Wärmepumpe im Altbau: Voraussetzungen, Lösungen & Kosten
Etwa 75 % der Wohngebäude in Deutschland wurden vor 1977 erbaut – also vor der ersten Wärmeschutzverordnung. Diese Altbauten sind für hohe Heizkosten verantwortlich und stehen im Zentrum der Energiewende. Die Frage, die viele Eigentümer umtreibt: Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten oder teilsanierten Altbau überhaupt?
Die Antwort ist differenziert: Ja, eine Wärmepumpe kann im Altbau funktionieren – aber nicht immer ist sie die wirtschaftlichste Lösung. Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen schaffen zwar 75 °C Vorlauftemperatur, doch das bedeutet nicht automatisch Effizienz. Dieser Artikel zeigt ehrlich und ohne Schönfärberei, wann eine Wärmepumpe im Altbau sinnvoll ist, welche Vorbereitungen notwendig sind und welche Alternativen existieren.

Was ist ein "Altbau" im Kontext Wärmepumpe?
Der Begriff "Altbau" ist technisch nicht präzise definiert. Im Zusammenhang mit Wärmepumpen unterscheiden wir nach energetischem Standard und Baujahr:
| Epoche | Baujahr | Typische Merkmale | Heizlast (W/m²) | Energieverbrauch |
|---|---|---|---|---|
| Gründerzeit | 1870–1918 | Massive Ziegelwände (50+ cm), Holzfenster (einfach), Stuckdecken, Holzbalkendecken | 100–150 | 200–300 kWh/m²a |
| Nachkriegszeit | 1950–1977 | Leichtbauweise, einfache Verglasung, Beton, dünne Außenwände | 80–120 | 150–250 kWh/m²a |
| 1. Wärmeschutz-VO | 1977–1995 | Erste Dämmstandards, Doppelverglasung, teilweise Dämmung | 60–90 | 100–150 kWh/m²a |
| Nach EnEV | 1995–2014 | Moderne Dämmung, 2-/3-fach-Verglasung, oft bereits saniert | 40–60 | 70–120 kWh/m²a |
Faustregel: Je älter das Gebäude und je schlechter die Dämmung, desto höher die erforderliche Vorlauftemperatur – und desto niedriger die Effizienz der Wärmepumpe. Die Grenze zur Unwirtschaftlichkeit liegt meist bei Jahresarbeitszahlen (JAZ) unter 2,5.
Der entscheidende Test: 55-Grad-Check
Bevor Sie Angebote einholen oder einen Energieberater beauftragen, führen Sie diesen einfachen Test durch. Er zeigt in 24 Stunden, ob Ihr Altbau grundsätzlich für eine Wärmepumpe geeignet ist.
Schritt-für-Schritt-Anleitung
Vorbereitung:
- Wählen Sie einen sehr kalten Tag (idealerweise -5 °C bis -10 °C Außentemperatur)
- Zugriff auf Ihre Heizungssteuerung (Vorlauftemperatur-Begrenzung)
Durchführung:
| Schritt | Aktion | Was passiert |
|---|---|---|
| 1 | Vorlauftemperatur auf 55 °C begrenzen | In der Heizungssteuerung einstellen |
| 2 | Alle Thermostatventile voll aufdrehen | Maximaler Durchfluss zu allen Heizkörpern |
| 3 | 24 Stunden warten | System stabilisieren lassen |
| 4 | Raumtemperaturen in allen Räumen messen | Mit Thermometer oder Raumthermostat |
Interpretation der Ergebnisse:
| Messergebnis | Bedeutung | Maßnahme |
|---|---|---|
| ✅ Überall 20–21 °C oder wärmer | Gebäude ist für Wärmepumpe geeignet | Direkte Installation möglich, keine Sanierung zwingend nötig |
| ⚠️ Einige Räume zu kalt (18–19 °C) | Einzelne Heizkörper unterdimensioniert | Einzelne Heizkörper durch Niedertemperatur-Modelle ersetzen |
| ❌ Überall deutlich zu kalt (< 18 °C) | Hohe Vorlauftemperatur nötig | Sanierung oder Hybrid-System empfohlen |
Alternative ohne Kälte-Tag: Nutzen Sie unseren Heizlast-Rechner, um die benötigte Heizleistung zu ermitteln. Bei Vorlauftemperaturen über 55 °C wird es kritisch.
Vorlauftemperatur-Problematik im Detail
Die Vorlauftemperatur ist der entscheidende Faktor für die Effizienz einer Wärmepumpe. Die physikalische Grundlage: Der Carnot-Wirkungsgrad sinkt mit steigender Temperaturdifferenz zwischen Wärmequelle und Heizungsvorlauf.
Effizienz bei verschiedenen Vorlauftemperaturen
| Vorlauftemperatur | Heizsystem | COP (A2/W) | JAZ (realistisch) | Bewertung |
|---|---|---|---|---|
| 30–35 °C | Fußbodenheizung (Neubau) | 5,0–5,5 | 4,5–5,0 | ✅ Optimal |
| 40–45 °C | Fußbodenheizung (Altbau), NT-Heizkörper | 4,0–4,5 | 3,5–4,0 | ✅ Sehr gut |
| 50–55 °C | Standard-Heizkörper (gut dimensioniert) | 3,2–3,8 | 2,8–3,3 | ⚠️ Akzeptabel |
| 60–65 °C | Alte Rippenheizkörper | 2,5–3,0 | 2,2–2,6 | ⚠️ Grenzwertig |
| 70–75 °C | Hochtemperatur-WP (extreme Fälle) | 2,0–2,5 | 1,8–2,2 | ❌ Unwirtschaftlich |
Die Konsequenz für die Betriebskosten:
Angenommen, ein Einfamilienhaus benötigt 15.000 kWh Wärme pro Jahr:
| Vorlauftemperatur | JAZ | Stromverbrauch | Kosten (0,30 EUR/kWh) |
|---|---|---|---|
| 35 °C | 4,5 | 3.333 kWh | 1.000 EUR |
| 45 °C | 3,5 | 4.286 kWh | 1.286 EUR |
| 55 °C | 2,8 | 5.357 kWh | 1.607 EUR |
| 65 °C | 2,2 | 6.818 kWh | 2.045 EUR |
Jede 10 Kelvin höhere Vorlauftemperatur kostet etwa 300–400 EUR mehr pro Jahr.
Moderne Hochtemperatur-Wärmepumpen: Sinnvoll oder Marketing?
Seit 2023 werben Hersteller verstärkt mit Hochtemperatur-Wärmepumpen, die 75 °C Vorlauftemperatur erreichen. Das klingt nach der Lösung für jeden Altbau – doch Vorsicht:
Vorteile:
- Keine Heizkörper-Änderung nötig
- Funktioniert auch in unsanierten Altbauten
- Denkmalschutz-kompatibel
Nachteile:
- JAZ oft nur 2,0–2,5 (kaum besser als Gas-Brennwert)
- Höherer Anschaffungspreis (30.000–40.000 EUR)
- Betriebskosten nahe am Gas-Niveau
Kritische Bewertung: Eine Hochtemperatur-Wärmepumpe mit JAZ 2,3 ist bei Strompreisen von 0,30 EUR/kWh und Gaspreisen von 0,10 EUR/kWh wirtschaftlich gleichwertig mit Gas (Break-even: COP 2,85). Der ökologische Vorteil bleibt, der wirtschaftliche ist minimal.
Gebäude-Diagnostik: Bestandsaufnahme
Bevor Sie entscheiden, brauchen Sie Klarheit über den Ist-Zustand. Diese Checkliste hilft:
Die Altbau-Checkliste
Grunddaten:
- [ ] Baujahr des Gebäudes: _____
- [ ] Wohnfläche: ____ m²
- [ ] Anzahl Bewohner: ____
Energieverbrauch:
- [ ] Energieausweis vorhanden? (Typ: Verbrauch/Bedarf)
- [ ] Aktueller Verbrauch: ____ kWh/m²a oder ____ Liter Öl/m³ Gas
- [ ] Umgerechnet auf kWh/m²a: ____ (Öl: Liter × 10 / m²; Gas: m³ × 10 / m²)
Heizungsanlage:
- [ ] Aktuelles Heizsystem: Gas / Öl / Elektro / Fernwärme
- [ ] Baujahr Heizung: ____
- [ ] Kesselleistung: ____ kW
- [ ] Heizkörper-Typ: Rippen / Platte / Konvektor / Fußbodenheizung
Gebäudehülle:
- [ ] Außenwände gedämmt: Ja / Nein (falls ja: ____ cm, Jahr: ____)
- [ ] Dachgeschoss gedämmt: Ja / Nein (falls ja: ____ cm, Jahr: ____)
- [ ] Kellerdecke gedämmt: Ja / Nein (falls ja: ____ cm, Jahr: ____)
- [ ] Fenster: Einfach / Doppel / 2-fach / 3-fach (Baujahr: ____)
Platzverhältnisse:
- [ ] Platz für Außengerät (mind. 1 m² mit 3 m Abstand zur Grenze): Ja / Nein
- [ ] Platz für Innenaufstellung (falls nötig): Ja / Nein
- [ ] Pufferspeicher-Stellplatz: Ja / Nein
Energieverbrauch-Bewertung
Ermitteln Sie Ihren spezifischen Verbrauch und vergleichen Sie mit den Grenzwerten:
| Energieverbrauch | Bewertung | Wärmepumpen-Eignung | Empfehlung |
|---|---|---|---|
| < 100 kWh/m²a | ✅ Sehr gut | Direkter WP-Einsatz problemlos | Luft- oder Erdwärme-WP ohne Sanierung |
| 100–150 kWh/m²a | ⚠️ Mittel | WP möglich, Teilsanierung empfohlen | 55°C-Test durchführen; Dach/Keller dämmen |
| 150–200 kWh/m²a | ⚠️ Hoch | WP nur mit Sanierung oder als Hybrid | Hybrid-System oder Teilsanierung + WP |
| > 200 kWh/m²a | ❌ Sehr hoch | Vollsanierung zwingend oder Hybrid | Erst sanieren, dann WP – oder dauerhaft Hybrid |
Beispielrechnung: Verbrauch: 2.400 m³ Gas bei 150 m² Wohnfläche → (2.400 m³ × 10 kWh/m³) / 150 m² = 160 kWh/m²a → ⚠️ Hybrid oder Teilsanierung empfohlen
Sanierungsszenarien: Was bringt wie viel?
Die Frage ist nicht "Sanierung oder Wärmepumpe?", sondern "Wie viel Sanierung ist wirtschaftlich sinnvoll?" Diese Tabelle zeigt die Kosten-Nutzen-Relation typischer Maßnahmen.
Kosten-Nutzen-Analyse Einzelmaßnahmen (EFH 150 m²)
| Maßnahme | Kosten | Heizlast-Reduktion | JAZ-Verbesserung | Amortisation (WP) | Förderung BEG EM |
|---|---|---|---|---|---|
| Dachgeschoss-Dämmung (20 cm Zwischensparren) | 8.000–15.000 EUR | 20–30 % | +0,5–0,8 | 8–12 Jahre | 15 % (20 % mit iSFP) |
| Kellerdeckendämmung (10 cm Platten) | 3.000–6.000 EUR | 10–15 % | +0,2–0,3 | 10–15 Jahre | 15 % (20 % mit iSFP) |
| Fassadendämmung (16 cm WDVS) | 20.000–40.000 EUR | 25–40 % | +0,6–1,0 | 15–25 Jahre | 15 % (20 % mit iSFP) |
| Fenster (3-fach-Verglasung) | 15.000–25.000 EUR | 15–20 % | +0,3–0,5 | 20–30 Jahre | 15 % (20 % mit iSFP) |
| Alle Maßnahmen kombiniert | 46.000–86.000 EUR | 60–80 % | +1,5–2,5 | 18–30 Jahre | 15–20 % |
Beste ROI-Strategie für Altbau mit Wärmepumpe:
-
Phase 1: Dachgeschoss + Kellerdecke dämmen (11.000–21.000 EUR)
- Schnellste Amortisation
- Geringste Kosten
- Größter Effekt auf JAZ (zusammen +0,7–1,1)
-
Phase 2: Wärmepumpe installieren
- Profitiert bereits von Phase 1
- JAZ-Verbesserung von ~2,5 auf ~3,3
-
Phase 3: Fassade nachrüsten (optional, langfristig)
- Nur wenn wirtschaftlich sinnvoll
- Oder: Ohnehin im Rahmen von Renovierung (Putz erneuern etc.)
Phasenmodell: Sanierung + Wärmepumpe kombinieren
Nicht alles muss sofort passieren. Dieses Modell verteilt Investitionen:
| Jahr | Maßnahme | Investition | Förderung | Eigenanteil | JAZ nach Maßnahme |
|---|---|---|---|---|---|
| Jahr 0 (Start) | Bestandsaufnahme, 55°C-Test | 0 EUR | – | 0 EUR | – |
| Jahr 1 | Dachgeschoss-Dämmung | 12.000 EUR | 2.400 EUR | 9.600 EUR | +0,6 (auf alte Heizung bezogen) |
| Jahr 1 | Kellerdeckendämmung | 4.500 EUR | 900 EUR | 3.600 EUR | +0,3 (kumuliert +0,9) |
| Jahr 2 | Wärmepumpe installieren (inkl. Heizkörper-Anpassung) | 30.000 EUR | 12.000 EUR (40 % mit Boni) | 18.000 EUR | 3,5 (vorher: Gas) |
| Jahr 5–10 | Fassade (bei ohnehin fälliger Renovierung) | 30.000 EUR | 6.000 EUR | 24.000 EUR | 4,0 |
Gesamt: 76.500 EUR Investition, 21.300 EUR Förderung, 55.200 EUR Eigenanteil über 10 Jahre verteilt.
Wärmepumpen-Typen speziell für Altbau
Nicht jede Wärmepumpe eignet sich gleich gut für Altbauten. Die Unterschiede liegen in Effizienz, Anschaffungskosten und Vorlauftemperatur-Potenzial.
Luft-Wasser-Wärmepumpe: Der Standard
Funktionsweise: Entzieht der Außenluft Wärme (funktioniert bis -20 °C und darunter).
| Kriterium | Bewertung | Details |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten | ✅ Günstig | 25.000–35.000 EUR inkl. Installation |
| Effizienz bei Kälte | ⚠️ Sinkt | COP 2,5 bei -15 °C (statt 4,0 bei +7 °C) |
| Platzbedarf | ✅ Gering | Nur Außengerät (1 m²) + Inneneinheit |
| Genehmigung | ✅ Keine nötig | (außer Denkmalschutz) |
| Lärm | ⚠️ Mittel | 50–60 dB, Abstand Nachbar beachten (3 m) |
| Beste Wahl für | Altbau mit Verbrauch < 150 kWh/m²a, 55°C-Test positiv | – |
Altbau-Spezifikation: Achten Sie auf Modelle mit Entsuperheater (können Warmwasser effizienter bereiten) und bivalenten Betrieb.
Erdwärme-/Sole-Wasser-Wärmepumpe: Die Effiziente
Funktionsweise: Nutzt konstante Erdtemperatur (8–12 °C ganzjährig) via Erdkollektoren oder Tiefenbohrung.
| Kriterium | Bewertung | Details |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten | ❌ Teuer | 35.000–50.000 EUR (Kollektoren) / 40.000–60.000 EUR (Tiefenbohrung) |
| Effizienz | ✅ Konstant hoch | COP 4,5–5,0 auch bei -15 °C Außentemperatur |
| Platzbedarf | ❌ Hoch | Erdkollektor: 1,5× Wohnfläche / Bohrung: 100–150 m tief |
| Genehmigung | ⚠️ Nötig | Tiefenbohrung: Wasserrechtlich, geologisches Gutachten |
| Lärm | ✅ Sehr leise | Nur Inneneinheit (leise Pumpe) |
| Beste Wahl für | Unsanierter Altbau mit Grundstück, hohe Heizlast, langfristig beste Effizienz | – |
Altbau-Spezifikation: Bei unsanierten Altbauten oft die bessere Wahl, da konstante Effizienz auch bei hohem Wärmebedarf.
Hochtemperatur-Wärmepumpe: Die Notlösung
Funktionsweise: Modifizierte Luft-Wasser-WP mit verstärktem Verdichter (75 °C Vorlauf möglich).
| Kriterium | Bewertung | Details |
|---|---|---|
| Anschaffungskosten | ⚠️ Erhöht | 30.000–40.000 EUR |
| Effizienz | ❌ Niedrig | JAZ 2,0–2,8 (deutlich schlechter als Standard-WP) |
| Vorlauftemperatur | ✅ Sehr hoch | Bis 75 °C (alte Heizkörper kompatibel) |
| Beste Wahl für | Denkmalschutz, Platzmangel, keine Sanierung möglich, keine Heizkörper-Änderung möglich | – |
Kritisch hinterfragen: Hochtemperatur-WP sind technisch möglich, aber oft nicht wirtschaftlich sinnvoll. Hybrid-Systeme (siehe nächstes Kapitel) sind meist die bessere Alternative.
Heizkörper im Altbau: Behalten oder tauschen?
Die Heizkörper sind der "Übersetzer" zwischen Wärmepumpe und Raum. Alte Heizkörper sind oft für 70–90 °C ausgelegt – Wärmepumpen arbeiten optimal bei 35–50 °C.
Heizkörper-Typen im Vergleich
| Typ | Baujahr | Auslegungstemperatur | Wärmepumpen-Kompatibilität | Maßnahme |
|---|---|---|---|---|
| Alte Rippenheizkörper | vor 1970 | 70–90 °C | ❌ Nicht kompatibel | Ersetzen |
| Plattenheizkörper (Standard) | 1970–2000 | 60–70 °C | ⚠️ Teilweise kompatibel | 55°C-Test, ggf. einzelne ersetzen |
| Niedertemperatur-Heizkörper | ab 2000 | 45–55 °C | ✅ Kompatibel | Behalten |
| Wärmepumpen-Heizkörper (NT+) | ab 2010 | 35–50 °C | ✅ Optimal | Ideal, aber teure Neuanschaffung |
| Fußbodenheizung | variabel | 30–40 °C | ✅ Perfekt | Nachrüsten erwägen (teuer) |
Nachrüst-Optionen und Kosten
Option 1: Niedertemperatur-Heizkörper installieren
Moderne NT-Heizkörper haben größere Flächen und optimierte Luftführung (Konvektion).
| Heizkörper-Typ | Leistung (bei 45 °C Vorlauf) | Preis pro Stück | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Kompakt-Plattenheizkörper (NT) | 600–1.200 W | 500–1.200 EUR | Standard-Räume |
| Gliederheizkörper (NT) | 800–1.500 W | 800–1.800 EUR | Große Räume, Altbau-Optik |
| Design-Heizkörper (NT, vertikal) | 1.000–2.000 W | 1.200–2.500 EUR | Flure, Bäder |
Kosten für komplettes EFH (10 Heizkörper): 6.000–15.000 EUR inkl. Installation
Option 2: Heizkörper-Ventilatoren
Nachträglich montierbare Ventilatoren unter dem Heizkörper erhöhen die Konvektion.
- Preis: 50–150 EUR pro Stück
- Leistungssteigerung: +20–40 %
- Stromverbrauch: 5–15 W pro Ventilator
- Beste Wahl für: Einzelne zu kalte Räume, Budget-Lösung
Option 3: Fußbodenheizung nachrüsten
| System | Einbau | Kosten | Aufbauhöhe | Anwendung |
|---|---|---|---|---|
| Nasssystem (Estrich) | Aufwendig | 50–100 EUR/m² | +8–12 cm | Ohnehin fällige Renovierung |
| Trockensystem (Fräsen) | Mittel | 80–150 EUR/m² | +2–4 cm | Bestand, bei tragfähigem Estrich |
| Dünnschichtsystem | Einfach | 60–100 EUR/m² | +1–2 cm | Auf bestehendem Boden (Fliesen/Laminat) |
Förderung: 15 % (20 % mit iSFP) über BEG EM "Heizungsoptimierung"
Beispielrechnung EFH 120 m² Wohnfläche:
- Dünnschichtsystem: 120 m² × 80 EUR/m² = 9.600 EUR
- Förderung 20 %: -1.920 EUR
- Eigenanteil: 7.680 EUR
Pragmatischer Ansatz: Nicht alle Heizkörper müssen perfekt sein. Tauschen Sie nur die, die beim 55°C-Test versagen. Räume wie Flur, Gästezimmer oder Abstellraum können auch 18 °C haben – das spart Kosten.
Hybrid-Systeme: Die Altbau-Lösung
Bei unsanierten Altbauten ist ein Hybrid-System (Wärmepumpe + Gas- oder Ölkessel) oft die wirtschaftlichste Lösung. Die Wärmepumpe deckt 70–85 % des Jahreswärmebedarfs ab, der alte Kessel springt nur bei Spitzenlast ein.
Funktionsprinzip: Bivalenz verstehen
Der Bivalenzpunkt ist die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe allein nicht mehr ausreicht.
| Betriebsweise | Funktionsprinzip | Gesetzliche Anforderung | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Bivalent-parallel | WP + Kessel laufen gleichzeitig ab Bivalenzpunkt | WP muss ≥30 % Heizlast decken | Standard bei Altbau |
| Bivalent-alternativ | Entweder WP oder Kessel (umschalten) | WP muss ≥40 % Heizlast decken | Bei sehr effizienten WP |
| Bivalent-teilparallel | WP allein → WP+Kessel parallel → nur Kessel | WP muss ≥30 % Heizlast decken | Selten, komplex |
Beispiel bivalent-parallel:
- Bivalenzpunkt: -5 °C
- Außentemperatur > -5 °C: Nur Wärmepumpe
- Außentemperatur < -5 °C: Wärmepumpe + Gas-Kessel gemeinsam
Typische Aufteilung:
- 80 % der Jahreswärme durch Wärmepumpe (bei Temperaturen > -5 °C)
- 20 % durch Gas-Kessel (bei Temperaturen < -5 °C, ca. 15 Tage/Jahr)
Intelligente Regelung: Preis vs. Temperatur
Moderne Hybrid-Steuerungen (z. B. Viessmann Hybrid Pro Control, Vaillant sensoAPP) optimieren automatisch:
Entscheidungskriterien:
- Temperatur-basiert: Unter -5 °C → Gas
- Preis-basiert: Wenn Strom/COP > Gaspreis → Gas
- Regelenergie: Bei negativen Strompreisen (PV-Überschuss) → WP bevorzugen
Wirtschaftlichkeits-Formel:
Grenz-COP = Strompreis / (Gaspreis / Kessel-Wirkungsgrad)
Beispiel:
- Strompreis: 0,30 EUR/kWh
- Gaspreis: 0,10 EUR/kWh
- Kessel-Wirkungsgrad: 95 %
Grenz-COP = 0,30 / (0,10 / 0,95) = 2,85
→ Wärmepumpe ist wirtschaftlich, solange COP > 2,85 → Bei -10 °C und COP 2,5 ist Gas günstiger
Kosten-Vergleich: Hybrid vs. Nur-Wärmepumpe vs. Nur-Gas
Szenario: Unsanierter Altbau, 150 m², 180 kWh/m²a (27.000 kWh Wärmebedarf/Jahr)
| Variante | Investition | Förderung | Eigenanteil | Jahreskosten Energie | CO₂-Ausstoß | 20-Jahre-TCO |
|---|---|---|---|---|---|---|
| Nur Gas-Brennwert (neu) | 12.000 EUR | 0 EUR | 12.000 EUR | 2.800 EUR | 6,5 t | 68.000 EUR |
| Nur Wärmepumpe (JAZ 2,5, unsaniert) | 28.000 EUR | 11.200 EUR (40 %) | 16.800 EUR | 3.240 EUR | 3,2 t | 81.600 EUR |
| Hybrid (WP primär, Gas sekundär) | 22.000 EUR | 12.100 EUR (55 %) | 9.900 EUR | 2.100 EUR | 2,8 t | 51.900 EUR |
Ergebnis: Das Hybrid-System ist wirtschaftlich überlegen – trotz höherer Anfangsinvestition (nach Förderung niedriger Eigenanteil) und deutlich niedrigeren Betriebskosten.
Förderung Hybrid-Systeme 2026:
- Basis: 30 %
- Klimageschwindigkeitsbonus: +20 % (bei Antrag bis 2028, Austausch fossil)
- Einkommensbonus: +30 % (bei < 40.000 EUR zu versteuerndem Einkommen)
- Maximale Förderung: 70 % (aber max. 21.000 EUR absolut bei 30.000 EUR förderfähigen Kosten)
Wichtig: Wärmepumpe muss mindestens 30 % (bivalent-parallel) bzw. 40 % (bivalent-alternativ) der Heizlast decken.
Kosten-Gesamtübersicht Altbau
Die Kosten für eine Wärmepumpe im Altbau setzen sich aus mehreren Komponenten zusammen. Hier die realistische Aufstellung:
Basis-Investitionen Wärmepumpe
| Komponente | Luft-Wasser | Erdwärme (Kollektor) | Erdwärme (Tiefenbohrung) | Hybrid (WP+Gas) |
|---|---|---|---|---|
| Wärmepumpe | 12.000–18.000 EUR | 14.000–20.000 EUR | 14.000–20.000 EUR | 10.000–14.000 EUR (kleiner) |
| Wärmequelle | Im Preis | 8.000–12.000 EUR | 12.000–20.000 EUR | – |
| Installation | 3.000–5.000 EUR | 4.000–6.000 EUR | 4.000–6.000 EUR | 3.000–4.000 EUR |
| Pufferspeicher | 2.000–3.000 EUR | 2.000–3.000 EUR | 2.000–3.000 EUR | 2.000–3.000 EUR |
| Warmwasserspeicher | 1.500–2.500 EUR | 1.500–2.500 EUR | 1.500–2.500 EUR | 1.500–2.500 EUR |
| Regelung (bei Hybrid) | – | – | – | 1.500–2.500 EUR |
| Altkessel behalten | – | – | – | 0 EUR (Bestand) |
| Gesamt Basis | 25.000–35.000 EUR | 35.000–50.000 EUR | 40.000–60.000 EUR | 22.000–30.000 EUR |
Zusatzkosten Altbau-spezifisch
| Komponente | Kosten | Notwendigkeit | Förderung |
|---|---|---|---|
| Heizkörper-Tausch (6–10 Stück) | 3.000–10.000 EUR | Falls 55°C-Test negativ | 15–20 % (BEG EM Heizungsoptimierung) |
| Hydraulischer Abgleich | 800–1.500 EUR | Pflicht bei WP-Förderung | Enthalten in Heizungsoptimierung |
| Stromnetz-Anschluss (falls 3-phasig fehlt) | 1.000–3.000 EUR | Bei Altbau oft nötig | Nein |
| Schallschutzmaßnahmen (Wand, Entkopplung) | 500–2.000 EUR | Bei dichter Bebauung | Nein |
| Entsorgung Altkessel (bei Nicht-Hybrid) | 500–1.000 EUR | Bei Nicht-Hybrid | Nein |
| Inbetriebnahme & Optimierung | 500–1.000 EUR | Empfohlen | Nein |
Optionale Sanierung (empfohlen)
| Maßnahme | Kosten | JAZ-Verbesserung | Förderung BEG EM |
|---|---|---|---|
| Dachgeschoss-Dämmung | 8.000–15.000 EUR | +0,5–0,8 | 15–20 % |
| Kellerdeckendämmung | 3.000–6.000 EUR | +0,2–0,3 | 15–20 % |
| Fassadendämmung | 20.000–40.000 EUR | +0,6–1,0 | 15–20 % |
| Fenster (3-fach) | 15.000–25.000 EUR | +0,3–0,5 | 15–20 % |
Gesamtkosten-Szenarien (EFH 150 m²)
| Szenario | Maßnahmen | Brutto-Investition | Förderung | Netto-Eigenanteil |
|---|---|---|---|---|
| Szenario 1: Gut sanierter Altbau | Luft-WP + hydraulischer Abgleich | 26.000 EUR | 10.400 EUR (40 %) | 15.600 EUR |
| Szenario 2: Teilsanierter Altbau | Luft-WP + 6 Heizkörper + Dach/Keller-Dämmung | 42.000 EUR | 13.000 EUR (31 % avg) | 29.000 EUR |
| Szenario 3: Unsanierter Altbau (Hybrid) | Hybrid-System + 4 Heizkörper | 28.000 EUR | 15.400 EUR (55 %) | 12.600 EUR |
| Szenario 4: Unsanierter Altbau (Vollsanierung) | Erdwärme-WP + Vollsanierung (Dach/Keller/Fassade) | 85.000 EUR | 19.000 EUR (22 % avg) | 66.000 EUR |
Pragmatisches Vorgehen: Für unsanierte Altbauten ist Szenario 3 (Hybrid) oft der beste Kompromiss: Niedrigster Eigenanteil, niedrigste Betriebskosten, keine Sanierung sofort nötig, spätere Sanierung möglich.
Betriebskosten-Realität: JAZ im Altbau
Die Jahresarbeitszahl (JAZ) entscheidet über Wirtschaftlichkeit. Hier realistische Werte basierend auf Fraunhofer ISE Feldtests (2023):
JAZ-Erwartungen nach Gebäudezustand
| Gebäudezustand | Energieverbrauch | Vorlauftemperatur | JAZ Luft-Wasser | JAZ Erdwärme | Jahreskosten (150 m², 22.500 kWh) |
|---|---|---|---|---|---|
| Saniert (KfW 70-Standard) | < 100 kWh/m²a | 35–40 °C | 4,0–4,5 | 4,5–5,0 | 1.500–1.700 EUR |
| Teilsaniert (Dach/Keller) | 100–150 kWh/m²a | 45–50 °C | 3,0–3,5 | 3,8–4,2 | 1.900–2.250 EUR |
| Unsaniert (vor 1977) | 150–200 kWh/m²a | 55–60 °C | 2,5–3,0 | 3,2–3,6 | 2.500–3.000 EUR |
| Stark unsaniert | > 200 kWh/m²a | 65–70 °C | 2,0–2,5 | 2,8–3,2 | 3.000–3.750 EUR |
Vergleich zu Gas-Brennwert (2026):
- Gaspreis: 0,10 EUR/kWh (22.500 kWh / 0,95 Wirkungsgrad = 23.684 kWh Endenergie)
- Jahreskosten Gas: 2.368 EUR
Fazit: Wärmepumpe im Altbau ist wirtschaftlich, wenn JAZ ≥ 2,8 erreicht wird (bei Strompreis 0,30 EUR/kWh und Gaspreis 0,10 EUR/kWh).
20-Jahres-Wirtschaftlichkeit (Total Cost of Ownership)
Annahmen:
- EFH 150 m², 22.500 kWh Wärmebedarf
- Strompreis: 0,30 EUR/kWh (real 2–3 % Steigerung/Jahr)
- Gaspreis: 0,10 EUR/kWh (real 3–5 % Steigerung/Jahr)
- CO₂-Preis steigt von 45 EUR/t (2024) auf 130 EUR/t (2030) laut BEHG
| Variante | Investition (netto) | Betrieb 20 Jahre | Wartung 20 Jahre | CO₂-Preis 20 Jahre | TCO 20 Jahre |
|---|---|---|---|---|---|
| Gas-Brennwert | 12.000 EUR | 55.000 EUR | 8.000 EUR | 18.000 EUR | 93.000 EUR |
| WP Altbau unsaniert (JAZ 2,8) | 16.800 EUR | 60.000 EUR | 4.000 EUR | 9.000 EUR | 89.800 EUR |
| WP Altbau teilsaniert (JAZ 3,5) | 29.000 EUR | 48.000 EUR | 4.000 EUR | 7.200 EUR | 88.200 EUR |
| Hybrid (WP+Gas) | 9.900 EUR | 42.000 EUR | 6.000 EUR | 7.800 EUR | 65.700 EUR |
Ergebnis: Hybrid-Systeme sind über 20 Jahre 27.300 EUR günstiger als reiner Gas-Brennwert – und das bei deutlich niedrigerem CO₂-Ausstoß.
Lärm & Nachbarschaft: Neue Anforderungen ab 2026
Wärmepumpen erzeugen Betriebsgeräusche (50–65 dB). In dicht bebauten Altbau-Siedlungen ist das kritisch.
Rechtliche Anforderungen ab 2026
Seit Januar 2026 gelten verschärfte Fördervoraussetzungen:
| Leistungsklasse | Max. Schallleistungspegel (2026) | Ecodesign-Grenze (alt) | Verbesserung |
|---|---|---|---|
| 6–12 kW | 60 dB | 70 dB | -10 dB |
| 12–20 kW | 62 dB | 72 dB | -10 dB |
TA Lärm Grenzwerte (Immission am Nachbarhaus):
| Gebietstypologie | Tags (6–22 Uhr) | Nachts (22–6 Uhr) |
|---|---|---|
| Reines Wohngebiet | 50 dB | 40 dB |
| Allgemeines Wohngebiet | 55 dB | 40 dB |
| Mischgebiet | 60 dB | 45 dB |
Kritischer Punkt: Die nächtliche Immission von 40 dB ist in Altbau-Nachbarschaften oft schwer einzuhalten. Eine WP mit 60 dB Schallleistung erzeugt in 3 m Entfernung etwa 45–50 dB Immission – zu laut!
Lösungsansätze
| Maßnahme | Wirkung | Kosten | Anwendung |
|---|---|---|---|
| Schallschutzwand (2 m hoch, 3 m breit) | -5 bis -10 dB | 500–1.500 EUR | Standard bei Grenz-Aufstellung |
| Anti-Vibrations-Matten | -3 bis -5 dB (Körperschall) | 100–300 EUR | Immer empfohlen |
| Nachtmodus (reduzierte Leistung) | -5 bis -8 dB | 0 EUR (Einstellung) | Bei Hybrid-Systemen sinnvoll |
| Innenaufstellung | Nur Innengeräusche | +3.000–5.000 EUR | Bei kritischen Nachbarschaften |
| Leise Modelle (≤56 dB) | Erfüllung ohne Zusatzmaßnahmen | +2.000–4.000 EUR (Aufpreis) | Stadtlagen, Reihenhäuser |
Empfohlene Hersteller für leise Modelle (Stand 2026):
- Viessmann Vitocal 250-A (56 dB bei 7 kW)
- Vaillant aroTHERM plus (54 dB bei 7 kW)
- NIBE S-Series (53 dB bei 6 kW)
- Daikin Altherma 3 H HT (55 dB bei 8 kW)
Förderung & Finanzierung Altbau 2026
Die BEG-Förderung ist für Altbauten besonders attraktiv – bis zu 70 % Zuschuss sind möglich.
BEG EM: Heizungsförderung (KfW 458)
Basis-Förderung:
- Wärmepumpe: 30 %
- Förderfähige Kosten: max. 30.000 EUR → max. 9.000 EUR Zuschuss
Bonus-Programme (kumulierbar):
| Bonus | Voraussetzung | Höhe | Max. Förderung |
|---|---|---|---|
| Klimageschwindigkeitsbonus | Austausch fossil, Antrag bis 2028 | +20 % | 50 % |
| Einkommensbonus | Zu verst. Einkommen < 40.000 EUR | +30 % | 70 % |
| Gesamt maximal | – | – | 70 % (max. 21.000 EUR) |
Beispielrechnung Hybrid-System:
- Kosten: 25.000 EUR
- Basis: 30 % = 7.500 EUR
- Klimabonus: +20 % = +5.000 EUR
- Einkommensbonus: +30 % = (nicht über 70 % möglich, daher 0 EUR zusätzlich)
- Förderung: 17.500 EUR (70 % von 25.000 EUR)
- Aber: Max. 21.000 EUR bei 30.000 EUR förderfähigen Kosten
- Tatsächliche Förderung: 17.500 EUR
BEG EM: Einzelmaßnahmen (Sanierung)
| Maßnahme | Förderung | Mit iSFP-Bonus | Max. förderfähige Kosten |
|---|---|---|---|
| Dämmung Dach | 15 % | 20 % | 60.000 EUR |
| Dämmung Fassade | 15 % | 20 % | 60.000 EUR |
| Fenster | 15 % | 20 % | 60.000 EUR |
| Heizungsoptimierung (Heizkörper, hydr. Abgleich) | 15 % | 20 % | 30.000 EUR |
iSFP = individueller Sanierungsfahrplan (durch Energieberater erstellt, Kosten: 600–1.200 EUR, davon 50 % gefördert)
KfW 261: Sanierungskredit
Alternative zur BEG EM: Zinsgünstiger Kredit mit Tilgungszuschuss.
| Sanierungsziel | Kreditrahmen | Tilgungszuschuss | Effektive Förderung |
|---|---|---|---|
| KfW-Effizienzhaus 85 | 150.000 EUR | 5 % | 7.500 EUR |
| KfW-Effizienzhaus 70 | 150.000 EUR | 10 % | 15.000 EUR |
| KfW-Effizienzhaus 55 | 150.000 EUR | 15 % | 22.500 EUR |
| KfW-Effizienzhaus 40 | 150.000 EUR | 20 % | 30.000 EUR |
Beste Wahl für: Umfassende Sanierung (Hülle + Heizung), bei der BEG EM-Grenzen überschritten werden.
Steuerbonus (§ 35c EStG)
Alternative ohne Förderantrag: Abzug über Einkommensteuer.
- 20 % der Kosten über 3 Jahre verteilt
- Max. 40.000 EUR Kosten → max. 8.000 EUR Steuerersparnis
- Nur für selbstgenutzte Immobilien
- Keine Kombination mit BEG möglich
Beste Wahl für: Gutverdiener mit hoher Steuerlast, die keinen Förderantrag stellen wollen.
Antragspflichten und -prozess
Kritischer Zeitpunkt: Der Förderantrag muss VOR Vertragsabschluss gestellt werden! Ein nachträglicher Antrag ist nicht möglich.
Ablauf:
- Angebote einholen (unverbindlich)
- Förderantrag stellen (KfW-Portal, 2–4 Wochen Bearbeitungszeit)
- Förderzusage abwarten
- Vertrag unterschreiben
- Installation durchführen
- Rechnung einreichen
- Förderung wird ausgezahlt
Pflicht-Dokumente:
- Heizlast-Berechnung nach DIN EN 12831 (durch Fachbetrieb)
- Hydraulischer Abgleich (Bestätigung nach Durchführung)
- Fachunternehmer-Bescheinigung
- Optional: Energieberater-Bestätigung (+5 % Förderung mit iSFP)
Häufige Fehler im Altbau vermeiden
Diese Fehler kosten Geld, Nerven oder Effizienz:
| Fehler | Folge | Kosten/Verlust | Lösung |
|---|---|---|---|
| 1. Zu kleine WP dimensioniert | Elektrischer Heizstab läuft oft (COP 1,0) | +30–50 % Stromkosten | Heizlast korrekt berechnen, nicht "klein dimensionieren" für Förderung |
| 2. Zu große WP dimensioniert | Taktung, Verschleiß | -1,0 JAZ, Lebensdauer -30 % | Heizlast-Berechnung, nicht "auf Nummer sicher gehen" |
| 3. Kein hydraulischer Abgleich | Ungleiche Wärmeverteilung | -15–20 % Effizienz | Pflicht! DIY oder Fachbetrieb |
| 4. Förderung nach Vertragsabschluss | Keine Förderung | -12.000–21.000 EUR | Antrag VOR Unterschrift |
| 5. Hochtemperatur-WP ohne Prüfung | JAZ 2,0–2,5, unwirtschaftlich | +800–1.200 EUR/Jahr Betrieb | 55°C-Test, ggf. Hybrid wählen |
| 6. Heizkurve nicht optimiert | Zu hohe Vorlauftemperatur | -0,5 bis -1,0 JAZ | Siehe Optimierungs-Leitfaden |
| 7. Keine Dämmung der Heizungsrohre | Wärmeverlust im Keller | -5–10 % | Rohre dämmen (30 EUR/lfdm) |
| 8. Lärm unterschätzt | Nachbarschaftsstreit, Rückbau | 10.000–30.000 EUR | Schallschutz einplanen, leises Modell |
Schritt-für-Schritt: So entscheiden Sie richtig
Phase 1: Analyse (Woche 1–2)
Checkliste:
- [ ] Energieausweis besorgen (oder Verbrauch der letzten 3 Jahre ermitteln)
- [ ] Spezifischen Verbrauch berechnen: kWh/m²a
- [ ] 55°C-Test durchführen (an kaltem Tag)
- [ ] Heizlast-Rechner nutzen: Link zum Tool
- [ ] Angebote von 3 Installateuren einholen (inkl. Heizlast-Berechnung)
Phase 2: Entscheidungsmatrix (Woche 3–4)
WENN Verbrauch < 100 kWh/m²a UND 55°C-Test OK:
→ Direkt Wärmepumpe (Luft oder Erdwärme)
→ Förderung: 30–40 %
→ Eigenanteil: 15.000–21.000 EUR
→ JAZ erwartbar: 3,8–4,5
WENN Verbrauch 100–150 kWh/m²a UND 55°C-Test teilweise OK:
→ Option A: Dach + Keller dämmen (10.000 EUR), dann WP
→ Option B: Hybrid-System (WP primär, Gas sekundär)
→ Förderung: 30–55 % (Hybrid höher)
→ Eigenanteil: 12.000–29.000 EUR
→ JAZ erwartbar: 3,2–3,8 (nach Dämmung) / 3,0 (Hybrid)
WENN Verbrauch 150–200 kWh/m²a ODER 55°C-Test negativ:
→ Option A: Teilsanierung + WP (langfristig beste Lösung)
→ Option B: Hybrid-System (kurzfristig günstiger, flexibler)
→ Förderung: 25–55 %
→ Eigenanteil: 29.000–66.000 EUR (Option A) / 12.000 EUR (Option B)
→ JAZ erwartbar: 3,5–4,0 (Option A) / 3,0 (Option B)
WENN Verbrauch > 200 kWh/m²a UND 55°C-Test deutlich negativ:
→ Erst sanieren (Dach/Fassade/Keller), dann WP ODER
→ Hybrid-System dauerhaft
→ Förderung: 15–70 % (je nach Umfang)
→ Eigenanteil: 12.000 EUR (nur Hybrid) / 66.000+ EUR (Vollsanierung)
→ JAZ erwartbar: 2,5–3,0 (ohne Sanierung) / 3,8–4,2 (nach Sanierung)
Phase 3: Förderung optimieren (Woche 5–6)
Entscheidung: Energieberater ja/nein?
| Situation | Empfehlung | Begründung |
|---|---|---|
| Verbrauch < 100 kWh/m²a, klare WP-Eignung | Nein (optional) | +5 % Förderung (1.500 EUR) vs. 300 EUR Eigenanteil = lohnt sich |
| Verbrauch 100–200 kWh/m²a, Sanierung erwogen | Ja | iSFP bringt +5 % + zeigt optimalen Sanierungsweg |
| Verbrauch > 200 kWh/m²a, Vollsanierung | Ja, dringend | Komplexität hoch, Förder-Optimierung essentiell |
Kosten Energieberater:
- Vor-Ort-Beratung + iSFP: 600–1.200 EUR
- Förderung: 50 % (300–600 EUR Eigenanteil)
- Zusatz-Förderung durch iSFP: +5 % auf Sanierung (oft 1.000–3.000 EUR)
Schritt-für-Schritt:
- [ ] Energieberater beauftragen (falls entschieden)
- [ ] iSFP erstellen lassen (4–6 Wochen)
- [ ] Finales Angebot von Installateur einholen
- [ ] Förderantrag stellen (KfW-Portal, 2–4 Wochen Bearbeitungszeit)
- [ ] Förderzusage abwarten (NICHT vorher unterschreiben!)
Phase 4: Umsetzung (Woche 10–20)
| Woche | Maßnahme | Dauer | Kosten |
|---|---|---|---|
| 10–11 | Vertrag unterschreiben (nach Förderzusage!) | – | 0 EUR |
| 12–14 | Installation (ggf. vorher Sanierung) | 2–4 Wochen | Raten laut Vertrag |
| 15–16 | Inbetriebnahme + Einweisung | 1 Tag | 0 EUR |
| 17–20 | Optimierungsphase (Heizkurve anpassen) | 4 Wochen | 0 EUR (Eigenleistung) |
| 20 | Rechnung + Abnahmeprotokoll an KfW | – | 0 EUR |
| 22–24 | Förderung wird ausgezahlt | – | Eingang auf Konto |
Fazit: Wann lohnt sich die Wärmepumpe im Altbau wirklich?
Kernaussagen:
- Der 55°C-Test ist der wichtigste Indikator – bestanden = WP problemlos möglich
- Hybrid-Systeme sind für unsanierte Altbauten oft die beste Lösung – niedriger Eigenanteil (9.900 EUR), niedrigste Betriebskosten, keine Sanierung sofort nötig
- Teilsanierung (Dach + Keller) bringt beste ROI – 11.000–21.000 EUR Investition, JAZ +0,7–1,1, Amortisation 8–12 Jahre
- Hochtemperatur-WP nur als Notlösung – JAZ 2,0–2,5 ist wirtschaftlich kaum besser als Gas
- Förderung VOR Vertragsabschluss beantragen – sonst 12.000–21.000 EUR verschenkt
- JAZ unter 2,5 ist unwirtschaftlich – dann Hybrid oder erst sanieren
Goldene Regel für Altbau-Eigentümer:
- Verbrauch < 150 kWh/m²a: Wärmepumpe direkt (ggf. Dach/Keller dämmen)
- Verbrauch 150–200 kWh/m²a: Hybrid-System oder Teilsanierung + WP
- Verbrauch > 200 kWh/m²a: Erst sanieren ODER dauerhaft Hybrid
Eine Wärmepumpe im Altbau ist technisch fast immer möglich – die Frage ist nur, ob sie wirtschaftlich sinnvoll ist. Mit diesem Leitfaden haben Sie das Werkzeug, um diese Frage für Ihr Gebäude zu beantworten. Der 55°C-Test, die Heizlast-Berechnung und die Wirtschaftlichkeitsrechnung zeigen klar, welcher Weg der richtige ist.
Nächster Schritt: Nutzen Sie unseren Heizlast-Rechner, um die benötigte Heizleistung zu ermitteln – Grundlage jeder fundierten Entscheidung.
Häufig gestellte Fragen (FAQ)
1. Funktioniert eine Wärmepumpe im unsanierten Altbau?
Ja, technisch funktioniert sie – die Frage ist, ob es wirtschaftlich sinnvoll ist. Bei JAZ unter 2,5 (typisch bei stark unsanierten Altbauten) sind die Betriebskosten ähnlich hoch wie bei Gas. Hybrid-Systeme sind oft die bessere Lösung: WP deckt 80 % ab (wenn effizient), Gas springt bei Spitzenlast ein.
2. Brauche ich eine Fußbodenheizung für eine Wärmepumpe?
Nein. Moderne Niedertemperatur-Heizkörper funktionieren sehr gut mit Wärmepumpen (Vorlauf 45–50 °C). Fußbodenheizung ist ideal, aber nicht zwingend nötig. Der 55°C-Test zeigt, ob Ihre vorhandenen Heizkörper ausreichen.
3. Wie laut ist eine Wärmepumpe im Altbau?
Moderne Modelle erreichen 50–60 dB Schallleistung (ab 2026: max. 60 dB für Förderung). In 3 m Entfernung entspricht das etwa 45–50 dB Immission. Kritisch wird es bei dichter Bebauung und nachts (TA Lärm: max. 40 dB). Lösungen: Schallschutzwand (-5 bis -10 dB), Innenaufstellung (+3.000–5.000 EUR), leises Modell wählen.
4. Was kostet eine Wärmepumpe im Altbau?
Netto-Eigenanteil nach Förderung:
- Gut sanierter Altbau: 15.600–21.000 EUR (Luft-WP)
- Teilsanierter Altbau: 29.000 EUR (mit Dach/Keller-Dämmung)
- Unsanierter Altbau (Hybrid): 9.900–12.600 EUR (beste Option)
5. Wie hoch ist die Förderung 2026?
BEG-Förderung:
- Basis: 30 %
- Klimageschwindigkeitsbonus (Austausch fossil, bis 2028): +20 %
- Einkommensbonus (< 40.000 EUR Einkommen): +30 %
- Maximum: 70 %, aber max. 21.000 EUR absolut
6. Kann ich meinen Gas-Kessel behalten (Hybrid)?
Ja! Hybrid-Systeme (WP + Gas) sind für Altbauten oft ideal:
- WP deckt 70–85 % der Jahreswärme
- Gas nur bei Spitzenlast (< -5 °C, ca. 15 Tage/Jahr)
- Förderung: bis zu 55 %
- Gesetzliche Anforderung: WP muss ≥30 % (bivalent-parallel) bzw. ≥40 % (bivalent-alternativ) der Heizlast decken
7. Wie lange dauert die Amortisation im Altbau?
Abhängig vom Szenario:
- Hybrid-System: 8–12 Jahre (vs. Gas-Brennwert neu)
- WP mit Teilsanierung: 12–18 Jahre (vs. Gas-Brennwert neu)
- WP ohne Sanierung (JAZ 2,5): 15–25 Jahre oder länger (kritisch)
8. Was ist der Bivalenzpunkt?
Die Außentemperatur, ab der die Wärmepumpe allein nicht mehr ausreicht und der zweite Wärmeerzeuger (Gas/Öl) einspringt. Typisch: -2 °C bis -8 °C. Bei Hybrid-Systemen wird dieser Punkt intelligent gesteuert (Preis vs. Temperatur).
9. Brauche ich einen Energieberater?
Nicht verpflichtend, aber empfohlen bei:
- Verbrauch > 150 kWh/m²a
- Sanierung geplant
- Komplexer Fall (Denkmalschutz, Mehrfamilienhaus)
Vorteil: +5 % Förderung durch iSFP (individueller Sanierungsfahrplan), Kosten: 300–600 EUR Eigenanteil (nach 50 % Förderung).
10. Funktioniert eine Wärmepumpe auch bei -20 °C?
Ja. Moderne Wärmepumpen funktionieren bis -25 °C Außentemperatur. Der COP sinkt aber (bei -15 °C: COP 2,5 statt 4,0 bei +7 °C). In Deutschland sind Temperaturen unter -10 °C selten (< 10 Tage/Jahr), daher kaum relevant für Jahreseffizienz. Bei extremer Kälte kann ein elektrischer Heizstab oder Hybrid-Kessel unterstützen.
Die komplette Artikelserie „Wärmepumpen"
- Wärmepumpe: Der komplette Ratgeber 2026 – Überblick
- Der Anti-Kühlschrank: Wie funktioniert eine Wärmepumpe? – Physikalische Grundlagen
- Die Komponenten: Wärmetauscher, Kompressor und Expansionsventil – Bauteile im Detail
- Kennzahlen und Dimensionierung von Wärmepumpen – COP, JAZ, SCOP
- Betriebsweisen: Monovalent, Bivalent und Hybrid – Betriebsarten erklärt
- Wärmepumpen-Typen und das Dreamteam mit Solaranlagen – Typen & Kombination mit PV
- SCOP erklärt: Die saisonale Leistungszahl – Effizienz richtig bewerten
- Wärmepumpe richtig einstellen: Der Praxisleitfaden – Heizkurve, hydraulischer Abgleich, JAZ verbessern
- Wärmepumpen-Leistung berechnen: So geht's richtig – Dimensionierung nach VDI 4645
- Wärmepumpe Kosten 2026: Anschaffung, Betrieb, Förderung – Vollständiger Kosten-Überblick
- Stromverbrauch pro Jahr: Verbrauch berechnen, verstehen und senken – Verbrauch nach Gebäudetyp und Heizsystem
- Wärmepumpe im Altbau: Voraussetzungen, Lösungen & Kosten – Sie sind hier
Quellen
- Bosch: Wärmepumpe im Altbau
- Viessmann: Wärmepumpe im Altbau
- Finanztip: Wärmepumpe für Altbau ohne Fußbodenheizung
- energie-experten.org: Bivalenter Betrieb von Wärmepumpen
- BAFA: Förderung von Wärmepumpen 2026
- KfW: Heizungsförderung für Privatpersonen (458)
- energie-fachberater.de: Änderungen KfW-Heizungsförderung 2026
- Fraunhofer ISE: Feldtest Wärmepumpen in Bestandsgebäuden (2023)
- VDI 4645: Heizungsanlagen mit Wärmepumpen in Ein- und Mehrfamilienhäusern
- DIN EN 12831-1: Heizungsanlagen in Gebäuden – Verfahren zur Berechnung der Norm-Heizlast
- TA Lärm: Technische Anleitung zum Schutz gegen Lärm (Bundesimmissionsschutzgesetz)
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