWh).

20-Jahres-Wirtschaftlichkeit (Total Cost of Ownership)

Annahmen:

  • EFH 150 m², 22.500 kWh Wärmebedarf
  • Strompreis: 0,30 EUR/kWh (real 2–3 % Steigerung/Jahr)
  • Gaspreis: 0,10 EUR/kWh (real 3–5 % Steigerung/Jahr)
  • CO₂-Preis steigt von 45 EUR/t (2024) auf 130 EUR/t (2030) laut BEHG
Variante Investition (netto) Betrieb 20 Jahre Wartung 20 Jahre CO₂-Preis 20 Jahre TCO 20 Jahre
Gas-Brennwert 12.000 EUR 55.000 EUR 8.000 EUR 18.000 EUR 93.000 EUR
WP Altbau unsaniert (JAZ 2,8) 16.800 EUR 60.000 EUR 4.000 EUR 9.000 EUR 89.800 EUR
WP Altbau teilsaniert (JAZ 3,5) 29.000 EUR 48.000 EUR 4.000 EUR 7.200 EUR 88.200 EUR
Hybrid (WP+Gas) 9.900 EUR 42.000 EUR 6.000 EUR 7.800 EUR 65.700 EUR

Ergebnis: Hybrid-Systeme sind über 20 Jahre 27.300 EUR günstiger als reiner Gas-Brennwert – und das bei deutlich niedrigerem CO₂-Ausstoß.


Lärm & Nachbarschaft: Neue Anforderungen ab 2026

Wärmepumpen erzeugen Betriebsgeräusche (50–65 dB). In dicht bebauten Altbau-Siedlungen ist das kritisch.

Rechtliche Anforderungen ab 2026

Seit Januar 2026 gelten verschärfte Fördervoraussetzungen:

Leistungsklasse Max. Schallleistungspegel (2026) Ecodesign-Grenze (alt) Verbesserung
6–12 kW 60 dB 70 dB -10 dB
12–20 kW 62 dB 72 dB -10 dB

TA Lärm Grenzwerte (Immission am Nachbarhaus):

Gebietstypologie Tags (6–22 Uhr) Nachts (22–6 Uhr)
Reines Wohngebiet 50 dB 40 dB
Allgemeines Wohngebiet 55 dB 40 dB
Mischgebiet 60 dB 45 dB

Kritischer Punkt: Die nächtliche Immission von 40 dB ist in Altbau-Nachbarschaften oft schwer einzuhalten. Eine WP mit 60 dB Schallleistung erzeugt in 3 m Entfernung etwa 45–50 dB Immission – zu laut!

Lösungsansätze

Maßnahme Wirkung Kosten Anwendung
Schallschutzwand (2 m hoch, 3 m breit) -5 bis -10 dB 500–1.500 EUR Standard bei Grenz-Aufstellung
Anti-Vibrations-Matten -3 bis -5 dB (Körperschall) 100–300 EUR Immer empfohlen
Nachtmodus (reduzierte Leistung) -5 bis -8 dB 0 EUR (Einstellung) Bei Hybrid-Systemen sinnvoll
Innenaufstellung Nur Innengeräusche +3.000–5.000 EUR Bei kritischen Nachbarschaften
Leise Modelle (≤56 dB) Erfüllung ohne Zusatzmaßnahmen +2.000–4.000 EUR (Aufpreis) Stadtlagen, Reihenhäuser

Empfohlene Hersteller für leise Modelle (Stand 2026):

  • Viessmann Vitocal 250-A (56 dB bei 7 kW)
  • Vaillant aroTHERM plus (54 dB bei 7 kW)
  • NIBE S-Series (53 dB bei 6 kW)
  • Daikin Altherma 3 H HT (55 dB bei 8 kW)

Förderung & Finanzierung Altbau 2026

Die BEG-Förderung ist für Altbauten besonders attraktiv – bis zu 70 % Zuschuss sind möglich.

BEG EM: Heizungsförderung (KfW 458)

Basis-Förderung:

  • Wärmepumpe: 30 %
  • Förderfähige Kosten: max. 30.000 EUR → max. 9.000 EUR Zuschuss

Bonus-Programme (kumulierbar):

Bonus Voraussetzung Höhe Max. Förderung
Klimageschwindigkeitsbonus Austausch fossil, Antrag bis 2028 +20 % 50 %
Einkommensbonus Zu verst. Einkommen < 40.000 EUR +30 % 70 %
Gesamt maximal 70 % (max. 21.000 EUR)

Beispielrechnung Hybrid-System:

  • Kosten: 25.000 EUR
  • Basis: 30 % = 7.500 EUR
  • Klimabonus: +20 % = +5.000 EUR
  • Einkommensbonus: +30 % = (nicht über 70 % möglich, daher 0 EUR zusätzlich)
  • Förderung: 17.500 EUR (70 % von 25.000 EUR)
  • Aber: Max. 21.000 EUR bei 30.000 EUR förderfähigen Kosten
  • Tatsächliche Förderung: 17.500 EUR

BEG EM: Einzelmaßnahmen (Sanierung)

Maßnahme Förderung Mit iSFP-Bonus Max. förderfähige Kosten
Dämmung Dach 15 % 20 % 60.000 EUR
Dämmung Fassade 15 % 20 % 60.000 EUR
Fenster 15 % 20 % 60.000 EUR
Heizungsoptimierung (Heizkörper, hydr. Abgleich) 15 % 20 % 30.000 EUR

iSFP = individueller Sanierungsfahrplan (durch Energieberater erstellt, Kosten: 600–1.200 EUR, davon 50 % gefördert)

KfW 261: Sanierungskredit

Alternative zur BEG EM: Zinsgünstiger Kredit mit Tilgungszuschuss.

Sanierungsziel Kreditrahmen Tilgungszuschuss Effektive Förderung
KfW-Effizienzhaus 85 150.000 EUR 5 % 7.500 EUR
KfW-Effizienzhaus 70 150.000 EUR 10 % 15.000 EUR
KfW-Effizienzhaus 55 150.000 EUR 15 % 22.500 EUR
KfW-Effizienzhaus 40 150.000 EUR 20 % 30.000 EUR

Beste Wahl für: Umfassende Sanierung (Hülle + Heizung), bei der BEG EM-Grenzen überschritten werden.

Steuerbonus (§ 35c EStG)

Alternative ohne Förderantrag: Abzug über Einkommensteuer.

  • 20 % der Kosten über 3 Jahre verteilt
  • Max. 40.000 EUR Kosten → max. 8.000 EUR Steuerersparnis
  • Nur für selbstgenutzte Immobilien
  • Keine Kombination mit BEG möglich

Beste Wahl für: Gutverdiener mit hoher Steuerlast, die keinen Förderantrag stellen wollen.

Antragspflichten und -prozess

Kritischer Zeitpunkt: Der Förderantrag muss VOR Vertragsabschluss gestellt werden! Ein nachträglicher Antrag ist nicht möglich.

Ablauf:

  1. Angebote einholen (unverbindlich)
  2. Förderantrag stellen (KfW-Portal, 2–4 Wochen Bearbeitungszeit)
  3. Förderzusage abwarten
  4. Vertrag unterschreiben
  5. Installation durchführen
  6. Rechnung einreichen
  7. Förderung wird ausgezahlt

Pflicht-Dokumente:

  • Heizlast-Berechnung nach DIN EN 12831 (durch Fachbetrieb)
  • Hydraulischer Abgleich (Bestätigung nach Durchführung)
  • Fachunternehmer-Bescheinigung
  • Optional: Energieberater-Bestätigung (+5 % Förderung mit iSFP)

Häufige Fehler im Altbau vermeiden

Diese Fehler kosten Geld, Nerven oder Effizienz:

Fehler Folge Kosten/Verlust Lösung
1. Zu kleine WP dimensioniert Elektrischer Heizstab läuft oft (COP 1,0) +30–50 % Stromkosten Heizlast korrekt berechnen, nicht "klein dimensionieren" für Förderung
2. Zu große WP dimensioniert Taktung, Verschleiß -1,0 JAZ, Lebensdauer -30 % Heizlast-Berechnung, nicht "auf Nummer sicher gehen"
3. Kein hydraulischer Abgleich Ungleiche Wärmeverteilung -15–20 % Effizienz Pflicht! DIY oder Fachbetrieb
4. Förderung nach Vertragsabschluss Keine Förderung -12.000–21.000 EUR Antrag VOR Unterschrift
5. Hochtemperatur-WP ohne Prüfung JAZ 2,0–2,5, unwirtschaftlich +800–1.200 EUR/Jahr Betrieb 55°C-Test, ggf. Hybrid wählen
6. Heizkurve nicht optimiert Zu hohe Vorlauftemperatur -0,5 bis -1,0 JAZ Siehe Optimierungs-Leitfaden
7. Keine Dämmung der Heizungsrohre Wärmeverlust im Keller -5–10 % Rohre dämmen (30 EUR/lfdm)
8. Lärm unterschätzt Nachbarschaftsstreit, Rückbau 10.000–30.000 EUR Schallschutz einplanen, leises Modell

Schritt-für-Schritt: So entscheiden Sie richtig

Phase 1: Analyse (Woche 1–2)

Checkliste:

  • [ ] Energieausweis besorgen (oder Verbrauch der letzten 3 Jahre ermitteln)
  • [ ] Spezifischen Verbrauch berechnen: kWh/m²a
  • [ ] 55°C-Test durchführen (an kaltem Tag)
  • [ ] Heizlast-Rechner nutzen: Link zum Tool
  • [ ] Angebote von 3 Installateuren einholen (inkl. Heizlast-Berechnung)

Phase 2: Entscheidungsmatrix (Woche 3–4)

WENN Verbrauch < 100 kWh/m²a UND 55°C-Test OK:
  → Direkt Wärmepumpe (Luft oder Erdwärme)
  → Förderung: 30–40 %
  → Eigenanteil: 15.000–21.000 EUR
  → JAZ erwartbar: 3,8–4,5

WENN Verbrauch 100–150 kWh/m²a UND 55°C-Test teilweise OK:
  → Option A: Dach + Keller dämmen (10.000 EUR), dann WP
  → Option B: Hybrid-System (WP primär, Gas sekundär)
  → Förderung: 30–55 % (Hybrid höher)
  → Eigenanteil: 12.000–29.000 EUR
  → JAZ erwartbar: 3,2–3,8 (nach Dämmung) / 3,0 (Hybrid)

WENN Verbrauch 150–200 kWh/m²a ODER 55°C-Test negativ:
  → Option A: Teilsanierung + WP (langfristig beste Lösung)
  → Option B: Hybrid-System (kurzfristig günstiger, flexibler)
  → Förderung: 25–55 %
  → Eigenanteil: 29.000–66.000 EUR (Option A) / 12.000 EUR (Option B)
  → JAZ erwartbar: 3,5–4,0 (Option A) / 3,0 (Option B)

WENN Verbrauch > 200 kWh/m²a UND 55°C-Test deutlich negativ:
  → Erst sanieren (Dach/Fassade/Keller), dann WP ODER
  → Hybrid-System dauerhaft
  → Förderung: 15–70 % (je nach Umfang)
  → Eigenanteil: 12.000 EUR (nur Hybrid) / 66.000+ EUR (Vollsanierung)
  → JAZ erwartbar: 2,5–3,0 (ohne Sanierung) / 3,8–4,2 (nach Sanierung)

Phase 3: Förderung optimieren (Woche 5–6)

Entscheidung: Energieberater ja/nein?

Situation Empfehlung Begründung
Verbrauch < 100 kWh/m²a, klare WP-Eignung Nein (optional) +5 % Förderung (1.500 EUR) vs. 300 EUR Eigenanteil = lohnt sich
Verbrauch 100–200 kWh/m²a, Sanierung erwogen Ja iSFP bringt +5 % + zeigt optimalen Sanierungsweg
Verbrauch > 200 kWh/m²a, Vollsanierung Ja, dringend Komplexität hoch, Förder-Optimierung essentiell

Kosten Energieberater:

  • Vor-Ort-Beratung + iSFP: 600–1.200 EUR
  • Förderung: 50 % (300–600 EUR Eigenanteil)
  • Zusatz-Förderung durch iSFP: +5 % auf Sanierung (oft 1.000–3.000 EUR)

Schritt-für-Schritt:

  1. [ ] Energieberater beauftragen (falls entschieden)
  2. [ ] iSFP erstellen lassen (4–6 Wochen)
  3. [ ] Finales Angebot von Installateur einholen
  4. [ ] Förderantrag stellen (KfW-Portal, 2–4 Wochen Bearbeitungszeit)
  5. [ ] Förderzusage abwarten (NICHT vorher unterschreiben!)

Phase 4: Umsetzung (Woche 10–20)

Woche Maßnahme Dauer Kosten
10–11 Vertrag unterschreiben (nach Förderzusage!) 0 EUR
12–14 Installation (ggf. vorher Sanierung) 2–4 Wochen Raten laut Vertrag
15–16 Inbetriebnahme + Einweisung 1 Tag 0 EUR
17–20 Optimierungsphase (Heizkurve anpassen) 4 Wochen 0 EUR (Eigenleistung)
20 Rechnung + Abnahmeprotokoll an KfW 0 EUR
22–24 Förderung wird ausgezahlt Eingang auf Konto

Fazit: Wann lohnt sich die Wärmepumpe im Altbau wirklich?

Kernaussagen:

  1. Der 55°C-Test ist der wichtigste Indikator – bestanden = WP problemlos möglich
  2. Hybrid-Systeme sind für unsanierte Altbauten oft die beste Lösung – niedriger Eigenanteil (9.900 EUR), niedrigste Betriebskosten, keine Sanierung sofort nötig
  3. Teilsanierung (Dach + Keller) bringt beste ROI – 11.000–21.000 EUR Investition, JAZ +0,7–1,1, Amortisation 8–12 Jahre
  4. Hochtemperatur-WP nur als Notlösung – JAZ 2,0–2,5 ist wirtschaftlich kaum besser als Gas
  5. Förderung VOR Vertragsabschluss beantragen – sonst 12.000–21.000 EUR verschenkt
  6. JAZ unter 2,5 ist unwirtschaftlich – dann Hybrid oder erst sanieren

Goldene Regel für Altbau-Eigentümer:

  • Verbrauch < 150 kWh/m²a: Wärmepumpe direkt (ggf. Dach/Keller dämmen)
  • Verbrauch 150–200 kWh/m²a: Hybrid-System oder Teilsanierung + WP
  • Verbrauch > 200 kWh/m²a: Erst sanieren ODER dauerhaft Hybrid

Eine Wärmepumpe im Altbau ist technisch fast immer möglich – die Frage ist nur, ob sie wirtschaftlich sinnvoll ist. Mit diesem Leitfaden haben Sie das Werkzeug, um diese Frage für Ihr Gebäude zu beantworten. Der 55°C-Test, die Heizlast-Berechnung und die Wirtschaftlichkeitsrechnung zeigen klar, welcher Weg der richtige ist.

Nächster Schritt: Nutzen Sie unseren Heizlast-Rechner, um die benötigte Heizleistung zu ermitteln – Grundlage jeder fundierten Entscheidung.


Häufig gestellte Fragen (FAQ)

1. Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau?

Ja, technisch funktioniert sie – die Frage ist, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei JAZ unter 2,5 (typisch bei stark unsanierten Altbauten) sind die Betriebskosten ähnlich hoch wie bei Gas. Hybrid-Systeme sind oft die bessere Lösung: WP deckt 80 % ab (wenn effizient), Gas springt bei Spitzenlast ein.

2. Brauche ich eine Fußbodenheizung für eine Wärmepumpe?

Nein. Moderne Niedertemperatur-Heizkörper funktionieren sehr gut mit Wärmepumpen (Vorlauf 45–50 °C). Fußbodenheizung ist ideal, aber nicht zwingend nötig. Der 55°C-Test zeigt, ob Ihre vorhandenen Heizkörper ausreichen.

3. Wie laut ist eine Wärmepumpe im Altbau?

Moderne Modelle erreichen 50–60 dB Schallleistung (ab 2026: max. 60 dB für Förderung). In 3 m Entfernung entspricht das etwa 45–50 dB Immission. Kritisch wird es bei dichter Bebauung und nachts (TA Lärm: max. 40 dB). Lösungen: Schallschutzwand (-5 bis -10 dB), Innenaufstellung (+3.000–5.000 EUR), leises Modell wählen.

4. Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?

Netto-Eigenanteil nach Förderung:

  • Gut sanierter Altbau: 15.600–21.000 EUR (Luft-WP)
  • Teilsanierter Altbau: 29.000 EUR (mit Dach/Keller-Dämmung)
  • Unsanierter Altbau (Hybrid): 9.900–12.600 EUR (beste Option)

5. Wie hoch ist die Förderung 2026?

BEG-Förderung:

  • Basis: 30 %
  • Klimageschwindigkeitsbonus (Austausch fossil, bis 2028): +20 %
  • Einkommensbonus (< 40.000 EUR Einkommen): +30 %
  • Maximum: 70 %, aber max. 21.000 EUR absolut

6. Kann ich meinen Gas-Kessel behalten (Hybrid)?

Ja! Hybrid-Systeme (WP + Gas) sind für Altbauten oft ideal:

  • WP deckt 70–85 % der Jahreswärme
  • Gas nur bei Spitzenlast (< -5 °C, ca. 15 Tage/Jahr)
  • Förderung: bis zu 55 %
  • Gesetzliche Anforderung: WP muss ≥30 % (bivalent-parallel) bzw. ≥40 % (bivalent-alternativ) der Heizlast decken

7. Wie lange dauert die Amortisation im Altbau?

Abhängig vom Szenario:

  • Hybrid-System: 8–12 Jahre (vs. Gas-Brennwert neu)
  • WP mit Teilsanierung: 12–18 Jahre (vs. Gas-Brennwert neu)
  • WP ohne Sanierung (JAZ 2,5): 15–25 Jahre oder länger (kritisch)

8. Was ist der Bivalenzpunkt?

Die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe allein nicht mehr ausreicht und der zweite Wärmeerzeuger (Gas/Öl) einspringt. Typisch: -2 °C bis -8 °C. Bei Hybrid-Systemen wird dieser Punkt intelligent gesteuert (Preis vs. Temperatur).

9. Brauche ich einen Energieberater?

Nicht verpflichtend, aber empfohlen bei:

  • Verbrauch > 150 kWh/m²a
  • Sanierung geplant
  • Komplexer Fall (Denkmalschutz, Mehrfamilienhaus)

Vorteil: +5 % Förderung durch iSFP (individueller Sanierungsfahrplan), Kosten: 300–600 EUR Eigenanteil (nach 50 % Förderung).

10. Funktioniert eine Wärmepumpe auch bei -20 °C?

Ja. Moderne Wärmepumpen funktionieren bis -25 °C Außentemperatur. Der COP sinkt aber (bei -15 °C: COP 2,5 statt 4,0 bei +7 °C). In Deutschland sind Temperaturen unter -10 °C selten (< 10 Tage/Jahr), daher kaum relevant für Jahreseffizienz. Bei extremer Kälte kann ein elektrischer Heizstab oder Hybrid-Kessel unterstützen.


Die komplette Artikelserie „Wärmepumpen"

  1. Wärmepumpe: Der komplette Ratgeber 2026 – Überblick
  2. Der Anti-Kühlschrank: Wie funktioniert eine Wärmepumpe? – Physikalische Grundlagen
  3. Die Komponenten: Wärmetauscher, Kompressor und Expansionsventil – Bauteile im Detail
  4. Kennzahlen und Dimensionierung von Wärmepumpen – COP, JAZ, SCOP
  5. Betriebsweisen: Monovalent, Bivalent und Hybrid – Betriebsarten erklärt
  6. Wärmepumpen-Typen und das Dreamteam mit Solaranlagen – Typen & Kombination mit PV
  7. SCOP erklärt: Die saisonale Leistungszahl – Effizienz richtig bewerten
  8. Wärmepumpe richtig einstellen: Der Praxisleitfaden – Heizkurve, hydraulischer Abgleich, JAZ verbessern
  9. Wärmepumpen-Leistung berechnen: So geht's richtig – Dimensionierung nach VDI 4645
  10. Wärmepumpe Kosten 2026: Anschaffung, Betrieb, Förderung – Vollständiger Kosten-Überblick
  11. Stromverbrauch pro Jahr: Verbrauch berechnen, verstehen und senken – Verbrauch nach Gebäudetyp und Heizsystem
  12. Wärmepumpe im Altbau: Voraussetzungen, Lösungen & Kosten – Sie sind hier

Quellen


Heizlast berechnen & Wärmepumpe dimensionieren

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